Potaruru Blue Spring
Reiseroute Teil 2 - Neuseeland

Ein neuer Abschnitt, ein neues Neuseeland

Mit der Überfahrt auf die Nordinsel beginnt gefühlt ein ganz neues Kapitel unserer Reise.

Hinter uns liegen die wilden Landschaften der Südinsel vor uns wartet ein Neuseeland, das noch einmal ganz anders ist. Wärmer, ursprünglicher, geologisch aktiver. Eine Insel, auf der die Erde spürbar lebt. Schon die ersten Kilometer ab Wellington zeigen uns, dass hier nichts planbar ist. Das Wetter schlägt um, Straßen werden überflutet und wir merken schnell: Diese Etappe verlangt Flexibilität.

Doch genau das macht sie so besonders. Zwischen Vulkanen, dampfenden Landschaften, glasklaren Quellen und leuchtenden Höhlen erleben wir die Nordinsel intensiver, als wir es je erwartet hätten. Ein Abschnitt voller Kontraste und voller Überraschungen.

Hawera & Taranaki – Zwischen Vulkan und Sturm

Nach der ruhigen Überfahrt erreichen wir Wellington doch das Wetter schlägt schneller um, als wir schauen können. Während wir noch auf der Fähre stehen, ziehen bereits dunkle Wolken auf. Wenig später erreichen uns Warnmeldungen über Überschwemmungen und Erdrutsche. Die Nordinsel zeigt sich direkt von ihrer unberechenbaren Seite.

Auf dem Weg Richtung Hawera fahren wir durch eine Region, die stark von Landwirtschaft geprägt ist. Weite, saftig grüne Wiesen und gefühlt unendlich viele Kühe. Kein Wunder: Taranaki gilt als eines der wichtigsten Milchwirtschaftsgebiete Neuseelands. Im Hintergrund zumindest theoretisch thront der perfekt geformte Mount Taranaki. Ein nahezu symmetrischer Stratovulkan, der oft mit dem japanischen Fuji verglichen wird. Wir sehen ihn leider kaum.

Regen, Nebel, graue Wolken. Und trotzdem lassen wir uns die Wanderung zu den Dawson Falls nicht nehmen. Der dichte Regenwald rundherum wirkt fast mystisch, das Wasser rauscht kraftvoll in die Tiefe ein kleines Highlight trotz allem.

Ein kurzer Lichtblick erwartet uns in Whanganui. Die Stadt liegt am gleichnamigen Fluss, einem der längsten schiffbaren Flüsse des Landes und tatsächlich hat dieser Fluss seit 2017 sogar einen eigenen rechtlichen Status als lebendes Wesen. Ein spannendes Zusammenspiel aus Natur und Kultur.

Hier zeigt sich kurz die Sonne. Wir schlendern durch das Zentrum, das für seine kreative Szene und als UNESCO City of Design bekannt ist. Ein kurzer Moment zum Durchatmen.

Wellington Fähre
Wellington Nordinsel
Whanganui
Taranaki Wanderung
Taranaki Dawson Falls
Taranaki Dawson Falls

Tongariro Nationalpark – Vulkane im Verborgenen

Weiter geht es Richtung Norden und die Regenwolken bleiben uns treu.

Die Fahrt über den State Highway 4 fühlt sich fast surreal an. Sanfte Hügel, weite Wiesen, Schafe, die wie kleine Punkte in der Landschaft verteilt sind.

Nicht umsonst diente diese Region als Kulisse für Mittelerde. Unser Ziel: der Tongariro National Park Neuseelands ältester Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe. Hier erheben sich gleich mehrere aktive Vulkane, darunter der Mount Ruapehu, der Mount Ngauruhoe und der Mount Tongariro. Eine Landschaft, die eigentlich von schwarzen Lavafeldern, roten Kratern und smaragdgrünen Seen geprägt ist. Eigentlich. Denn diesmal bleibt uns vieles verborgen. Sturm, Regen und dichte Wolken hüllen die Vulkane ein. Und während wir fahren, wird rund um Wellington sogar der nationale Notstand ausgerufen. Ein Moment, in dem einem bewusst wird, wie kraftvoll und unberechenbar Natur sein kann. Trotz allem Regen und Sturm besuchen wir kurz die Tawhai Falls, welche auch als Gollum’s Pool bekannt sind.

Auenland
Viadukt
Tongariro Nationalpark
Gollums Pool

Taupo & Rotorua – Wenn die Erde atmet

Also Planänderung. Wir lassen den Tongariro Nationalpark hinter uns und fahren weiter. In Taupo machen wir einen Abstecher zu den mächtigen Huka Falls. Die Wassermassen quetschen sich durch eine enge Schlucht und rauschen mit wahnsinnger Geschwindigkeit an uns vorbei.

Wir kommen in die geothermisch aktivste Region des Landes rund um Rotorua. Und hier merkt man sofort: Die Erde lebt. Es dampft an jeder Ecke. Der Geruch von Schwefel liegt in der Luft unverkennbar. Blubbernde Schlammlöcher, heiße Quellen und dampfende Felder prägen das Landschaftsbild. Rotorua liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer der aktivsten geologischen Zonen der Erde. Die Mud Pools wirken fast surreal zäh blubbernder Schlamm, der kontinuierlich an die Oberfläche gedrückt wird.

 

Da wir ein paar Tage hier haben, erkunden wir die Okere Falls. Das Herbstlaub leuchtet am Rotorua See, doch am Waaerfall wird es plötzlich grün. Dicht. Fast tropisch. Baumfarne, Lianen und moosbedeckte Wege lassen die Umgebung wie einen kleinen Dschungel wirken. Die Wasserfallpools leuchten und der teils enge Weg führt über steile Treppen und durch den Felsen hindurch – eine leichte wunderschöne Tour zum Tagesbeginn.

 

Ein weiteres Highlight folgt direkt: der Redwoods Forest. Die bis zu 70 Meter hohen Kalifornischen Küstenmammutbäume wurden Anfang des 20. Jahrhunderts hier angepflanzt und fühlen sich im milden Klima erstaunlich wohl. Beim Blick nach oben verliert man sich fast zwischen den Baumkronen. Durch diesen Wald schlängeln sich verschiedene Wanderwege und Mountainbike Trails, wer es gern abenteuerlicher mag kann den Baumwipfelpfad samt Kletterausrüstung besteigen.

 

Zum Abschluss unserer Zeit hier laufen wir um den Blue Lake und genießen vom Aussichtspunkt den Blick auf den Green Lake. Zwei Seen, die direkt nebeneinander liegen und doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Sonne bleibt uns gewogen auf dem 5,5km langen Wanderweg. Und zwischendrin: ganz viel Ruhe und Vogelgezwitscher.

 

Morgens und abends beobachten wir Alpakas und ein flauschiges Schaf direkt von unserer Couch aus. Unsere Unterkunft ist rings um eine Weide angeordnet – hier lässt es sich gut erholen.

Hoka Falls
Rotorua Mud Pools
Redwood Forest
Rotorua Okere Falls

Putaruru Blue Springs – Ein Ort zum Staunen

Manchmal sind es die kleinen Stopps, die einen am meisten überraschen. Die Putaruru Blue Springs gehören definitiv dazu. Das Wasser hier ist so klar, dass es fast unwirklich wirkt. Tatsächlich zählt es zu den saubersten Süßwasserquellen der Welt. Und genau das sieht man. Jede Pflanze, jede Bewegung im Wasser ist sichtbar. Es schimmert in intensiven Blau- und Türkistönen, während kleine Vögel durch die Luft flitzen. Wir laufen den neu angelegten Weg entlang und bleiben immer wieder stehen – es ist wie Tauchen ohne nass zu werden. Einfach nur schauen. Und staunen.

Potaruru Blue Spring

Waitomo Caves – Ein Sternenhimmel unter der Erde

Auf der Weiterfahrt Richtung Hamilton wartet noch einmal ein echtes Highlight: die Waitomo Caves.

Ich war anfangs skeptisch, ob sich eine geführte Tour wirklich lohnt. Im Waitomo District gibt es über 400 bekannte Höhlensysteme, die über Millionen Jahre durch Wasser in Kalkstein geformt wurden. Oberhalb der Erde erkennt man diese Prozesse an sogenannten Sinklöchern Stellen, an denen das Erdreich langsam nachgibt.

 

Schon vor der Höhle entdecken wir große Aale im Wasser und sind gespannt, was auf uns zu kommt. Und dann geht es hinein. Helm auf, Taschenlampe an. Die Höhle wirkt zunächst still bis wir das Licht ausschalten. Und plötzlich: ein Sternenhimmel. Tausende Glühwürmchenlarven leuchten an der Decke und erzeugen ein fast magisches Bild. Ihre feinen Fäden hängen nach unten, um kleine Insekten zu fangen ein faszinierendes Naturschauspiel. Mit einem Boot gleiten wir lautlos durch die Dunkelheit der Höhle, unterirdische Wasserfälle rauschen und dieses intensive Leuchten über uns. Ein Moment, der sich kaum beschreiben lässt. Und der zeigt, wie vielfältig dieses Land eigentlich ist von Vulkanen über Regenwald bis hin zu einer Welt unter der Erde.

Waitomo Glowworm Caves

Gerade noch stehen wir zwischen dampfenden Landschaften und unterirdischen Sternenhimmeln und schon geht es weiter Richtung Norden. Die Straßen werden ruhiger, die Temperaturen milder und irgendwo da oben wartet schon der nächste Abschnitt. Der hohe Norden, das Far North mit endlosen Stränden, subtropischer Natur und dem Gefühl, dem Ende der Welt ein Stück näher zu kommen.

Ich bin gespannt, was mich dort erwartet und setzte meine Reisebegleitung der letzten 3 Wochen in Auckland am Flughafen ab.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert