Bora Bora – Zwischen Traumlagune, Mantarochen und der Realität hinter den Luxusresorts
Nach den ursprünglich gebliebenen Inseln Huahine und Raiatea ging es weiter nach Bora Bora – wahrscheinlich die berühmteste Insel Französisch-Polynesiens. Ehrlicherweise war ich vorher ziemlich skeptisch, ob Bora Bora überhaupt etwas für mich ist. Bilder von Luxusresorts auf Stelzen und Honeymoon-Pärchen hatte ich mehr als genug gesehen. Doch schon nach den ersten Stunden war klar: Die Natur dieser Insel ist so spektakulär, dass sie selbst alle Erwartungen und Klischees noch übertrifft.
Bora Bora entstand vor über sieben Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität und gehört wie Moorea, Huahine und Raiatea zu den Gesellschaftsinseln. Die Hauptinsel selbst ist nur etwa 38 Quadratkilometer groß, wird jedoch von einer riesigen türkisfarbenen Lagune umgeben, die fast dreimal so groß ist wie das eigentliche Eiland. Rund um den markanten Vulkan Mount Otemanu liegen kleine Motus – schmale Koralleninseln –, auf denen sich heute viele der bekannten Resorts befinden.
Ankommen auf Bora Bora – verspäteter Flug über die türkisfarbene Lagune
Der Start auf Bora Bora verlief zunächst etwas holprig: Vier Stunden Verspätung bei gerade einmal 15 Minuten Flugzeit zwischen den Inseln – willkommen in Französisch-Polynesien. Trotzdem war spätestens beim Blick aus dem Flugzeugfenster alles vergessen. Unter mir leuchtete die Lagune in unzähligen Blau- und Türkistönen, Korallenriffe zeichneten sich im Wasser ab und der dunkle Vulkan thronte mitten aus dem Pazifik.
Bora Bora besitzt keinen internationalen Flughafen. Der kleine Flughafen liegt auf einem eigenen Motu in der Lagune und man erreicht die Hauptinsel nur per Boot – was das Ankommen irgendwie noch besonderer macht. Und somit erreiche ich mein Airbnb zum Sonnenuntergang. Es fühlt sich nach den vielen Hostelaufenthalten davor fast schon luxuriös an: eigenes Bad, kleine Terrasse und ein fantastischer Blick auf Sonnenauf- und Sonnenuntergang.
Schnorcheln mit Mantarochen und Haien in der Lagune von Bora Bora
Direkt am ersten Tag schloss ich mich einer Bootstour mit mehreren Schnorchelstopps an – und spätestens dort verstand ich, warum Bora Bora für viele als eines der schönsten Lagunenparadiese der Welt gilt.
Wir schnorchelten zwischen bunten Korallen, kleinen tropischen Fischen, Adlerrochen und schließlich sogar mit zwei riesigen Mantarochen. Diese Tiere lautlos durch das Wasser gleiten zu sehen, war definitiv einer dieser Momente, die man nie wieder vergisst. Zwischendurch legten wir eine Pause auf einem kleinen Motu ein und genossen gemeinsam mit einer Gruppe Franzosen einfach das entspannte Inselleben: gutes Essen, Sonne und dieses unfassbar klare Wasser überall um uns herum. Nach vielen Regentagen auf den vorherigen Inseln fühlte sich dieser erste komplett sonnige Tag fast unwirklich an.
Die andere Seite von Bora Bora
So traumhaft die Natur hier ist, desto mehr fiel mir gleichzeitig der starke Kontrast zwischen Tourismus und Alltag der Einheimischen auf. Die riesigen Luxusresorts nehmen auf vielen Motus enorme Flächen ein und wirken teilweise fast künstlich und abgeschottet von der eigentlichen Insel. Einige ältere Anlagen stehen mittlerweile sogar leer und verfallen – acht Resorts mussten in den vergangenen Jahren schließen.
Während internationale Investoren neue Anlagen bauen, leben viele Einheimische weiterhin sehr einfach. Lebensmittel sind extrem teuer, frisches Obst und Gemüse oft schwer zu bekommen. Trotz des Luxusimages leben auf Bora Bora nur rund 10.000 Menschen dauerhaft. Viele Familien wohnen seit Generationen dort und arbeiten neben dem Tourismus weiterhin im Fischfang, im Anbau von Obst oder in kleinen lokalen Geschäften.
Eine Nacht in einem Luxusresort kostet schnell über 2000 Euro, selbst ein Tagesbesuch schlägt oft mit mehreren hundert Euro zu Buche. All das machte Bora Bora für mich zu einem Ort voller Gegensätze: unfassbar schön, gleichzeitig aber auch nachdenklich stimmend.
Bora Bora mit dem Fahrrad entdecken
Nach mehreren Tagen Sonne beschloss ich, die Insel mit dem Fahrrad zu erkunden – und genau das kann ich absolut empfehlen. Die Ringstraße rund um Bora Bora ist etwa 30 Kilometer lang, relativ flach und perfekt geeignet, um entspannt von Strand zu Strand zu fahren.
Der Weg führte vorbei an kleinen Dörfern, Palmen, Lagunenbuchten und immer wieder fantastischen Blicken auf den Mount Otemanu. Besonders schön war die Strecke bis zum berühmten Matira Beach, einem der wenigen öffentlichen Strände Bora Boras. Trotz seiner Bekanntheit wirkte auch hier vieles deutlich entspannter als erwartet.
Wanderung zum Mount Popoti und Ausblicke über die Lagune
Besonders gefreut habe ich mich darüber, eine Reisebekanntschaft von Raiatea auf Bora Bora wiederzutreffen. Gemeinsam machten wir uns früh morgens auf den Weg zum Mount Popoti. Nach sieben Kilometern mit dem Fahrrad erreichten wir den Startpunkt der Wanderung, zahlten die kleine Gebühr für die Querung des Privatgrundstücks und liefen anschließend durch dichten tropischen Wald bergauf.
Oben angekommen wurden wir mit einem spektakulären Panorama belohnt: die türkisfarbene Lagune, die vorgelagerten Motus und der markante Mount Otemanu mitten im Zentrum der Insel. Genau diese Perspektive zeigt, wie klein Bora Bora eigentlich ist – und gleichzeitig wie gewaltig die umliegende Lagune wirkt. Irgendwann bekamen wir unterwegs sogar noch Bananen geschenkt – eine dieser kleinen Begegnungen, die Reisen oft besonders machen.
Inselalltag zwischen Yoga, Sonnenaufgang und Pazifik
Mein Alltag auf Bora Bora wurde irgendwann angenehm simpel: früh aufstehen zum Sonnenaufgang, Yoga, Fahrradfahren, baden, schnorcheln, Sonnenuntergang anschauen und wieder schlafen gehen. Genau diese Mischung aus Bewegung, Natur und Entschleunigung machte die Tage hier so besonders.
Mit Bora Bora endete langsam meine Zeit auf den Gesellschaftsinseln – doch Französisch-Polynesien hält noch einmal eine völlig andere Welt bereit. Als Nächstes geht es hinaus in den Tuamotu-Archipel, eine Inselgruppe aus flachen Korallenatollen mitten im Pazifik, bekannt für ihre endlosen Lagunen, türkisfarbenen Passagen und einige der besten Tauchreviere der Welt. Nach vulkanischen Bergen, tropischem Regenwald und üppigen Lagunen wartet nun eine deutlich ursprünglichere und abgelegenere Seite Polynesiens auf mich – mit Rangiroa, Fakarava und ganz viel Ozean.
Wusstest du...?
- Der tahitianische Name „Porapora“ bedeutet vermutlich „erstgeboren“ oder „erst erschaffen“. In alten Legenden gilt die Insel als eine der ersten Inseln, die aus dem Ozean auftauchten.
- Während des Zweiten Weltkriegs war Bora Bora ein wichtiger amerikanischer Militärstützpunkt. Unter dem Namen „Operation Bobcat“ errichteten die USA hier 1942 ihre erste Versorgungsbasis im Südpazifik. Noch heute findet man alte Kanonenstellungen und Bunker auf der Insel.
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