Moorea & Huahine – Zwischen Lagunen, Regenwald und Inselzeit
Nach sieben intensiven Wochen in Neuseeland beginnt mit Französisch-Polynesien ein völlig neuer Reiseabschnitt. Über die Datumsgrenze geht es mitten hinein in die Inselwelt des Südpazifiks – geprägt von türkisfarbenen Lagunen, tropischem Regenwald, vulkanischen Bergketten und der polynesischen Kultur. Französisch Polynesien besteht aus insgesamt fünf großen Inselgruppen: den Gesellschaftsinseln (Îles de la Société), dem Tuamotu-Archipel, den Marquesas-Inseln, den Austral-Inseln sowie den Gambierinseln.
Meine Reise führt mich zunächst durch die Gesellschaftsinseln mit Moorea, Huahine, Raiatea, Taha’a und Bora Bora – die wohl bekanntesten Inseln des Landes. Danach warten mit Rangiroa und Fakarava zwei Atolle des Tuamotu-Archipels, die für ihre spektakulären Korallenriffe und die beeindruckende Unterwasserwelt weltberühmt sind. Den Abschluss bildet Tahiti, das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Französisch Polynesiens.
Zwischen Fähren, kleinen Propellerflugzeugen, tropischen Regenschauern, Rochen in kristallklaren Lagunen und ganz viel französisch-polynesischer Gelassenheit beginnt damit ein neues Abenteuer – irgendwo zwischen Vaiana-Filmkulisse und absolutem Inseltraum.
Schon bei der Ankunft auf Tahiti um drei Uhr morgens wurde klar: Diese Reiseetappe wird ganz anders. Live-Musik am Flughafen, tropisch warme Luft mitten in der Nacht und überall Blumenketten und entspannte Gesichter. Gleichzeitig startet hier sofort das Abenteuer Inselalltag – Fähren organisieren, Bargeld besorgen, Französisch sprechen und lernen, dass selbst ein kleiner Einkauf auf dem Markt schnell überraschend teuer werden kann.
Moorea – Lagunen, Regenwald & ganz viel Vaiana-Gefühl
Moorea liegt nur etwa 17 Kilometer nordwestlich von Tahiti und gehört zu den sogenannten Gesellschaftsinseln. Die vulkanische Insel entstand vor rund 1,5 bis 2 Millionen Jahren und beeindruckt bis heute mit ihrer spektakulären Landschaft aus schroffen Bergspitzen, dichtem Regenwald und leuchtend türkisen Lagunen. Auf rund 134 km² leben heute etwa 18.000 Einwohner verteilt auf kleine Dörfer entlang der Küste, während das bergige Inselinnere größtenteils unbewohnt geblieben ist.
Moorea wird oft als „Garteninsel“ bezeichnet – und das völlig zurecht. Üppige Vegetation, Ananasplantagen, Hibiskushecken und Palmen prägen das Bild der Insel. Die markanten Buchten Cook’s Bay und Opunohu Bay schneiden sich tief in das ehemalige Vulkangebirge hinein und gehören zu den bekanntesten Landschaften Französisch-Polynesiens. Durch die vulkanische Entstehung ragen die Berge teilweise steil mehrere hundert Meter aus dem Meer empor und sorgen gemeinsam mit den Korallenriffen für diese fast unwirklich schöne Kulisse.
Moorea bietet eine perfekte Mischung aus Abenteuer und Entspannung: Wanderungen durch tropischen Regenwald, Wasserfälle, Panorama-Aussichtspunkte, Schnorcheln direkt vom Strand Tipaniers aus und eine beeindruckende Unterwasserwelt mit Schildkröten, Rochen und bunten Rifffischen. Gleichzeitig spürt man überall den entspannten polynesischen Lebensstil kombiniert mit französischem Einfluss – sei es bei den kleinen Supermärkten mit frischen Croissants am Morgen oder den traditionellen Tanz- und Musikabenden am Meer. Der perfekte Start für mein Insehopping.
Die ersten Tage auf Moorea fühlten sich wirklich an wie mitten im Disneyfilm Vaiana. Überall laufen Hühner herum, am Strand liegt Schwein im Sand und im Hintergrund ragen schroffe grüne Bergspitzen aus der Inselmitte empor. Moorea entstand wie viele Inseln Polynesiens aus vulkanischer Aktivität und ist von einem nahezu geschlossenen Korallenriff umgeben. Dadurch entstehen diese unglaublich ruhigen, türkisfarbenen Lagunen, für die Französisch Polynesien weltweit bekannt ist.
Die tropische Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit haben mich anfangs allerdings ganz schön ausgebremst. Schon kleine Wege fühlen sich plötzlich sportlich an und nach wenigen Minuten klebt alles. Trotzdem war direkt klar, warum so viele Menschen von dieser Insel schwärmen. Die Vegetation ist überwältigend: riesige Farne, Palmen, Bananenstauden und dazwischen die dunkelgrünen Bergflanken, die fast senkrecht aus dem Dschungel wachsen.
Mit meiner Unterkunft hatte ich riesiges Glück. Fast ausschließlich französische Solo-Reisende waren dort untergebracht und so entstand schnell eine kleine Gemeinschaft. Morgens gab es Croissants und Pain au Chocolat aus dem Mini-Supermarkt um die Ecke und abends lange Gespräche über Reisen, das Leben und die nächsten Inselpläne – fast wie ein kleines Stück Frankreich mitten im Pazifik.
Ein erstes Highlight war der Aussichtspunkt am Montagne Magique. Von oben blickt man auf die Lagunen, die vorgelagerten Motus und die gezackten Bergketten der Insel. Je nach Sonneneinstrahlung wechseln die Wasserfarben ständig zwischen dunkelblau, türkis und fast neon-grün.
Auch unter Wasser bleibt Moorea beeindruckend. Direkt vom Strand aus konnten wir schnorcheln und unzählige bunte Fische beobachten. Mit dem Kajak paddelten wir später sogar hinaus zu kleinen Schwarzspitzenhaien und Rochen in der Lagune – ein absolut surrealer Moment, wenn plötzlich mehrere Tiere elegant unter dem Kajak entlanggleiten.
Wasserfall, Ananasroute & traumhafte Schnorchel-Spots
Die Zeit auf Moorea verging wie im Flug aufgrund der tollen Gesellschaft im Hostel. Jeden Tag haben wir etwas als kleine Gruppe unternommen, waren viel schnorcheln und entdeckten die Insel Stück für Stück gemeinsam. Besonders schön war unsere Wanderung zum Wasserfall von Afareaitu, der versteckt mitten im tropischen Regenwald liegt. Der Weg führte vorbei an riesigen Farnen, Bambus, wilden Blumen und unzähligen Mango- und Bananenbäumen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit fühlte sich alles noch tropischer an und spätestens dort verstand ich, warum viele Moorea als eine der schönsten Inseln der Südsee bezeichnen.
Ein weiteres Highlight war die Route d’Ananas, die berühmte Ananasstraße der Insel. Moorea ist bekannt für ihre besonders süßen Ananas und entlang der kleinen Straße wechseln sich Plantagen, dichte Vegetation und immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die grünen Vulkanberge ab. Von dort aus ging es weiter hinauf zum Belvedere Aussichtspunkt, einem der bekanntesten Panoramen der Insel. Von oben blickt man gleichzeitig auf die Cook’s Bay und die Opunohu Bay, die tief zwischen die schroffen Bergketten eingeschnitten sind. Gerade durch die dramatischen Wolken und den aufziehenden Regen wirkte die Landschaft fast unwirklich schön.
Das Wetter war zuletzt allerdings sehr stürmisch und es gab ungewöhnlich viel Regen, weshalb leider die spektakuläreren Wanderungen wie der Three Coconuts Pass oder Three Pines ausfallen mussten. Nichtsdestotrotz haben wir das Beste daraus gemacht, die hiesige Saftfabrik besichtigt, Yoga gemacht und uns mit Filmeabenden gemütlich eingerichtet. Trotz der anhaltenden Unwetter blieb es angenehm warm und die Unterwasserwelt weiterhin beeindruckend. Vor allem in unserer Lieblingsbucht Ta’ahiamanu konnten wir viele Schildkröten und eine Vielzahl bunter Fische beobachten.
Nach den intensiven und wunderschönen ersten Tagen auf Moorea ging es für mich weiter nach Huahine. Für die vielen Inselwechsel innerhalb Französisch-Polynesiens hatte ich mir vorab einen Air Tahiti Inselpass organisiert – eine Art Flugticket-Paket. Schon die kurzen Flüge selbst wurden jedes Mal zu einem kleinen Erlebnis. Bei Air Tahiti gibt es freie Sitzplatzwahl und natürlich wollte jeder möglichst nah ans Fenster. Kaum hebt die kleine Propellermaschine ab, blickt man auf tiefblaue Lagunen, winzige Motus, Korallenriffe und die markanten Vulkanberge der Inseln. Teilweise wirkt das Wasser von oben fast unrealistisch türkis. Die Flugzeit zwischen den Inseln beträgt oft nur wenige Minuten, aber genau diese Perspektive aus der Luft macht einem erst bewusst, wie verstreut die Inselwelten mitten im Pazifik eigentlich liegen. Schon beim Landeanflug auf Huahine konnte man sehen, dass die Insel deutlich ursprünglicher und grüner wirkte als Moorea – und genau darauf freute ich mich sehr.
Regen, Herzlichkeit und unvergessliche Begegnungen auf Huahine
Huahine wird oft als eine der ursprünglichsten Inseln Französisch Polynesiens beschrieben – und genau so hat sie sich auch angefühlt. Weniger Luxusresorts, weniger Verkehr und dafür deutlich mehr echtes Inselleben. Gleichzeitig war dieser Aufenthalt ein kleines Abenteuer: Stromausfälle, nachts plötzlich kein Wasser und fast tägliche Regenschauer gehörten hier einfach dazu.
Die Insel besteht eigentlich aus zwei Teilen – Huahine Nui im Norden und Huahine Iti im Süden –, die durch eine kleine Brücke miteinander verbunden sind. Beide Inselteile wirken unglaublich grün und ursprünglich, mit dicht bewachsenen Bergen, kleinen Dörfern und leuchtend blauen Lagunen. Überraschend fand ich, dass es deutlich weniger klassische Sandstrände gibt als erwartet. Viele Küstenabschnitte bestehen aus üppig bewachsenen Buchten oder Korallenformationen.
Mit dem Auto rund um Huahine: Aussichtspunkte, Marae & Traumstrände
Morgens direkt gestartet mit meinem Mietwagen lernte ich noch mehr über die kulturelle Bedeutung von Huahine und besuchte neben einem großartigen kleinen Muschelmuseum auch mehrere traditionelle Marae – jahrhundertealte polynesische Zeremonialstätten, die heute oft mitten im Regenwald verborgen liegen. Beeindruckend war außerdem die alte Fischfangmauer im Fluss von Maeva, die bereits von den frühen Polynesiern genutzt wurde. Diese ausgeklügelten Steinkonstruktionen lenkten die Fische mit der Strömung in bestimmte Bereiche und zeigen, wie eng das Leben hier schon damals mit Natur und Meer verbunden war.
Ein weiteres besonderes Erlebnis war der ehemalige Sofitel-Strand. Dort war die Strömung überraschend stark und die Wellen drückten ordentlich in die Lagune. Während ich noch damit beschäftigt war, halbwegs elegant im Wasser stehen zu bleiben, tauchte plötzlich ganz ruhig eine Schildkröte neben mir auf und schaute mich minutenlang neugierig an – einer dieser magischen Momente, die Französisch Polynesien irgendwie ständig bereithält.
Die schönsten Erinnerungen sind aber wieder die Begegnungen mit Menschen. Direkt am Abend wurde ich spontan von einer Gruppe Franzosen zum Apéro am Meer zu Sonnenuntergang eingeladen und später schauten wir gemeinsam traditionelle Tanzproben in Hapu für den berühmten polynesischen Wettbewerb Heiva i Tahiti an, der jedes Jahr im Juli stattfindet. Die Trommeln, die Bewegungen und die Energie der Tänzerinnen und Tänzer sorgten wirklich für Gänsehaut. Polynesischer Tanz ist hier weit mehr als Unterhaltung – er erzählt Geschichten über Natur, Ahnen und das Leben auf den Inseln.
Am nächsten Tag war ich mit einer Frau aus Freiburg unterwegs, die kurz vor ihrem 60. Geburtstag steht und voller Energie ist. Gemeinsam erkundeten wir Huahine Iti, fuhren zum Aussichtspunkt bei Tefarerii und blickten von dort auf die Lagune und die sattgrünen Berge der Insel. Danach besuchten wir die wilden Strände von Anini mit dem historischen Anini Marae – einer traditionellen polynesischen Kultstätte aus Stein, die eindrucksvoll zeigt, wie tief die Kultur hier verwurzelt ist. Später ging es weiter zur wunderschönen Avea Bay mit ihrem ruhigen Wasser und den Palmen direkt am Strand. Das eigentliche Abenteuer des Tages war allerdings unsere wilde Wanderung hinunter zum abgelegenen Hana Iti Beach. Der schmale Pfad war matschig, rutschig und durch den Regen teilweise kaum noch zu erkennen. Dafür wurden wir unterwegs immer wieder mit fantastischen Ausblicken auf die türkisfarbene Lagune belohnt – und am Ende wartete eine nahezu menschenleere Bucht mitten im Nirgendwo.
Wandern zwischen Regenwald & Lagunenblick
Tag 3 auf Huahine begann noch vor Sonnenaufgang. Gemeinsam mit einem jungen Paar aus Köln machten wir uns im Halbdunkel auf den Weg Richtung Mont Pohue Rahi – dem höchsten Punkt von Huahine Nui. Der schmale Pfad führte durch feuchten Regenwald, vorbei an riesigen Palmen und Bäumen, Wurzeln und matschigen Abschnitten, die nach den vielen Regenschauern der letzten Tage ordentlich Kraft kosteten. Mit jedem Höhenmeter öffneten sich jedoch immer wieder kleine Ausblicke auf die Lagune und die beiden Inselteile Huahine Nui und Huahine Iti, die durch eine kleine Brücke miteinander verbunden sind. Oben angekommen wurden wir mit einer fantastischen Aussicht belohnt: grüne Bergketten, türkisfarbene Buchten und die unzähligen Motus, die wie kleine grüne Punkte im Wasser lagen. Durch die tiefhängenden Wolken wirkte die Landschaft fast mystisch und gleichzeitig unglaublich friedlich. Genau solche Momente machen das Reisen für mich unvergesslich.
Nach der Wanderung ging es deutlich entspannter weiter und ich schlenderte noch durch den kleinen Markt von Fare, dem Hauptort der Insel. Zwischen frischem Obst, selbstgemachtem Schmuck, bunten Pareos und kleinen Essensständen herrschte eine angenehm ruhige Atmosphäre. Viele Menschen kennen sich hier noch untereinander, man grüßt sich, bleibt für einen Plausch stehen und alles wirkt entschleunigt. Besonders schön fand ich, dass auf Huahine vieles ursprünglicher geblieben ist als auf den bekannteren Inseln wie Bora Bora oder Moorea. Vom Markt aus hat man einen schönen Blick auf die Berge, die eine schlafende schwangere Frau zeigen soll. Nicht umsonst wird Huahine auch oft „die Insel der Frauen“ genannt. Der Name geht auf alte polynesische Überlieferungen zurück, denn Frauen spielten hier historisch eine besonders wichtige Rolle innerhalb der Gemeinschaften und Häuptlingsfamilien. Noch heute spürt man auf der Insel eine starke Verbindung zu Traditionen, Familienleben und kulturellem Erbe – vielleicht genau das, was Huahine diese besondere warme und authentische Atmosphäre verleiht.
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