Arequipa & Colca Canyon: Die Weiße Stadt und eine Wanderung durch die Anden
Nach Lima, Paracas, Huacachina und Nazca verändert sich die Landschaft Perus noch einmal komplett. Der Pazifik und die Wüste liegen hinter uns, vor uns ragen plötzlich riesige Vulkane in den Himmel und die ersten richtigen Anden erwarten uns.
Unser nächstes Ziel ist Arequipa, die sogenannte Weiße Stadt Perus. Und schon bei der Ankunft wird klar: Diese Stadt ist nicht nur wegen ihrer schönen kolonialen Architektur etwas Besonderes. Arequipa liegt auf rund 2.335 Metern Höhe, eingebettet in ein spektakuläres Bergpanorama mit einigen der bekanntesten Vulkane Perus. Von hier aus geht es für uns anschließend weiter in den Colca Canyon, wo eine 24-stündige Wanderung mit mehr als 1.000 Höhenmetern Abstieg und Aufstieg auf uns wartet.
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ToggleArequipa: Willkommen in der Weißen Stadt
Nach unserer Nachtfahrt kommen wir ziemlich früh in Arequipa an. Glücklicherweise können wir direkt einchecken und uns erst einmal ein paar Stunden Schlaf gönnen. Beim Frühstück auf der Dachterrasse sind wir dann allerdings schlagartig wieder wach.
Vor uns liegt Arequipa und dahinter eine unglaubliche Bergkulisse. Besonders der Misti fällt direkt ins Auge. Mit seinen 5.822 Metern und seiner nahezu perfekten Kegelform sieht er tatsächlich ein bisschen so aus, wie man sich einen Vulkan aus dem Bilderbuch vorstellt. Noch gewaltiger wirkt für mich allerdings das schneebedeckte Massiv des Chachani, das bis auf 6.057 Meter hinaufreicht. Wir sind wirklich in den Anden angekommen. Der Chili-Fluss durchzieht das Tal, dahinter steigen die Vulkane auf. Gleichzeitig wirkt die Stadt selbst überraschend lebendig und urban. Ein ziemlich cooler Kontrast.
Der Spitzname „Ciudad Blanca“ – Weiße Stadt – kommt nicht etwa von weißen Häusern, die zufällig besonders gut gepflegt werden.
Das charakteristische Aussehen Arequipas hängt mit dem sogenannten Sillar zusammen. Dabei handelt es sich um helles vulkanisches Gestein, das in der Region seit Jahrhunderten als Baumaterial verwendet wird. Gerade im historischen Zentrum bestehen viele Gebäude, Kirchen und Fassaden aus diesem hellen Stein. Zusammen mit den Innenhöfen, Arkaden und kunstvoll verzierten Fassaden entsteht dieses ganz besondere Stadtbild.
Der historische Stadtkern gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Welterbe. Besonders spannend finde ich dabei, dass hier nicht einfach nur spanische Kolonialarchitektur erhalten geblieben ist. Laut UNESCO verbindet die Architektur europäische Entwürfe mit einheimischen Bautechniken und Einflüssen. Auch die häufigen Erdbeben der Region haben die Bauweise geprägt.
Arequipa zu Fuß: Plaza de Armas und koloniale Architektur
Um etwas mehr über die Geschichte der Stadt zu erfahren, schließen wir uns einer Walking Tour an. Arequipa wurde 1540 von den Spaniern gegründet, allerdings befand sich hier bereits zuvor ein intensiv landwirtschaftlich genutztes Tal. Die Geschichte der Stadt ist deshalb viel älter als die koloniale Architektur, die heute auf den ersten Blick so dominant wirkt.
Wir laufen durch enge Straßen, vorbei an Innenhöfen, Kirchen und alten Fassaden und bekommen einen Eindruck davon, wie stark Arequipa von seiner Geschichte geprägt ist. Dabei gefällt mir besonders die Kombination aus hellem Sillar, den dunklen Holztüren und den teilweise unglaublich aufwendig gestalteten Fassaden. Unser Rundgang endet am Plaza de Armas, dem Herz der Stadt. Rund um den großen Platz stehen beeindruckende historische Gebäude und natürlich die imposante Kathedrale.
Arequipa fühlt sich für mich ein bisschen wie ein Freilichtmuseum an, nur eben mit ganz normalem trubeligen peruanischem Alltag dazwischen.
Monasterio de Santa Catalina: Eine Stadt in der Stadt
Am nächsten Tag steht für mich eines der absoluten Highlights von Arequipa auf dem Programm: das Monasterio de Santa Catalina. Und ich hatte vorher ehrlich gesagt keine Vorstellung davon, wie riesig dieses Kloster tatsächlich ist.
Das Monasterio de Santa Catalina umfasst rund 20.000 Quadratmeter und besteht aus Straßen, kleinen Plätzen, Innenhöfen und verschiedenen Bereichen, die tatsächlich eher wie eine kleine Stadt wirken. Das Kloster wurde 1579 gegründet und 1580 offiziell eröffnet.
Besonders spannend ist seine Geschichte als abgeschottete Welt mitten in der Stadt. Santa Catalina war über Jahrhunderte ein streng geschlossenes Kloster. Erst 1970 wurde es für die Öffentlichkeit geöffnet. Heute kann man durch die kleinen Straßen laufen und bekommt einen ziemlich besonderen Einblick in das frühere Leben innerhalb der Klostermauern. Und dann diese Farben! Kräftiges Blau, Rot, Orange und Weiß, dazu die alten Mauern, Türen, Pflanzen und kleinen Innenhöfe. Teilweise fühlt man sich nach Cordoba, Sevilla oder Granada versetzt. Für mich definitiv einer dieser Orte, bei denen man ständig stehen bleibt und denkt: Das kann doch nicht alles innerhalb einer einzigen Klosteranlage sein.
- Für s/10 pro Person gibt es Führungen in verschiedenen Sprachen im Kloster, die die Entstehung und das Leben in diesen Mauern von damals bis heute ganz wunderbar näher bringen. Dauer: ca. 60min
Arequipa kulinarisch: Rocoto, Queso Helado, Märkte und richtig gute Cafés
Natürlich darf auch in Arequipa das Essen nicht fehlen. Nach Lima und den kleinen kulinarischen Entdeckungen in Paracas probieren wir uns auch hier wieder durch die lokale Küche.
Ein Gericht, das mir besonders auffällt, ist Rocoto Relleno. Rocoto ist eine ziemlich scharfe Paprikasorte, die mit einer Fleischfüllung, Käse, Ei und Oliven zubereitet und anschließend mit Käse überbacken wird. Das Gericht gilt als eine der bekanntesten Spezialitäten Arequipas und es gibt es auch in vegetarisches Form.
Dann gibt es noch Queso Helado.
Der Name bedeutet übersetzt tatsächlich so viel wie „gefrorener Käse“. Wer jetzt an Käsekuchen aus dem Tiefkühlfach denkt, liegt allerdings ziemlich daneben. Käse ist nämlich gar keiner drin. Stattdessen wird das Dessert traditionell unter anderem aus Milch, Kokosnuss, Zimt und Gewürzen hergestellt. Ich finde schon allein den Namen großartig. Und natürlich muss das probiert werden auf dem Mercado San Camillo.
Eben dieser Markt gehört wieder zu den Highlights. Ich könnte wahrscheinlich stundenlang durch solche Markthallen laufen und mir anschauen, was hier alles angeboten wird. Obst, Gemüse, Gewürze, Fleisch, Kartoffeln in allen möglichen Formen und natürlich jede Menge Dinge, bei denen ich weiterhin keine Ahnung habe, was genau ich da eigentlich vor mir habe. Am Ende probiere ich noch Empanadas und Saltenas (Teigtasche mit Gemüsefüllung). Peru bleibt kulinarisch definitiv spannend.
Die traditionelle Küche Arequipas ist stark mit den sogenannten Picanterías verbunden – einfachen, traditionellen Restaurants, in denen häufig noch über Holzfeuer gekocht wird. Viele Gerichte verbinden dabei ländliche Traditionen mit den Produkten der Andenregion.
Was mich in Arequipa aber ebenfalls überrascht, ist die Café-Szene. Zwischen kolonialen Innenhöfen und historischen Gebäuden findet man richtig schöne Cafés, moderne Konzepte und teilweise eine Küche, mit der ich so mitten in den Anden gar nicht gerechnet hätte.
Besonders Kafi Wasi ist mir dabei im Kopf geblieben. Das Café ist schick, modern und gleichzeitig irgendwie gemütlich – und vor allem gibt es hier nicht einfach nur den obligatorischen Kaffee mit Kuchen. Die Gerichte sind ausgefallen, kreativ und teilweise schon ziemlich gehoben. Dazu kommt richtig guter Kaffee.
Und als wäre das noch nicht genug, ist Kafi Wasi sogar ausgezeichnet als zweitbestes Café Südamerikas.
Ein anderes Café bleibt mir vor allem wegen seiner Lage im Gedächtnis: Mi Kcao Chocolates y Café Rooftop. Schon der Eingang ist ein kleines Erlebnis, denn bevor man überhaupt hineinkommt, muss man erst einmal klingeln. Oben angekommen wartet dafür eine perfekte Panoramaterrasse. Und der Ausblick ist einfach unglaublich: vor uns die Dächer Arequipas, dahinter die mächtigen Vulkane und irgendwo dazwischen die Türme und Mauern des Klosters.
Ich liebe solche Orte, bei denen man eigentlich nur einen Kaffee trinken möchte und plötzlich eine halbe Stunde dasitzt, weil man sich an der Aussicht nicht sattsehen kann.
Von Arequipa in die Anden: Der Colca Canyon wartet
Während der Zeit in Arequipa unternehmen wir noch eine Wanderung in den Anden. Und dafür heißt es früh aufstehen.
Sehr früh. 02:50 Uhr. Zu dieser Uhrzeit bin ich eigentlich noch gar nicht wirklich anwesend, als wir in Arequipa abgeholt werden. Aber immerhin gibt es einen guten Grund aufzustehen: Wir fahren Richtung Colca Canyon. Je weiter wir uns von Arequipa entfernen, desto beeindruckender wird die Landschaft. Als das erste Sonnenlicht über die Berge kommt, haben wir bereits einen Pass auf mehr als 4.800 Metern Höhe überquert. Ich bin ziemlich beeindruckt und gleichzeitig frage ich mich, ob mein Körper gerade eigentlich weiß, was wir ihm da zumuten. Ein kleines Frühstück später erreichen wir die ersten Aussichtspunkte. Und dann sehen wir ihn schweben: den Andenkondor über dem Colca Canyon. Der Andenkondor gehört zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt und kann eine Flügelspannweite von rund drei Metern erreichen.
Colca Canyon: Der zweittiefste Canyons der Welt
Der Colca Canyon gehört zu den spektakulärsten Landschaften Perus. Laut der regionalen Tourismusbehörde erreicht der Canyon eine Tiefe von mehr als 4.160 Metern. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir an diesem Tag 4.000 Höhenmeter hinunterwandern. Unser Wanderweg führt durch einen Teil des riesigen Canyon-Systems und bringt uns zunächst etwas mehr als 1.000 Höhenmeter nach unten. Schon von den Aussichtspunkten ist die Dimension schwer zu begreifen.Vor uns liegen gigantische Berge, tiefe Schluchten und kleine grüne Flächen, die irgendwo weit unten im Tal liegen.
Wandern im Colca Canyon: 1.000 Höhenmeter bergab
Nach der Vorstellung unseres Guides Fernando bekommen wir eine kurze Einstimmung auf die nächsten 24 Stunden.
Und spätestens jetzt wird klar: Das hier wird kein gemütlicher Spaziergang über 21km. Wir müssen zunächst etwas mehr als 1.000 Höhenmeter in den Canyon hinabsteigen. Am nächsten Morgen geht es dann natürlich wieder nach oben. Die Sonne scheint, wir sind gut gelaunt und unsere Gruppe besteht fast ausschließlich aus herzlichen Australiern. Dadurch ist die Stimmung von Anfang an richtig gut.
Der Abstieg selbst ist unglaublich. Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Landschaft. Oben wirkt alles noch trocken und karg, doch je tiefer wir kommen, desto grüner wird es. In der Tiefe des Canyons wächst und blüht plötzlich alles Mögliche. Und genau dieser Kontrast überrascht mich besonders: Von der trockenen, fast mondartigen Landschaft oben geht es hinein in eine erstaunlich grüne (abgeschiedene) Welt.
Nur mein Kopf macht leider nicht ganz so begeistert mit. Die Höhe bereitet mir während der gesamten Wanderung Kopfschmerzen. Das macht die Tour definitiv anstrengender, als ich sie mir vorher vorgestellt habe.
Sangalle: Eine kleine Oase tief im Colca Canyon
Unser Ziel für diesen Tag ist Sangalle. Die kleine Oase liegt tief unten im Canyon und wirkt nach den Stunden des Abstiegs fast surreal. Rundherum Berge, Palmen, Grün und kleine einfache Unterkünfte – und irgendwo weit oben liegt die Welt, aus der wir morgens gestartet sind. Wir sind müde, haben ordentlich Höhenmeter in den Beinen und genießen einfach den Moment. Hier unten fühlt sich alles unglaublich abgeschieden an. Und genau diese Abgeschiedenheit beschert uns am Abend noch ein ganz besonderes Erlebnis. Als es dunkel wird, schauen wir nach oben und sehen die Milchstraße. Kein Straßenlärm, keine großen Städte, kaum künstliches Licht – einfach nur ein unglaublich klarer Sternenhimmel über dem Canyon. Nach einem langen Wandertag ist das ziemlich genau der richtige Abschluss.
Aufstieg aus dem Colca Canyon: Sonnenaufgang inklusive
Der nächste Morgen beginnt allerdings weniger romantisch. 04:30 Uhr. Mit Stirnlampe und leichtem Muskelkater machen wir uns wieder auf den Weg nach oben. Die Beine sind schwer und der Gedanke an mehr als 1.000 Höhenmeter Aufstieg ist jetzt nicht unbedingt das, was ich als perfekten Start in den Tag bezeichnet hätte. Aber während wir langsam höher kommen, beginnt die Sonne aufzugehen. Und plötzlich liegt das Tal im ersten Morgenlicht.
Die Berge verändern ihre Farbe, der Canyon wird Stück für Stück sichtbar und wir können beobachten, wie die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft erreichen. Solche Momente machen das frühe Aufstehen dann doch wieder ziemlich schnell vergessen. Und als schließlich alle aus unserer Gruppe oben angekommen sind, ist die Freude riesig.
Frühstück bei einer peruanischen Familie und heiße Quellen
Nach dem Aufstieg wartet ein Frühstück auf uns – und zwar in einem kleinen Familienhaus.
Nach der Anstrengung schmeckt wahrscheinlich sowieso alles doppelt so gut. Danach geht es zur Belohnung noch in die heißen Quellen. Die Müdigkeit ist trotzdem nicht verschwunden. Auf der Rückfahrt nach Arequipa schlafen wir deshalb zwischen den einzelnen Stopps immer wieder ein. Was vermutlich auch ganz gut so ist.
Salinas y Aguada Blanca: Vulkane, Vicuñas, Lamas und Alpakas
Die Rückfahrt ist allerdings viel zu schön, um die ganze Zeit zu schlafen. Wir fahren durch die Reserva Nacional Salinas y Aguada Blanca, eine riesige Hochlandlandschaft mit Vulkanen, Lagunen, Grasflächen und beeindruckenden Weiten.
Das Schutzgebiet umfasst mehr als 366.000 Hektar und reicht von etwa 3.500 bis über 6.000 Meter Höhe. Es schützt unter anderem wichtige Lebensräume für Vicuñas und andere Tiere der Hochanden. Und genau hier sehen wir sie tatsächlich frei in der Landschaft: Vicuñas, Lamas und Alpakas. Immer wieder tauchen kleine Gruppen neben der Straße auf. Für mich ist das einer dieser Momente, in denen die Landschaft fast ein bisschen unwirklich wirkt. Schneebedeckte Vulkane im Hintergrund, endlose Hochebenen und dazwischen die Tiere, die perfekt an diese extreme Umgebung angepasst sind.
Die Vicuñas leben in der Puna und in hoch gelegenen Andenökosystemen und sind besonders für ihre extrem feine Wolle bekannt. In der Reserva Nacional Salinas y Aguada Blanca gibt es eine besonders große Population.
Arequipa & Colca Canyon: Peru wird immer spektakulärer
Arequipa war ein ganz besondere Station auf der Reise. Die Stadt verbindet koloniale Geschichte, indigene Einflüsse, beeindruckende Architektur und eine ganz besondere Lage zwischen den Vulkanen. Dazu kommen Märkte, Picanterías und jede Menge kulinarische Entdeckungen.Und dann der Colca Canyon.
Diese 24 Stunden waren körperlich definitiv eine Herausforderung – vor allem wegen der Höhe. Der Abstieg in den Canyon, die grüne Landschaft tief unten, die Kondore über unseren Köpfen, die Milchstraße über Sangalle und am nächsten Morgen der Sonnenaufgang beim Aufstieg. Und dann die schneebedeckten Vulkane auf der Rückfahrt.
Peru zeigt uns auf diesem Reiseabschnitt einmal mehr, wie viele völlig unterschiedliche Landschaften in einem einzigen Land möglich sind. Ab jetzt wird die Luft immer dünner auf den folgenden Stationen…
Meine Lieblingsorte auf einem Blick
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