Coastal Walk Mangawhai
Reiseroute Teil 2 - Neuseeland

Northland: Neuseelands subtropischen Norden erleben

Der Norden Neuseelands fühlt sich an wie ein ganz eigenes Land.

Nach den rauen Landschaften der Südinsel und den vulkanischen Regionen der Nordinsel verändert sich hier oben erneut alles: Das Klima wird milder, die Natur üppiger und die Atmosphäre spürbar entspannter. Willkommen in Northland einer Region, die als Wiege der neuseeländischen Geschichte gilt und gleichzeitig mit einigen der schönsten Küsten des Landes begeistert.

Meine Route führt mich von Auckland über Whangarei entlang der spektakulären Twin Coast bis in die traumhafte Bay of Islands und weiter hinauf bis zum magischen Cape Reinga einem Ort, an dem zwei Ozeane aufeinandertreffen und Geschichten der Māori lebendig werden. Dieser Abschnitt meiner Neuseeland Nordinsel Rundreise verbindet traumhafte Strände, spannende Geschichte und ganz besondere Begegnungen und zeigt noch einmal eine völlig neue Facette dieses faszinierenden Landes.

Whangārei & Twin Coast – Zwischen Regenwald und Traumküsten

Nachdem der Familien-Roadtrip zu Ende geht und ich wieder alleine unterwegs bin, fühlt sich dieser Abschnitt ein bisschen wie ein Neuanfang an.

Mein neues Auto ist abgeholt, der Norden ruft doch der Start zeigt sich erstmal typisch neuseeländisch: Regen. Viel Regen.

Die Strecke von Auckland nach Whangarei verschwimmt förmlich hinter dichten Wolken und prasselnden Tropfen. Von der Landschaft bekomme ich kaum etwas mit. Umso schöner ist der nächste Morgen.Sonne. Und plötzlich zeigt sich Northland von seiner besten Seite. Ich starte meinen Tag bei den Whangarei Falls. 26 Meter stürzt das Wasser hier über dunkles Vulkangestein in die Tiefe ein perfektes Zusammenspiel aus Kraft und Ruhe. Der Rundweg führt durch dichten, subtropischen Wald, vorbei an beeindruckenden Kauri trees, die zu den größten Bäumen des Landes zählen und mehrere tausend Jahre alt werden können. Mit jedem Schritt wird klar: Der Norden ist grüner, wärmer und irgendwie weicher als der Süden.

Ich folge der Twin Coast Discovery Highway einer Route, die Ost- und Westküste miteinander verbindet. Immer wieder halte ich an Aussichtspunkten, lasse den Blick über Buchten und Inseln schweifen, bis ich schließlich Matapouri erreiche. Barfuß im Sand. Die Füße im Meer. Später geht es weiter zur Whale Bay eine dieser Buchten, die fast zu schön wirkt, um echt zu sein. Kleine Inseln, türkisfarbenes Wasser, sanfte Wellen. Ich sitze einfach da, trinke meinen Kaffee und schaue aufs Meer. Und merke: Genau so habe ich mir diesen Teil der Reise vorgestellt.

Whangarei Wasserfall
Whale Bay
Whale Bay Lookout

Bay of Islands – Zwischen Geschichte und Inselträumen

Die Bay of Islands fühlt sich an wie ein komplett neues Kapitel. Über 140 Inseln verteilen sich hier im türkisblauen Wasser ein Paradies, das fast schon karibisch wirkt. Warmes Licht, blühende Hibiskusbüsche, kleine Buchten und diese entspannte Leichtigkeit, die sofort auf mich übergeht. Mit der Fähre geht es nach Russell. Heute ein ruhiger, charmanter Ort früher jedoch das Zentrum des frühen europäischen Lebens in Neuseeland. Hier entstand die erste dauerhafte Siedlung, der erste Hafen und ganz in der Nähe, in Okiato, sogar die erste Hauptstadt des Landes. Was mich besonders fasziniert:

Die Straßenführung und viele Namen sind seit 1843 nahezu unverändert. Ein Ort, der Geschichte atmet. Ich wandere hinauf zum Flagstaff Hill, genieße den Blick über die Inselwelt und verliere mich danach wieder zwischen kleinen Buchten und Stränden.

Bay of Islands
Bay of Islands Fähre
Bay of Island Strand

Waitangi & Haruru Falls – Geschichte, die unter die Haut geht

Ein Ort, der mich besonders berührt, sind die Waitangi Treaty Grounds. Hier wurde 1840 der Vertrag von Waitangi unterzeichnet das wichtigste Dokument in der Geschichte Neuseelands, das die Beziehung zwischen Māori und der britischen Krone regelt. Ich nehme an einer Führung teil, höre Geschichten, die weit über das hinausgehen, was man in Büchern liest. Erlebe eine Māori-Zeremonie und spüre, wie komplex, bewegend und auch schmerzhaft diese gemeinsame Geschichte ist. Auf dem Gelände stehen noch originale Gebäude, kunstvoll geschnitzte Versammlungshäuser und traditionelle Kanus die Waka. Vier Stunden vergehen wie im Flug und hinterlassen viele Gedanken. Um das alles sacken zu lassen, zieht es mich wieder in die Natur. Ich wandere entlang des Waitangi River bis zu den Haruru Falls. Die Fälle sind breit gefächert, fast hufeisenförmig und damit ganz anders als die Wasserfälle, die ich bisher gesehen habe. Der Weg führt weiter durch Mangrovenwälder. Still. Ruhig. Fast menschenleer. Ein perfekter Kontrast.

Waitangi Treaty Grounds
Waitangi Maori
Maori Pazifik
Maori Waka
Paihia Sonnenaufgang
Mangroven
Haruru Falls

Cape Reinga – Am Ende der Welt

Der Weg ganz nach oben ist weit und genau deshalb entscheide ich mich für eine geführte Tour. Und ja… der Altersdurchschnitt im Bus ist definitiv höher als meiner. Aber spätestens beim Sandboarding kommen wir alle ins Gespräch. Unser Weg führt entlang des legendären Ninety Mile Beach der tatsächlich als offizielle Straße gilt. Endloser Sand, das Meer zur einen Seite, Dünen zur anderen. Und dann erreichen wir Cape Reinga. Ein Ort mit tiefer spiritueller Bedeutung für die Māori. Hier, so heißt es, beginnen die Seelen ihre letzte Reise. Sie folgen der Küste bis zu einem alten Pohutukawa-Baum und springen von dort ins Meer zurück in ihre ursprüngliche Heimat. Unser Guide erzählt uns die Geschichten von Māui, der der Legende nach die Nordinsel mit seinem magischen Haken aus dem Meer zog. Und plötzlich ergibt alles ein Bild. Wenn man auf die Karte schaut, wirkt die Nordinsel tatsächlich wie ein Rochen und Cape Reinga wie dessen Spitze. Hier treffen auch zwei Meere aufeinander: die wilde Tasman Sea und der ruhigere Pacific Ocean. Die Strömungen prallen sichtbar aufeinander. Ein Ort voller Energie. Und wieder einer dieser Momente, die sich kaum festhalten lassen.

90Mile Beach
Cape Reinga
Cape Reinga Bucht

Omapere – Unerwartet beeindruckend

Über den Nord-Westen findet man erstaunlich wenig und genau deshalb bin ich neugierig. Ich fahre nach Omapere ohne große Erwartungen und werde komplett überrascht. Nach sanften Hügeln und grüner Landschaft öffnet sich plötzlich ein Panorama, das sich fast surreal anfühlt: die riesigen Sanddünen am Hokianga Harbour. Golden. Weit. Fast wie eine kleine Wüste direkt neben dem Meer. Diese Region gilt als einer der ersten Orte, an denen der polynesische Entdecker Kupe Neuseeland betreten haben soll. Entsprechend tief verwurzelt sind hier viele Māori-Geschichten. Ich wandere hinauf zum ehemaligen Leuchtturm, lasse den Blick schweifen und versuche, all das zu greifen. Was nicht ganz gelingt. Zu groß. Zu schön. Meine Unterkunft mit Meerblick rundet diesen Tag perfekt ab. Ich lerne Bruce kennen, den Besitzer mehrer Ferienzimmer, gehe noch einmal an den Strand und bleibe bis zum Sonnenuntergang und merke: Ich hätte hier locker noch ein paar Tage bleiben können.

Omapere Beach
Sanddünen
Waipoura Forest

Kai Iwi Lakes – Versteckte Oasen zwischen Kauri-Wäldern

Der Morgen beginnt entspannt mit Blick aufs Meer, bevor ich mich wieder auf den Weg mache immer weiter entlang der wilden Westküste. Die Straße schlängelt sich durch dichten Regenwald, vorbei an mächtigen Kauri-Bäumen, die nur hier auf der Nordinsel Neuseelands wachsen. Diese Giganten können über 2.000 Jahre alt werden und gehören zu den größten Bäumen der Welt und genau hier, mitten in dieser stillen Landschaft, fühlt man sich plötzlich ganz klein.

Für eine gefühlte Ewigkeit begegnet mir kein einziges Auto. Nur ich, die Straße und diese unberührte Natur. Ganz spontan entscheide ich mich für einen Abstecher zu den Kai Iwi Lakes und bin sofort fasziniert. Die Seen liegen auf uralten Sanddünen und sind bekannt für ihr unglaublich klares, leicht türkisfarbenes Wasser. Je nach Lichteinfall schimmert die Oberfläche sogar zweifarbig fast surreal. Und das Beste: Ich habe diesen Ort komplett für mich allein. Ich ziehe die Schuhe aus, spaziere am Ufer entlang und halte die Füße ins Wasser. Mit einem vollen Kopf und ruhigem Herz geht es schließlich weiter mein nächstes Ziel: die Ostküste.

Kauri Bäume
Kai Iwi Lakes
Kai Iwi Lakes

Mangawhai Heads – Zwischen Dünen, Regenwald und Pazifik

Zurück am Pazifik erwartet mich in Mangawhai Heads eine ganz andere, aber genauso besondere Atmosphäre. Für zwei Tage ziehe ich in ein wunderschön gelegenes Airbnb mit Blick auf die Dünen und das offene Meer ein und habe das große Haus tatsächlich ganz für mich allein. Meine Hosts, Carolynn und Allan, empfangen mich mit einer Herzlichkeit, die sofort hängen bleibt. Sie geben mir ihre liebsten Wandertipps und genau so entstehen wieder diese kleinen Abenteuer, die man nie planen kann. Ich starte mit dem Küstenwanderweg: Weite Blicke über den Pazifik, kleine vorgelagerte Inseln und dieser endlose Horizont. Mangawhai liegt an einem der längsten Sandstrände der Region, geprägt von Dünenlandschaften und einer dynamischen Küstenlinie, die sich ständig verändert.

Am Nachmittag wird es dann deutlich wilder: Ein schmaler, matschiger Pfad führt mich tief hinein in den Regenwald. Baumfarne, moosbedeckte Stämme und eine Hängebrücke lassen echtes Dschungel-Feeling am Tanekaha Wasserfall aufkommen. Kein Mensch weit und breit nur das Rauschen der Natur. Genau dieses völlige Abtauchen ist es, was diesen Ort so besonders macht. Abends lasse ich den Tag ganz entspannt ausklingen bei gutem Essen in Mangawhai Heads. Und am nächsten Morgen gönne ich mir spontan noch ein ausgiebiges Frühstück mit Meerblick. Manchmal sind es genau diese einfachen Momente, die sich wie Luxus anfühlen.

Mangawhai Heads
Coastal Walk Mangawhai
Coastal Walk Mangawhai
Tanekaha Wasserfall
Mangawhai Wanderung
Mangawhai Regenwald

Zum Abschluss zieht es mich noch einmal nach Auckland nicht als Anfang, sondern als bewusster Schlusspunkt dieser Reise. Nach all den wilden Landschaften, stillen Momenten und intensiven Erlebnissen freue ich mich darauf, hier noch einmal anzukommen und die letzten Tage in Neuseeland zu genießen. Ein bisschen Stadtleben, ein paar letzte Ausflüge in die Umgebung und vor allem Zeit, all das Erlebte wirken zu lassen ein ruhiger, stimmiger Ausklang für dieses große Abenteuer.

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