Nugget Point Catlins
Reiseroute Teil 2 - Neuseeland

Catlins & Milford Sound – Versteckte Naturparadiese auf der Südinsel

Je weiter wir Richtung Süden fahren, desto mehr verändert sich Neuseeland.

Die Landschaft wird rauer, ursprünglicher – und irgendwie stiller. Hinter uns liegen die türkisblauen Seen und sanften Bergwelten rund um den Aoraki / Mount Cook. Vor uns wartet eine Region, die sich weniger geschniegelt, dafür umso echter anfühlt.

Unsere Route führt uns entlang der Küste über die faszinierenden Moeraki Boulders, weiter durch die abgelegenen The Catlins bis hinein in die gewaltige Natur des Fiordland National Park.

Es ist der Teil der Reise, in dem sich alles noch einmal steigert: die Weite, die Wildheit – und dieses Gefühl, wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein.

Von den Moeraki Boulders in die Catlins – Küstenwunder und versteckte Highlights

Der Weg Richtung Süden fühlt sich an wie ein fließender Übergang in eine immer wildere, ursprünglichere Landschaft. Auf dem State Highway 1 folgen wir der Küste – mit einigen Stopps, die sich wie kleine Zeitreisen anfühlen. In Oamaru schlendern wir durch die alten Gassen am Hafen. Die viktorianischen Gebäude erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit, fast fühlt es sich an, als würde gleich eine Dampflok um die Ecke rollen. Mit Kaffee und Kuchen stärken wir uns, bevor es weitergeht zu einem der wohl ungewöhnlichsten Naturphänomene der Südinsel.

Die Moeraki Boulders liegen verstreut am Strand – perfekt rund, wie riesige Murmeln aus einer anderen Welt. Tatsächlich sind sie über Millionen Jahre entstanden, durch mineralische Ablagerungen im Meeresboden. Heute liegen sie frei an der Küste und wirken fast surreal.

Am nächsten Tag zeigt sich Dunedin leider von seiner grauen Seite. Regen, Wind, wenig Sicht. Dunedin gilt als die „schottischste Stadt“ Neuseelands – geprägt von viktorianischer Architektur, steilen Straßen und einer spannenden Mischung aus Geschichte und studentischem Leben. Wir lassen uns nicht aufhalten und fahren weiter auf die Otago Peninsula – und werden belohnt.

Hier öffnet sich die Landschaft wieder. Sanfte Hügel treffen auf dramatische Steilküsten. In den Buchten entdecken wir Seelöwen, und am Himmel kreisen majestätische Albatrosse – einige der größten flugfähigen Vögel der Welt, die hier ideale Bedingungen finden. Ein letztes Highlight des Tages ist der Tunnel Beach. Ein schmaler Pfad führt uns hinunter zur Küste, durch einen in den Fels geschlagenen Tunnel. Unten wartet eine wilde Szenerie aus Felsen, Wellen und Wind. Rau, ungeschliffen, wunderschön.

Moeraki Boulders
Dunedin Bahnhof
Otago Peninsula
Otago Peninsula

The Catlins – Neuseelands wilde, unterschätzte Seite

Und dann erreichen wir sie: die The Catlins. Ein Ort, der sich sofort anders anfühlt. Die Sonne ist plötzlich auf unserer Seite, die Luft mild fast 20 Grad. Perfekte Bedingungen, um diese abgelegene Region zu erkunden, die oft übersehen wird und genau deshalb so besonders ist. Unser erstes Ziel sind die Cathedral Caves.

Diese riesigen Meereshöhlen sind nur bei Ebbe zugänglich ein kleines Zeitfenster, das den Besuch noch spannender macht. Mit Taschenlampen laufen wir über den Strand hinein in die dunklen, hohen Höhlen. Das Rauschen des Meeres hallt von den Wänden wider, während draußen die Gischt aufsteigt. Umgeben von dichtem Regenwald mit riesigen Baumfarnen entsteht eine fast mystische Atmosphäre. Die Catlins sind bekannt für ihre unberührte Natur ein Mix aus gemäßigtem Regenwald, zerklüfteter Küste und versteckten Wasserfällen. Genau diese entdecken wir auf mehreren kleinen Wanderungen:

Die McLean Falls stürzen in mehreren Kaskaden durch den Wald, kraftvoll und lebendig. Die Matai Falls wirken fast sanft im Vergleich, eingebettet in dichte Vegetation. Und die Purakaunui Falls wohl die bekanntesten fallen in drei perfekten Stufen und sehen aus wie aus einem Bilderbuch.

Zwischendrin halten wir immer wieder an kleinen, fast menschenleeren Sandbuchten wie dem Tahakopa Beach. Der Pazifik ist frisch. Schuhe aus, Füße ins Wasser, einfach nur sein. 

Die weite Landschaft hier ist überraschend grün, sanft hügelig fast wie das Auenland aus Der Herr der Ringe. Und tatsächlich: Schafe und Kühe scheinen hier in der Überzahl zu sein. Unser letzter Stopp in den Catlins ist das Nugget Point Lighthouse. Ein schmaler Weg führt hinaus zu einem der schönsten Leuchttürme Neuseelands. Vor uns ragen die Nuggets“ – kleine, zerklüftete Felsen aus dem Meer. Der Wind ist stark, die Aussicht atemberaubend. Unten entdecken wir Seelöwen, die sich auf den Felsen ausruhen. Ich bleibe stehen, schaue hinaus aufs Meer und denke mir: Genau dafür bin ich hier. Für diese wilden, ungezähmten Orte an denen man sich nicht sattsehen kann 🙂

Catlins
Cathedral Cave Eingang
Tahakopa Bay Catlins
Cathedral Cove
Cathedral Caves Ausblick
Mc Lean Falls
Purakaunui Falls
Maitai Falls

Fiordland & Milford Sound – Neuseelands dramatischste Naturkulisse

Nach knapp drei Stunden Fahrt Richtung Westen verändert sich die Landschaft spürbar. Wir erreichen den Fiordland National Park mit rund 26.000 km² einer der größten Nationalparks der Welt. Und tatsächlich: Hier draußen gibt es kaum Straßen, kaum Menschen, dafür umso mehr unberührte Natur. Große Teile des Fiordlands sind bis heute nur zu Fuß, per Boot oder aus der Luft erreichbar und erinnern mich stark an Norwegens Küstengebiete.

Unser Ausgangspunkt ist Te Anau ein kleiner Ort am gleichnamigen See, der mit über 340 km² der größte See der Südinsel ist. Was viele nicht wissen: Unter der Oberfläche erstrecken sich riesige Höhlensysteme, und ganz in der Nähe lebt eine der seltensten Vogelarten der Welt der flugunfähige Takahe, der lange Zeit sogar als ausgestorben galt.

Noch vor Sonnenaufgang starten wir Richtung Milford Sound. Was viele überrascht: Der Milford Sound ist eigentlich gar kein Fjord, sondern ein Fjord im klassischen Sinne  also ein von Gletschern geformtes Tal, das später vom Meer geflutet wurde. Genau diese Gletscher haben die steilen Wände und die unglaubliche Tiefe geformt.

Es ist kalt, gerade mal 5 Grad. Die Straße dorthin der Milford Road gilt nicht ohne Grund als eine der schönsten Panoramastraßen Neuseelands. Wir fahren durch enge Täler, vorbei an spiegelglatten Seen und durch dichte, moosbewachsene Wälder. Der Regenwald hier gehört zu den ältesten der Erde und wächst dank der extrem hohen Niederschläge bis zu 7 Meter Regen pro Jahr unglaublich üppig. Mit jeder Kurve wird die Landschaft dramatischer. Wir überqueren den Pass und tauchen durch den Homer Tunnel ein von Hand in den Fels geschlagener Tunnel bevor sich die Landschaft plötzlich öffnet. Neben uns ragen steile, nackte Felswände bis zu 2.000 Meter in den Himmel. Und dann stehen wir plötzlich mittendrin. Wir steigen aufs Boot. Langsam gleiten wir durch den Fjord hinaus Richtung Tasman Sea. Wasserfälle stürzen von überall herab an Regentagen sollen es hier hunderte sein, heute sind es weniger, aber nicht weniger beeindruckend.

Das Wasser selbst ist ein kleines Naturwunder: An der Oberfläche liegt eine Schicht aus Süßwasser, gespeist durch Regenfälle, darunter befindet sich Salzwasser. Dieses Phänomen sorgt dafür, dass hier sogar Tiefseetiere in vergleichsweise geringer Tiefe leben. Delfine begleiten unser Boot, wir sehen auch Robben auf den Felsen und mit etwas Glück kann man sogar Pinguine hier beobachten.

Die Sonne kommt langsam durch und taucht alles in ein weiches Licht. Ich lehne mich zurück und denke mir: Es gibt Orte, die wirken fast zu schön, um real zu sein. Auf dem Rückweg nehmen wir uns bewusst Zeit. Kleine Wanderungen führen uns durch moosige Rotbuchen Wälder, vorbei an glasklaren Bergseen, in denen sich die Berge spiegeln. Das Fiordland ist sehr beeindruckend und verdient es definitiv noch länger erkundet zu werden.

Milford Sound Anfahrt
Rotbuchenwald

Doch das war noch längst nicht das Ende unserer Reise. Hinter den Pässen rund um Wanaka wartet bereits die nächste Traumkulisse – und d in den Tagen darauf fahren wir an die wilde Westküste mit Gletschern, Regenwald und endlosen Straßen. Ein Abschnitt, der noch einmal alles verändert. 🌿

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