Machu Picchu: Auf den Spuren der Inka
Es gibt diese Orte auf einer Reise, auf die man schon lange vorher hinfiebert. Man hat unzählige Bilder gesehen, kennt die berühmte Perspektive aus Reiseführern und Instagram und fragt sich irgendwann fast ein bisschen, ob der echte Ort überhaupt noch genauso beeindruckend sein kann.
Nach unseren Tagen in Cusco und Ollantaytambo ist es nun endlich so weit. Von Ollantaytambo geht es mit dem Panoramazug von PeruRail nach Aguas Calientes und damit immer weiter hinein in die beeindruckende Bergwelt rund um Machu Picchu. Vor uns liegt eines der großen Highlights unserer Peru-Reise, allerdings hat unser Touranbieter unsere Tickets storniert und wir versuchen eines der letzten Tickets vor Ort zu kommen. Ein kleiner Krimi nimmt seinen Lauf…
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ToggleMit dem Panoramazug nach Aguas Calientes
Von Ollantaytambo steigen wir in aller Frühe in den Panoramazug und machen es uns für die Fahrt nach Aguas Calientes gemütlich. Die Strecke führt entlang des Urubamba-Flusses immer tiefer in die Anden hinein und schon während der Fahrt verändert sich die Landschaft spürbar. Die trockenen, teilweise kargen Hänge, die wir rund um Cusco und im Heiligen Tal gesehen haben, werden zunehmend grüner und dichter bewachsen. Steile Berghänge ragen links und rechts des Zuges empor und je weiter wir fahren, desto mehr bekommen wir das Gefühl, dass wir uns langsam aus der klassischen Andenlandschaft in eine ganz andere Welt bewegen.
Geografisch ist das tatsächlich ziemlich spannend, denn Machu Picchu liegt an der Ostseite der Anden genau in einem Übergangsbereich zwischen Hochgebirge und tropischem Bergwald. Die großen Höhenunterschiede sorgen hier für ganz unterschiedliche Vegetationszonen und Mikroklimata und genau diese Mischung aus Bergen, dichtem Grün und feuchtem Klima wird uns rund um Machu Picchu noch häufiger begegnen. Unser Ziel ist Aguas Calientes, das offiziell auch Machu Picchu Pueblo genannt wird.
Aguas Calientes: Ein Ort ohne richtige Straßen
Aguas Calientes ist ein kleiner, quirliger Ort, dessen gesamtes Leben sich irgendwie um Machu Picchu dreht. Hotels, Restaurants, Cafés, kleine Geschäfte und Marktstände reihen sich aneinander und überall merkt man, dass hier eigentlich alle auf dem Weg zur berühmten Inkastadt sind. Was uns allerdings besonders auffällt: Es gibt keine normale Straßenverbindung nach Aguas Calientes.
Der Ort ist im Wesentlichen mit dem Zug, über mehrtägige Wanderungen oder in besonderen Notfällen per Helikopter erreichbar. Eine klassische Straße, über die Autos und Busse von außen in den Ort kommen, gibt es nicht. Dadurch ist Aguas Calientes nahezu autofrei und lässt sich ausgesprochen angenehm zu Fuß erkunden. Wir schlendern durch die Straßen, schauen uns ein bisschen auf dem Markt (tausende Souvenirs in allen Formen & Farben!) um.
Machu Picchu Last Minute: Wir haben tatsächlich Glück
Natürlich haben wir uns im Vorfeld mit dem Thema Tickets beschäftigt aber manchmal läuft auf einer längeren Reise eben nicht alles nach einem perfekten Zeitplan. Für Machu Picchu werden täglich nur begrenzte Besucherzahlen zugelassen und die verschiedenen Rundgänge sind an feste Kontingente gebunden. Wer einen bestimmten Circuit oder zusätzlich einen der Berge wie Huayna Picchu besuchen möchte, sollte sich deshalb möglichst früh um die passende Eintrittskarte kümmern. Für Kurzentschlossene gibt es allerdings eine Möglichkeit: In Machu Picchu Pueblo werden täglich 1000 Tickets für den Folgetag direkt vor Ort angeboten. Und genau darauf setzen wir, studieren Zeiten und das Dashboard des Kultursministeriums und haben einfach Glück und bekommen tatsächlich noch Tickets für den nächsten Tag (wir sind vom Zug direkt zum Tickethaus gerannt, wie viele andere auch).
Ich glaube, in diesem Moment fällt uns beiden ein ziemlich großer Stein vom Herzen. Denn nach all den Tagen in Peru wäre es schon ziemlich ärgerlich gewesen, wenn ausgerechnet unser großer Machu-Picchu-Tag an einem fehlenden Ticket gescheitert wäre.
Ein bisschen Machu-Picchu-Geschichte vor dem großen Besuch
Da wir nun einen Tag gewonnen haben, schauen wir uns noch das Museo de Sitio Manuel Chávez Ballón an (Eintritt ist im Ticket für Machu Picchu inklusive). Das Museum beschäftigt sich mit der Geschichte und Archäologie rund um Machu Picchu und zeigt unter anderem Fundstücke aus der Region. Für mich ist das eine gute Einstimmung auf den nächsten Tag, denn bis dahin besteht Machu Picchu ehrlich gesagt vor allem aus dem berühmten Bild mit den grünen Terrassen und dem Berg im Hintergrund. Dass sich dahinter eine komplex geplante Stadt mit Wohnbereichen, religiösen Gebäuden, landwirtschaftlichen Flächen, Wegen, Wasseranlagen und unterschiedlichen Zeremonialbereichen verbirgt, wird einem beim bloßen Ansehen von Fotos gar nicht unbedingt bewusst.
Machu Picchu entstand vermutlich im 15. Jahrhundert während der Blütezeit des Inkareiches und wird mit dem Inka-Herrscher Pachacuti in Verbindung gebracht. Welche genaue Funktion die Anlage hatte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutlich war sie gleichzeitig religiöses und zeremonielles Zentrum, landwirtschaftliche Anlage und Rückzugs- beziehungsweise Residenzort der Inka-Elite. Und genau diese Mischung macht den Ort für mich noch interessanter.
Der große Tag: Auf nach Machu Picchu!
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, denn die Warteschlangen an den Bussen sind lang und trotz Ticket hat man eine feste Einlasszeit und wenig zeitlichen Spielraum. Mit dem Bus geht es von Aguas Calientes den Berg hinauf in Richtung Eingang. Theoretisch könnte man die Strecke auch zu Fuß über die vielen Treppen zurücklegen, aber wir entscheiden uns für den Bus. Schließlich wollen wir unsere Kräfte lieber für die eigentliche Erkundung der Anlage aufsparen. Ein paar Kontrollen später geht es hinein und schon nach kurzer Zeit führt uns der Weg hinauf zu den landwirtschaftlichen Terrassen. Wir laufen ein paar Stufen weiter und dann öffnet sich plötzlich der Blick, den wir vermutlich alle von diversen Bildern kennen.
Vor uns die alten Terrassen und die grauen Mauern der Inkastadt, dahinter der markante Huayna Picchu und rundherum diese unglaublich grüne Berglandschaft. Lamas grasen zwischen den Touristen und trotz, dass Massen an Touristen und Bussen unterwegs sind verteilen sich die Menschen ganz gut auf diesem großen Gelände. Wir stehen erst einmal einfach nur da. Nach allem, was wir bisher gesehen haben, nach den vielen Stunden im Bus, den Wanderungen, den Höhenmetern und all den Geschichten über die Inka ist das tatsächlich ein ziemlich emotionaler Moment. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob Machu Picchu vielleicht durch die vielen Bilder und die enorme Bekanntheit etwas von seinem Zauber verliert. Für uns definitiv nicht. In diesem Moment denke ich eigentlich nur: Wow. Wir sind wirklich hier.
Die Terrassen von Machu Picchu: Landwirtschaft am Berg
Unser erster Weg führt über die Terrassen, die sich an den steilen Hängen rund um die Stadt entlangziehen.
Was heute vor allem nach einer spektakulären Kulisse aussieht, war für die Inka vor allem eines: wichtige Infrastruktur. Die Hänge wurden in zahlreiche Terrassen unterteilt, auf denen Landwirtschaft betrieben werden konnte. Dadurch konnten die Inka die steilen Flächen überhaupt sinnvoll nutzen und gleichzeitig den Wasserfluss kontrollieren. Gerade hier wird deutlich, wie gut die Inka ihre Umgebung verstanden haben. Machu Picchu liegt in einer Region mit teilweise sehr starken Niederschlägen und steilen Hängen. Wasser kann dort schnell zu einem Problem werden, wenn es unkontrolliert abläuft und dabei Erde und ganze Hangbereiche mit sich reißt. Die Terrassen dienten deshalb nicht nur dem Anbau von Pflanzen, sondern waren gleichzeitig Teil eines ausgeklügelten Systems zur Entwässerung und Stabilisierung der Hänge.
Je länger wir hier unterwegs sind, desto mehr fällt uns auf, dass eigentlich fast alles an Machu Picchu mit der Landschaft zusammenhängt. Die Inka haben nicht einfach eine Stadt auf einen Berg gesetzt. Sie haben den Berg selbst zum Teil ihrer Stadt gemacht. Vor allem im Vergleich zu Ollantaytambo und Sacsayhuaman, merken wir, wie riesig und gut erhalten hier noch die alten Strukturen sind.
Durch die Inkastadt
Nach dem ersten Aussichtspunkt geht es weiter durch die eigentliche Anlage. Wir laufen zwischen Terrassen, Mauern, Treppen und ehemaligen Gebäuden hindurch und versuchen gleichzeitig, uns vorzustellen, wie das Leben hier vor mehreren hundert Jahren wohl ausgesehen haben mag. Heute stehen wir zwischen Ruinen. Damals war Machu Picchu eine lebendige Anlage mit Menschen, die hier wohnten, arbeiteten, Landwirtschaft betrieben und religiöse Zeremonien abhielten. Die Stadt war erstaunlich komplex aufgebaut. Es gab Wohnbereiche, landwirtschaftliche Flächen, religiöse Gebäude und öffentliche Plätze, die über ein ausgeklügeltes System aus Treppen und Wegen miteinander verbunden waren. Bei unserem Besuch lernen wir, dass die Gebäude auf bestimmte Positionen der Sonne am Horizont ausgerichtet sind, wie z.B. Sonnenaufgang und -untergang, sowie die Sonnenwenden.
Wer hat Machu Picchu eigentlich gebaut?
Machu Picchu entstand wahrscheinlich im 15. Jahrhundert, also während der großen Expansionsphase des Inkareiches. Die Anlage wird dem Inka-Herrscher Pachacuti zugeschrieben, der das Inkareich im 15. Jahrhundert erheblich ausweitete und Cusco zu einem politischen und religiösen Zentrum machte. Was genau Machu Picchu für ihn und die Inka bedeutete, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich war die Anlage kein gewöhnliches Dorf und auch keine klassische Festung. Vielmehr gehen Archäologen davon aus, dass Machu Picchu verschiedene Funktionen miteinander verband: religiöse und zeremonielle Aufgaben, Landwirtschaft sowie einen Rückzugs- oder Residenzort für die Elite.
Was passierte nach dem Ende des Inkareiches?
Mit der spanischen Eroberung des Inkareiches im 16. Jahrhundert veränderte sich die Region grundlegend. Machu Picchu wurde schließlich aufgegeben. Anders als manchmal behauptet wird, war die Anlage allerdings nicht einfach eine völlig unbekannte „verlorene Stadt“, die jahrhundertelang niemand kannte. Die Region war weiterhin von Menschen bewohnt und die Existenz der Anlage war lokal bekannt. Es lebten sogar zwei Familien dort. International bekannt wurde Machu Picchu vor allem durch die Expedition des US-amerikanischen Forschers Hiram Bingham im Jahr 1911. Heute gehört die Anlage seit 1983 gemeinsam mit dem umliegenden Schutzgebiet zum UNESCO-Welterbe – und zwar sowohl aufgrund ihrer kulturellen Bedeutung als auch wegen ihrer außergewöhnlichen Natur.
Zwischen Anden und Amazonas
Was uns ebenfalls überrascht, ist die Landschaft rund um Machu Picchu. Wir hatten nach Cusco und dem Heiligen Tal vor allem hohe Berge und eher trockene Andenlandschaften im Kopf. Hier ist es plötzlich sattgrün, feucht und fast tropisch. Das liegt an der besonderen geografischen Lage. Machu Picchu befindet sich auf der Ostseite der Anden und damit in einer Übergangszone zwischen dem Hochgebirge und dem Amazonasraum. Die Hänge fallen hier steil in Richtung des Urubamba-Tals ab und die feuchten Luftmassen aus dem Amazonasgebiet treffen auf die Anden. Dadurch entstehen ganz unterschiedliche Höhen- und Vegetationszonen auf relativ kleinem Raum. Während wir im Tal Papageien und bunter Schmetterlinge um uns haben, grasen hier oben Lamas und Alpakas durch die Ruinen. Die Bäche und Flüsse, die wir hier sehen, gehören bereits zum Einzugsgebiet des Amazonas. Das Wasser, das an den Hängen rund um Machu Picchu abläuft, macht sich also irgendwann auf eine ziemlich lange Reise in Richtung Atlantik. Wir stehen also hier mitten in den Anden und gleichzeitig geografisch schon im Einflussbereich eines der größten Flusssysteme der Erde. Eine irre Vorstellung!
Machu Picchu: Ein Höhepunkt unserer Peru-Reise
Machu Picchu ist für mich einer dieser Orte, bei denen man gar nicht so viel sagen muss. Natürlich sind die Geschichte der Inka, die beeindruckende Architektur und die geografische Lage faszinierend. Natürlich ist es spannend zu sehen, wie die Terrassen angelegt wurden, wie Wasser durch die Anlage geleitet wurde und wie präzise die riesigen Steine bearbeitet sind. Aber am Ende bleibt vor allem dieses Gefühl, tatsächlich selbst dort gewesen zu sein.
Wir haben uns diesen Moment lange vorgestellt und dann stehen wir wirklich dort, bei Sonnenschein, mit Blick auf die Inkastadt und die grünen Berge rundherum. Und vielleicht war genau das unser größtes Glück: Nicht nur, dass wir noch kurzfristig Tickets bekommen haben, sondern dass ausgerechnet an diesem einen Tag die Sonne für uns mitgespielt hat. Machu Picchu war definitiv eines der Highlights unserer Peru-Reise und ein Ort, den wir so schnell nicht vergessen werden.
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