Reiseroute Teil 4 - Indonesien

Sumatra – 3 Tage Dschungeltrekking mit Orang-Utans

Nach den Korallenriffen des Komodo-Nationalparks wartete zum Abschluss meiner Indonesien-Rundreise noch einmal ein völlig anderes Abenteuer. Von Labuan Bajo führte mich die Reise über Jakarta bis nach Medan im Norden Sumatras. Während Bali, Lombok und Flores vor allem für ihre Strände, Vulkane und Inselwelten bekannt sind, empfing mich Sumatra mit dichtem Regenwald, einer enormen Artenvielfalt und einer Ursprünglichkeit, wie ich sie auf meiner Reise bisher kaum erlebt hatte.

Mit einer Fläche von rund 473.000 Quadratkilometern ist Sumatra die sechstgrößte Insel der Welt und deutlich größer als Deutschland. Die Insel beherbergt einige der letzten zusammenhängenden tropischen Regenwälder Südostasiens und ist Heimat vieler bedrohter Tierarten wie Orang-Utans, Sumatra-Tiger, Nashörner und Elefanten. Besonders der Gunung-Leuser-Nationalpark, der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört, zählt zu den letzten Orten der Erde, an denen Orang-Utans noch frei in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden können.

Bukit Lawang – Das Tor zum Regenwald

Nach meiner nächtlichen Ankunft in Medan wartete bereits am nächsten Morgen die nächste Etappe. Rund sieben Stunden ging es in einem Minivan Richtung Bukit Lawang, einem kleinen Dorf am Rande des Gunung-Leuser-Nationalparks.

Je weiter wir die Großstadt hinter uns ließen, desto häufiger wechselten sich kleine Dörfer mit scheinbar endlosen Palmölplantagen ab. Kilometer um Kilometer reihten sich die Monokulturen aneinander. Ehrlich gesagt war dieser Anblick bedrückend. Wo früher einmal artenreicher Regenwald stand, wachsen heute Ölpalmen bis zum Horizont.

Gleichzeitig wurde mir bewusst durch die Gespräche, wie komplex dieses Thema ist. Palmöl ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Indonesiens und sichert vielen Familien ihre Existenz. Gerade in Sumatra, wo der Wohlstand vielerorts deutlich geringer wirkt als auf Bali oder Flores, leben zahlreiche Menschen direkt oder indirekt von dieser Industrie. Diese Gegensätze beschäftigten mich während der gesamten Fahrt.

Unser Ziel war Bukit Lawang, ein kleines Dorf mit rund 3.000 Einwohnern am Rand des Gunung-Leuser-Nationalparks. Einst lebten die Menschen hier überwiegend von Landwirtschaft und Kautschukanbau. Heute prägt vor allem der nachhaltige Naturtourismus den Ort. Kleine Gästehäuser, familiengeführte Restaurants und lokale Trekkingagenturen bestimmen das Straßenbild. Entlang des Flusses herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre Reisende sitzen in kleinen Cafés, beobachten die vorbeiziehenden Schläuche der sogenannten Jungle Taxis oder genießen einfach den Blick auf den dichten Regenwald am gegenüberliegenden Ufer.

Verglichen mit Medan oder anderen Teilen Sumatras wirkt Bukit Lawang fast wie eine kleine Oase. Gleichzeitig merkt man schnell, dass man sich nicht in einem klassischen Touristenort wie Bali befindet. Die Infrastruktur ist deutlich einfacher, viele Straßen sind unbefestigt und das Leben verläuft insgesamt wesentlich ruhiger. Gerade diese Ursprünglichkeit macht für viele den besonderen Charme des Ortes aus. Es ist vermutlich einer der letzten Orte, in denen (zum Glück) die Maps Navigation versagt.

Bukit Lawang
Bukit Lawang Dorf
Bukit Lawang Sumatra

Drei Tage durch den Regenwald

Am nächsten Morgen traf sich unsere kleine Trekkinggruppe mit den beiden Guides. In der Ecolodge. Schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass dieses Trekking keine gemütliche Wanderung werden würde. Bei Temperaturen von über 30 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von nahezu 90 Prozent und ständigem Auf und Ab verwandelten sich die schmalen Pfade schnell in rutschige Schlammbahnen. Jeder Schritt kostete Kraft, die Kleidung war innerhalb kürzester Zeit komplett durchgeschwitzt und selbst kurze Anstiege fühlten sich an wie kleine Expeditionen. An den beiden Haupttagen waren wir jeweils sechs bis sieben Stunden zu Fuß unterwegs. Immer wieder ging es steil bergauf und bergab, über umgestürzte Bäume, durch kleine Bäche und tiefen Matsch. Genau diese Ursprünglichkeit machte das Abenteuer aber auch so besonders. Mit jedem Kilometer entfernten wir uns weiter von Straßen, Handyempfang und dem gewohnten Alltag und tauchten in das Ökosystem Regenwald ab.

Leben mitten im Regenwald

Unser Camp war so einfach wie authentisch. Geschlafen wurde auf einer dünnen Matratze unter einem Moskitonetz mitten im Dschungel, begleitet von den Geräuschen der Natur. Geduscht wurde direkt im Fluss. Nach einem langen Trekkingtag war das angenehm kühle Wasser eine herrliche Erfrischung und gleichzeitig die schönste Möglichkeit, den Schlamm des Tages loszuwerden.

Sobald die Sonne hinter den Baumkronen verschwand, wurde es schlagartig dunkel. Elektrizität gab es keine. Der Tagesrhythmus wurde vollständig vom Sonnenlicht bestimmt. Abends saßen wir gemeinsam bei Kerzenschein und Taschenlampenlicht, aßen zusammen und spielten Karten, während ringsherum der Regenwald langsam zur Ruhe kam und gleichzeitig mit unzähligen Tierstimmen zum Leben erwachte.

Besonders beeindruckt haben mich unsere Guides. Tagüber kannten sie jeden noch so unsichtbaren Pfad und mitten im Dschungel zauberten sie auf einem einfachen Gaskocher täglich abwechslungsreiche Mahlzeiten, die ich dort niemals erwartet hätte. Frisches Obst, Gemüse, Reis, Currygerichte, Tempeh, Eier, Suppen und sogar kleine Desserts standen plötzlich vor uns. Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie sie all diese Zutaten durch den Dschungel transportiert und daraus jeden Tag ein so leckeres Essen gezaubert haben. Ihre Herzlichkeit, Erfahrung und Fürsorge machten das Trekking mindestens genauso besonders wie die Tierbeobachtungen selbst.

Orang-Utan Sumatra
Orang-Utan Trekking

Orang-Utans in freier Wildbahn

Der Moment, auf den wir alle hofften, ließ auf unserer Tour nicht lange auf sich warten. Plötzlich blieb unser Guide stehen und deutete lautlos nach oben. Nur wenige Meter entfernt bewegte sich eine Orang-Utan-Dame scheinbar mühelos durch die Baumkronen. Wenig später begegneten wir weiteren Tieren frei lebend, völlig entspannt und in ihrem natürlichen Lebensraum.

Orang-Utans kommen heute weltweit nur noch auf Sumatra und Borneo vor. Ihr Name stammt aus dem Malaiischen und bedeutet übersetzt „Mensch des Waldes“ (Orang Hutan). Als ich diesen intelligenten Tieren direkt gegenüberstand und beobachtete, wie aufmerksam sie jede Bewegung wahrnahmen, verstand ich sofort, warum dieser Name so passend ist. Besonders faszinierend ist ihre Nähe zu uns Menschen. Rund 97 Prozent unseres Erbguts teilen wir mit Orang-Utans. Sie nutzen Werkzeuge, können Probleme lösen, lernen durch Beobachtung und bauen eine außergewöhnlich enge Bindung zu ihrem Nachwuchs auf. Junge Orang-Utans bleiben oft sieben bis neun Jahre bei ihrer Mutter länger als fast jedes andere Säugetier. Viele ihrer Gesten, Gesichtsausdrücke und Bewegungen wirkten auf mich erstaunlich vertraut und machten diese Begegnung unglaublich emotional.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie zerbrechlich ihr Lebensraum geworden ist. Schätzungen zufolge leben heute nur noch etwa 14.000 Sumatra-Orang-Utans in freier Wildbahn. Damit gelten sie laut der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) als vom Aussterben bedroht. Hauptursachen sind die fortschreitende Abholzung der Regenwälder, die Ausweitung von Palmölplantagen sowie illegale Wilderei und der Handel mit Wildtieren.

Der Gunung-Leuser-Nationalpark spielt deshalb eine entscheidende Rolle für ihren Schutz. Gemeinsam mit internationalen Naturschutzorganisationen werden hier große Regenwaldflächen erhalten, verletzte oder beschlagnahmte Orang-Utans rehabilitiert und wenn möglich wieder ausgewildert. Gleichzeitig zeigt die Realität aber auch, wie schwierig dieser Schutz ist. Solange Regenwald wirtschaftlich wertvoller erscheint als sein Erhalt, bleibt das Überleben der Orang-Utans eine große Herausforderung.

Umso dankbarer war ich, diese Tiere in Freiheit beobachten zu dürfen. Nicht in einem Zoo oder Wildpark, sondern dort, wo sie hingehören hoch oben in den Baumkronen des Regenwaldes. Für mich war das einer der bewegendsten Momente meiner gesamten Reise.

Gibbons, Thomas-Languren und Nashornvögel

Doch nicht nur die Orang-Utans machten das Trekking zu etwas Besonderem. An einem der folgenden Tage wurden wir fast 45 Minuten lang von einer Gruppe Thomas-Languren begleitet. Immer wieder sprangen sie neugierig von Ast zu Ast und schienen mindestens genauso interessiert an uns zu sein wie wir an ihnen.

Immer wieder hörten wir außerdem die lauten Rufe der Siamangs, der größten Gibbon-Art der Welt. Ihre kraftvollen Gesänge hallten durch den gesamten Regenwald und verliehen dem Dschungel eine fast mystische Atmosphäre.

Kurz vor dem Ende unseres Trekkings hatten wir schließlich noch das Glück, ein Paar Nashornvögel (Hornbills) durch die Baumkronen fliegen zu sehen. Mit ihren riesigen Schnäbeln gehören sie zu den beeindruckendsten Vögeln Südostasiens und gelten in vielen Regionen als Symbol für den intakten Regenwald.

Hornbill Sumatra
Thomas Leaf Monkey

Mit dem Dschungeltaxi zurück in die Zivilisation

Nach drei Tagen voller Schlamm, Schweiß und unvergesslicher Begegnungen wartete zum Abschluss noch ein letztes Abenteuer. Anstatt den gesamten Weg zurückzulaufen, banden unsere Guides mehrere große Reifen zusammen, legten Matten darüber und bauten daraus unser „Dschungeltaxi“. Gemeinsam ließen wir uns auf dem Fluss zurück nach Bukit Lawang treiben. Während rechts und links der dichte Regenwald vorbeizog, konnte man all die gesammelten Eindrücke nochmal gut wirken lassen. Ein besseres Ende hätte dieses Abenteuer kaum haben können.

Rückblickend…

Sumatra war kein einfacher Reiseabschnitt. Die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und das anstrengende Trekking fordern körperlich mehr als viele andere Stationen meiner Reise. Gleichzeitig war es einer der eindrucksvollsten Orte, die ich in Indonesien erleben durfte. Die Begegnung mit frei lebenden Orang-Utans, das Beobachten der Gibbons und Thomas-Languren, die Geräusche des Regenwaldes und die vielen Gespräche unterwegs haben mir einmal mehr gezeigt, wie schützenswert diese letzten großen Regenwaldgebiete unserer Erde sind.

Mit Sumatra endete schließlich meine Zeit in Indonesien. Vier Wochen voller Vulkane, Tempel, Korallenriffe, Inseln und Dschungel hätten kaum abwechslungsreicher sein können. Kaum ein anderes Land vereint so viele unterschiedliche Landschaften, Religionen und Kulturen auf engem Raum. Genau diese Vielfalt hat Indonesien für mich zu einem der faszinierendsten Reiseziele gemacht und ganz sicher zu einem Land, in das ich eines Tages zurückkehren möchte.

Leuser Nationalpark
Camping Dschungel
Dschungel Trekking

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