Reiseroute Teil 3 - Französisch Polynesien

Fakarava – Zwischen Sternenhimmel & spektakulären Tauchgängen

Schon der Anflug auf Fakarava war die Reise wert. Aus dem Flugzeugfenster konnte ich mehrere Atolle erkennen und langsam wurde mir bewusst, wie abgelegen diese Inselwelt eigentlich ist. Mitten im endlosen Pazifik tauchte plötzlich ein schmaler Ring aus Korallen und türkisfarbenem Wasser auf. Noch immer kann ich kaum greifen, dass ich wirklich hier auf einem dünnen Streifen Sand mitten im Ozean gelandet bin.

Fakarava gehört zum Tuamotu-Archipel und ist eines der größten Atolle Französisch-Polynesiens. Gleichzeitig ist es UNESCO-Biosphärenreservat, weil die Unterwasserwelt hier als besonders intakt gilt. Anders als auf Bora Bora oder Moorea geht es hier deutlich ursprünglicher und ruhiger zu. Vieles wirkt reduziert auf das Wesentliche genau das macht den besonderen Reiz aus ähnlich wie auf Rangiroa.

Tuamotu Archipel
Tuamotu Atoll
Fakarava Luftbild

Leben zwischen Versorgungsschiff und leeren Supermarktregalen

Mit mir kam zum Glück auch gerade das Versorgungsschiff auf der Insel an. Das bedeutete allerdings gleichzeitig Ausnahmezustand im kleinen Supermarkt. Gefühlt stand halb Fakarava vor dem Supermarkt und als ich endlich an der Reihe war, waren viele der Regale schon wieder leer. Immerhin ergatterte ich noch drei Äpfel und eine Handvoll Tomaten. Obst, Gemüse, Reis oder selbst einfache Konserven sind hier teilweise tagelang kaum verfügbar. Eine Bekannte vom Tauchen erzählte sogar, dass zeitweise nicht einmal mehr Trinkwasser erhältlich gewesen sei.

Und trotzdem funktioniert das Leben hier irgendwie erstaunlich entspannt. Vielleicht gerade weil vieles langsamer läuft und man akzeptieren muss, dass nicht immer alles verfügbar ist. Genau diese Einfachheit macht Fakarava irgendwie besonders sympathisch.

Zelten am Pazifik unter Milliarden Sternen

Meine erste Nacht verbrachte ich direkt am Pazifik im Zelt mit nichts außer Meeresrauschen, Wind und einem unfassbaren Sternenhimmel über mir. Ohne große Lichtverschmutzung sieht man hier nachts die Milchstraße unglaublich klar. Einer dieser Momente, in denen man plötzlich merkt, wie klein man eigentlich mitten im Pazifik ist.

Für die nächsten Tage zog ich dann in einen kleinen Bungalow direkt an der Lagune. Eine bessere Entscheidung hätte ich kaum treffen können. Rund um die Uhr hörte ich die Wellen, beobachtete kleine Haie und Fische direkt vor der Unterkunft und konnte jeden Morgen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang direkt vom Wasser aus erleben.

Dabei stellte ich schnell fest, dass Fakarava ganz anders ist als die klassischen Südsee-Postkarten. Viele Strände bestehen nicht aus feinem weißen Sand, sondern aus Korallenbruch. Selbst der bekannte PK9-Strand oder große Teile der Pazifikseite sind überraschend rau und naturbelassen. Genau das lässt die Insel aber unglaublich ursprünglich wirken und lädt zum Muschel sammeln ein.

Fakarava Lagune
Fakarava Zelten
Fakarava Strand
PK9 Fakarava
Bungalow

Tauchen in Fakarava – Haie, Mantas & riesige Korallenriffe

Mein eigentlicher Grund für Fakarava waren natürlich die weltberühmten Tauchspots am Nord- und Südpass des Atolls. Und wow auch nach Rangiroa hat mich diese Unterwasserwelt komplett sprachlos gemacht. Von winzigen Nemo-Fischen bis hin zu riesigen Mantarrochen war alles dabei am Nordpass. Gerade am Südpass hatte ich wirklich das Gefühl, mitten in einem gigantischen Haifischbecken zu schweben. Die Korallenriffe wirken hier noch unglaublich gesund und voller Leben. Überall ziehen Fischschwärme durch das Wasser, kleine Riffhaie kreisen unter einem und ständig entdeckt man neue Farben und Formen.

Besonders beeindruckend wurde mir die enorme Größe des Atolls beim Tauchen am Südpass bewusst. Alleine die Bootsfahrt dorthin dauerte etwa anderthalb Stunden. Zwischendurch machten wir unsere Oberflächenpause auf einem winzigen Motu mit rosafarbenem Sand umgeben von nichts als türkisblauem Wasser.

Fakarava gilt unter Tauchern als einer der besten Orte weltweit, um große Haiansammlungen zu beobachten. Vor allem im Südpass sammeln sich während bestimmter Mondphasen hunderte Grauhaie gleichzeitig ein weltweit fast einzigartiges Naturphänomen. Zum Zeitpunkt meiner Reise war gerade das Laichen der Meru (Marmor Zackenbarsche) in vollem Gange, was tausende Fische und hunderte Haie anzieht aufgrund der freigesetzten Eier in der Tiefe des Passes.

Fischschwarm
Riffhai
Tauchen Fakarava
Wall of Sharks Fakarava
Wall of Sharks Fakarava

Inselalltag im Rhythmus des Ozeans

Abseits vom Tauchen vergehen die Tage hier fast automatisch langsamer. Fahrräder rollen gemütlich über die schmale Straße, Hunde schlafen im Schatten der Palmen und irgendwo sitzt immer jemand am Wasser und schaut einfach aufs Meer hinaus. Die Menschen leben hier stark mit dem Rhythmus des Ozeans. Fischfang, Wetter und das Versorgungsschiff bestimmen den Alltag deutlich mehr als Uhrzeiten oder Termine. Gerade nach den touristischeren Gesellschaftsinseln fühlt sich Fakarava fast wie eine andere Welt an. Im Vergleich zu Rangiroa ist Fakarava zwar weitläufiger, aber nochmal ruhiger. Und genau deshalb fiel mir der Abschied hier besonders schwer. Diese Mischung aus völliger Ruhe, beeindruckender Natur und einfachem Leben hat etwas, das sich nur schwer beschreiben lässt man muss es wahrscheinlich selbst erleben.

Mit dem Kajak durch die Lagune von Fakarava

Abseits der spektakulären Tauchgänge gehörten mein Kajaktoure zu den schönsten Erlebnissen auf Fakarava. Die Lagune ist oft so ruhig und klar, dass man selbst vom Kajak aus Korallengärten, bunte Rifffische und gelegentlich sogar kleine Riffhaie beobachten kann. Während man lautlos über das türkisfarbene Wasser gleitet, wechseln die Farben ständig zwischen hellem Türkis, tiefem Blau und den dunkleren Schattierungen der Korallenfelder. Oft war ich dabei völlig allein unterwegs und hatte das Gefühl, mitten durch ein riesiges natürliches Aquarium zu paddeln.

Besonders in den frühen Morgenstunden oder kurz vor Sonnenuntergang herrscht eine fast unwirkliche Ruhe auf der Lagune. Nur das Plätschern des Paddels und das gelegentliche Springen eines Fisches durchbrechen die Stille. Diese Momente haben mir noch einmal gezeigt, dass Fakarava nicht nur unter Wasser beeindruckt, sondern auch an der Oberfläche eine ganz besondere Magie besitzt.

Lagune Fakarava

Perlenlotterie

Eine weitere schöne Erfahrung war die sogenannte „Pearl Lottery“ in der Havaiki Lodge. Zunächst erhielten wir einen spannenden Einblick in die Perlenzucht, die für viele Familien in den Tuamotu-Atollen bis heute eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Dabei erfuhren wir, wie empfindlich die Austern auf Veränderungen der Wasserqualität reagieren und wie viele Jahre es dauert, bis aus einem kleinen Kern eine hochwertige dunkle Tahiti-Perle entsteht. Der Höhepunkt war anschließend die Verlosung der Muscheln. Jeder Teilnehmer durfte sich seine eigene Perlauster aussuchen, die anschließend direkt vor unseren Augen geöffnet wurde. Bis zum letzten Moment blieb es spannend, welche Farbe, Form und Größe die darin gewachsene Perle haben würde. Keine Perle gleicht der anderen, und genau das macht diesen kleinen Moment so besonders. Mit meiner eigenen Tahiti-Perle in der Hand hatte ich am Ende nicht nur ein schönes Souvenir, sondern auch eine Erinnerung an eine der traditionsreichsten Handwerkskünste Französisch-Polynesiens.

Nach den abgelegenen Atollen der Tuamotus fiel mir der Abschied von Fakarava überraschend schwer. Das einfache Leben zwischen Lagune, Fahrradtouren, Sternenhimmel und spektakulären Tauchgängen hatte etwas Beruhigendes, das man nur schwer wieder loslässt. Doch meine Reise durch Französisch-Polynesien war noch nicht ganz zu Ende.

Ein letztes Mal hebt die kleine Air-Tahiti-Maschine über den Korallenringen des Pazifiks ab und nimmt Kurs auf Tahiti. Dort, wo meine Reise vor vier Wochen begonnen hatte, sollte sie nun ihren Abschluss finden. Es warten noch schwarze Vulkanstrände, Wasserfälle, traditionelle Marae und die wilde Schönheit der größten Insel Französisch-Polynesiens auf mich ein würdiger Schlusspunkt für vier unvergessliche Wochen zwischen Lagunen, Atollen und polynesischer Kultur.

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