Paracas
Reiseroute Teil 6 - Peru

Paracas, Huacachina & Nazca: Zwischen Pazifik, Wüste und Sandboarding

Nach meiner Zeit in Lima geht es weiter Richtung Süden. Und damit verändert sich Peru schon wieder komplett. Während Lima noch Großstadt, Pazifik und urbanes Leben bedeutet, warten auf mich nun Wüste, wilde Küstenlandschaften, jede Menge Tiere und schließlich eines der größten Rätsel der peruanischen Geschichte. Die Route führt nach Paracas, weiter zur berühmten Wüstenoase Huacachina und schließlich vorbei an den Nazca-Linien. Drei Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Die Anreise nach Paracas war schon ein kleines Abenteuer für sich. Unser Bus hatte offenbar nicht unbedingt den Anspruch, besonders vertrauenswürdig auszusehen, und der Motor wurde unterwegs eher notdürftig als professionell repariert. Aber irgendwie schaffen wir es tatsächlich bis ans Ziel.

Und damit sind wir mitten in einer Landschaft angekommen, die sich komplett von Lima unterscheidet: trockene Wüste, Pazifik und dazwischen eine erstaunlich vielfältige Tierwelt.

Paracas liegt rund 260 Kilometer südlich von Lima und ist vor allem für die Reserva Nacional de Paracas, die Paracas-Nationalreserve, bekannt. Das Schutzgebiet umfasst rund 335.000 Hektar und verbindet Wüstenlandschaft mit Küste und Meer. Die Region gehört damit zu den spannendsten Naturgebieten an der peruanischen Pazifikküste.

Paracas Nationalpark
Paracas Wüste
Paracas Bootsausflug

Hacienda San José: Ein wunderschöner Ort mit düsterer Vergangenheit

Auf dem Weg nach Paracas haben wir noch die Gelegenheit, eine beeindruckende Hacienda zu besichtigen. Von außen wirkt die Hacienda San José mit ihren historischen Gebäuden und der gepflegten Anlage fast idyllisch. Doch die Geschichte dahinter ist alles andere als schön.

Die Hacienda entstand bereits im 17. Jahrhundert und war eine große Zucker- und Baumwollplantage. Zeitweise arbeiteten hier bis zu 800 versklavte Menschen – Männer, Frauen und Kinder. Die Geschichte der Hacienda ist damit eng mit der Geschichte der afroperuanischen Bevölkerung und der Sklaverei in Peru verbunden. Besonders beklemmend sind die unterirdischen Tunnel, welche wir mit Taschenlampen durchlaufen. Ein Teil dieses Tunnelsystems wurde nach dem schweren Erdbeben von 2007 erst wieder sichtbar, als Bereiche des Bodens einstürzten. Dabei wurden auch bislang verborgene Räume und Wasserreservoirs entdeckt. Die Tunnel erzählen von einer Zeit, in der versklavte Menschen über solche unterirdischen Wege auf die Plantagen gebracht wurden. Gleichzeitig dienten Teile des Systems später auch als Begräbnisstätten.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Geschichte an Orten steckt, die auf den ersten Blick einfach nur wunderschön aussehen. Gerade hier wird einem sehr deutlich vor Augen geführt, dass die Geschichte Perus eben nicht nur aus beeindruckenden Ruinen und alten Kulturen besteht, sondern auch aus sehr dunklen Kapiteln.

Paracas Bootstour
Paracas Seelöwen
Paracas Pinguine

Islas Ballestas: Humboldt-Pinguine, Seelöwen und Delfine

Am nächsten Morgen wartet dann das komplette Kontrastprogramm auf uns.

Mit dem Boot geht es hinaus zu den Islas Ballestas – und unsere Erwartungen werden tatsächlich noch übertroffen. Schon nach kurzer Zeit entdecken wir die ersten Tiere: Seelöwen, Humboldt-Pinguine, zahlreiche Seevögel und sogar Delfine. Die Ballestas-Inseln werden aufgrund ihrer unglaublichen Artenvielfalt gerne als „Galápagos des Pazifiks“ bezeichnet. Sie gehören zum Schutzgebiet der Reserva Nacional Sistema de Islas, Islotes y Puntas Guaneras und sind besonders für ihre großen Kolonien von Seevögeln, Seelöwen und Humboldt-Pinguinen bekannt. Die Inseln selbst sind eigentlich ziemlich karg: kahle Felsen, Höhlen, Klippen und vom Meer geformte Bögen.

Wir sitzen im Boot und können die verschiedenen Tiere aus nächster Nähe beobachten. Die Pinguine, die zwischen den Felsen herumwuseln, und unzählige Vögel über unseren Köpfen, Delphine lassen sich neben unserem Boot blicken. 2 Stunden voller Staunen gehen viel zu schnell vorbei!

Grund für diese vielen tierischen Begegnungen ist der kalte Humboldtstrom, der nährstoffreiches Wasser aus dem Süden heranführt. Dieses bildet die Grundlage für ein besonders produktives marines Ökosystem. Ein ziemlich verrückter Gegensatz: Wüste auf der einen Seite, ein unglaublich artenreiches Meer auf der anderen.

Paracas National Reserve: Eine Marslandschaft am Pazifik

Nach unserem Ausflug zu den Ballestas geht es wieder an Land und langweilig wird es auch hier nicht.

Die Paracas-Nationalreserve besteht and Land aus Wüste, Geröll und bizarren Felsformationen. Mit einem Buggy fahren wir quer durch die Landschaft und haben dabei tatsächlich das Gefühl, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Rote und gelbe Farbtöne, trockenes Geröll, Salzflächen und vom Wind geformte Hügel wechseln sich ab. Immer wieder öffnet sich der Blick auf kleine Buchten und das Meer. Wir genießen die Aussichten auf der Tour und erleben einen fantastischen Sonnenuntergang.

Paracas Wüstentour
Paracas Buggy Tour
Paracas Sonnenuntergang

Paracas Zwischen Provisorium und Alltag

Was mir in Paracas besonders auffällt neben der spektakulären Natur, sind die „halbfertigen“ Häuser. Betonwände bleiben unverputzt, auf manchen Gebäuden ragen Stahlstangen aus dem Dach, als würde das nächste Stockwerk irgendwann noch folgen. Dazwischen stehen einfache Hütten, kleine Läden und Häuser, die eher zusammengebaut als fertig geplant wirken. Und über allem verlaufen jede Menge Stromkabel – teilweise in einem ziemlich wilden Durcheinander ähnlich wie man es aus asiatischen Ländern kennt.

Für mich sieht das zunächst ungewohnt und teilweise fast provisorisch aus. Dahinter steckt allerdings eine Entwicklung, die man in vielen Teilen Perus beobachten kann. Gerade in schnell gewachsenen Städten und Siedlungen wurden und werden Häuser häufig Schritt für Schritt von den Bewohnern selbst gebaut und erweitert. Fehlender bezahlbarer Wohnraum, starke Landflucht und schnelles Bevölkerungswachstum haben dazu geführt, dass viele Familien zunächst mit einer sehr einfachen Unterkunft angefangen haben und ihr Zuhause mit der Zeit ausgebaut haben. Gerade in Peru ist diese Form des selbstorganisierten Bauens weit verbreitet.

Huacachina Oase: Ein See mitten in der Wüste

Nach unserem Aufenthalt in Paracas geht es mit Peru Hop weiter nach Huacachina. Wir kommen in der Desierto de Ica an und stehen plötzlich vor einem kleinen See, der von Palmen, Restaurants, Bars, Hostels und jeder Menge Sand umgeben ist. Und mitten in dieser Wüstenlandschaft gibt es tatsächlich Ski- und Snowboardverleihe, bei knapp 30 Grad.

Skifahren auf Sand

Wir checken schnell in unserer Unterkunft ein – einem kleinen Camp mit Zelten – und treffen anschließend Gonzalo. Er ist Skilehrer und ist noch nie im Schnee gefahren. Mit einem PS-starken Buggy werden wir durch die Dünen gefahren. Und diese Buggyfahrt hat es wirklich in sich. Die Fahrzeuge rasen die Dünen hoch, fahren steile Abhänge wieder hinunter und springen teilweise regelrecht über die Sandkämme. Das Ganze fühlt sich stellenweise weniger nach Transfer und mehr nach Achterbahnfahrt an. Und dann heißt es: Bretter raus!

Das Skifahren auf Sand erinnert tatsächlich ein bisschen an Pulverschnee – allerdings bremst der Sand deutlich stärker. Man muss ständig in Bewegung bleiben, damit man nicht einfach stehen bleibt. Nach drei Stunden Ski- & Sandboarding sind wir irgendwann ziemlich erledigt. Aber natürlich wäre Huacachina nicht Huacachina, wenn der Tag jetzt einfach vorbei wäre. Wir bleiben oben in der Wüste und genießen den Sonnenuntergang. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Dünen, der Sand verändert seine Farbe und plötzlich wird es ganz still. Dazu Lagerfeuer und Marshmallows = Après-Ski in der Wüste. Nach all der Action ist dieser ruhige Abschluss perfekt. Und während wir am Feuer sitzen, wirkt die kleine Oase unten zwischen den riesigen Dünen fast wie eine Fata Morgana.

Huacachina Buggytour
Huaccachina Wüste
Huaccachina Oase

Nazca-Linien: Das große Rätsel der peruanischen Wüste

Von Huacachina geht es weiter Richtung Süden. Die Landschaft wird immer karger und irgendwann tauchen die ersten steilen Kehren auf. Unser nächstes Ziel ist Nazca. Schon die Fahrt dorthin ist beeindruckend. Die Straße führt durch eine Landschaft, die fast komplett von Sand, Felsen und trockener Erde geprägt ist. 

Nazca-Linien vom Aussichtsturm: Drei Figuren aus der Wüste

Für uns geht es nicht mit einem Flugzeug über die Linien (zu viele Horrorgeschichten gelesen über die ganzen Abstürze), sondern auf den Aussichtsturm direkt an der Panamericana. Von dort oben können wir tatsächlich drei der berühmten Figuren erkennen. Unter anderem sind der Baum, der Lizzard und die Hände zu sehen. Die Dimensionen sind allerdings schwer einzuschätzen. Erst aus der erhöhten Perspektive wird klar, wie riesig diese Zeichnungen eigentlich sind.

Und genau das ist das Faszinierende daran: Die Nazca-Linien wurden direkt in den Wüstenboden eingebracht. Sie bestehen aus kilometerlangen Linien und riesigen Figuren, die Tiere, Pflanzen, Menschen und geometrische Formen darstellen. UNESCO zählt die Linien zu den größten archäologischen Rätseln der Welt. Die Geoglyphen entstanden ungefähr zwischen 500 v. Chr. und 500 n. Chr. und erstrecken sich über ein riesiges Gebiet der trockenen Küstenebene. Seit 1994 gehören die Nazca-Linien zum UNESCO-Welterbe und bis heute ist nicht endgültig geklärt, warum die Menschen diese riesigen Zeichnungen angelegt haben. Wissenschaftler vermuten unter anderem religiöse und astronomische Zusammenhänge. Das macht den Besuch für mich noch spannender. Man steht dort, schaut auf ein paar Linien und Figuren im Wüstenboden – und weiß gleichzeitig, dass Menschen diese Formen vor rund 1.500 bis 2.500 Jahren angelegt haben. Wie sie das damals geplant und umgesetzt haben, ohne die Figuren aus der Luft sehen zu können?

Nazca Peru
Nazca Linien Peru
Nazca Linien

Maria Reiche: Die Deutsche, die die Nazca-Linien liebte

Besonders interessant finde ich auch die Geschichte von Maria Reiche. Bei uns ist sie eher weniger bekannt und in Peru eine Heldin. Die deutsche Mathematikerin und Archäologin widmete einen großen Teil ihres Lebens der Erforschung und Erhaltung der Nazca-Linien. Ab den 1940er-Jahren untersuchte sie die Geoglyphen und setzte sich dafür ein, dass sie geschützt und wissenschaftlich erforscht werden. Bis heute wird sie in Peru für ihre Arbeit und ihr Engagement hoch geschätzt. UNESCO nennt Maria Reiche ausdrücklich als eine der Wissenschaftlerinnen, die seit 1941 an der Erforschung, Erhaltung und dem Schutz der Nazca-Linien beteiligt waren. Für mich ist es irgendwie schön zu sehen, welchen Stellenwert eine Deutsche hier in Peru bekommen hat.

Von Nazca nach Arequipa

Nach unserem kurzen Stopp bei den Nazca-Linien geht es für uns weiter. Wir steigen wieder in den Bus und fahren über Nacht entlang der Panamericana Richtung Arequipa. Hinter uns liegen inzwischen Pazifik, Seelöwen, Pinguine, Wüste, Sandboarding und eines der größten Rätsel der Archäologie.  Peru hat gerade erst angefangen, uns zu zeigen, was dieses Land alles kann. Seit dem Start der Rundreise verändert sich die Landschaft ständig und trotzdem zieht sich ein roter Faden durch diese Reise: Wüste, Meer, Geschichte und ganz viel Abenteuer. Und während wir nachts im Bus Richtung Arequipa fahren, bin ich ziemlich gespannt, was uns dort erwartet.

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