Salar de Uyuni: Drei Tage Roadtrip durch Salzwüste, Lagunen und das Altiplano
Wenn man an Bolivien denkt, kommt einem wahrscheinlich ziemlich schnell ein Bild in den Kopf: eine endlose weiße Salzwüste, ein kleiner Jeep irgendwo mitten im Nichts und ein Horizont, bei dem man irgendwann nicht mehr weiß, wo der Himmel aufhört und der Boden beginnt. Genau dieses Bild wollten wir selbst erleben.
Von La Paz ging es deshalb mit dem Flieger nach Uyuni, dem Ausgangspunkt unserer dreitägigen Tour durch das südwestliche Altiplano. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Die berühmte Salar de Uyuni sollte zwar das Highlight des ersten Tages werden, aber eigentlich war die gesamte Tour ein einziges großes Landschaftserlebnis. Der Salar de Uyuni ist mit einer Fläche von 10582 Quadratkilometern die größte zusammenhängende Salzfläche der Welt. Von Ost nach West erreicht sie dabei eine Ausdehnung von bis zu 150km. Von Norden nach Süden sind es bis zu 110km. Drei Tage lang fuhren wir mit unserem Jeep (und einer Truppe von lieben Menschen) über diese Salzflächen, durch Wüstenlandschaften und vorbei an farbigen Lagunen, Vulkanen und Geysiren, meistens in mehr als 4.000 Metern Höhe. Und geschlafen wurde dort, wo es gerade eine Unterkunft gab. Warmwasser und Heizung waren dabei eher Luxus als Standard.
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ToggleVon La Paz nach Uyuni
Nach den Tagen in La Paz hieß es für uns zunächst einmal Tasche packen und ab zum Flughafen. Der Flug nach Uyuni ist kurz und spart gegenüber der langen Fahrt über Land ordentlich Zeit. Aus der Luft bekamen wir schon einen Vorgeschmack auf die anstehende Tour. Kaum waren wir angekommen, änderte sich die Landschaft auch schon wieder komplett. Uyuni selbst ist eine eher kleine Stadt und vor allem Ausgangspunkt für die Touren in die berühmte Salzwüste und das südwestliche Altiplano. Hier treffen sich jeden Tag zahlreiche Jeeps, die mit Reisenden in Richtung Salar de Uyuni und weiter in die abgelegenen Landschaften im Süden starten. Unser Fahrzeug sollte für die nächsten drei Tage unser Zuhause werden. Was uns allerdings überraschte, dass unsere gesamte Tour auf Spanisch stattfand (obwohl anders gebucht). Nach der Sprachschule in Lima war das natürlich eine ziemlich gute Gelegenheit, die eigenen Spanischkenntnisse weiter unter realen Bedingungen zu testen. Glücklicherweise hatten wir einen wirklich tollen Guide, der uns nicht nur sicher durch das Altiplano brachte, sondern uns abends auch immer wieder spannende Einblicke in das Leben und die Kultur Boliviens gab. Aber zunächst stand das klassische Programm auf dem Plan.
Der Zug-Friedhof von Uyuni
Unser erster Stopp war der Cementerio de Trenes, der Zug-Friedhof von Uyuni. Mitten in der trockenen Landschaft stehen hier alte Dampflokomotiven und Eisenbahnwaggons, die inzwischen vom Rost zerfressen sind und irgendwie aussehen, als hätte jemand sie einfach mitten in der Wüste vergessen. Ganz zufällig stehen die Züge allerdings nicht hier. Die Eisenbahn spielte für die Entwicklung des Bergbaus in Bolivien eine wichtige Rolle. Im späten 19. Jahrhundert entstanden Eisenbahnverbindungen, die unter anderem die Minenregionen mit dem Hafen von Antofagasta verbanden. Besonders der Bergbau in der Region Pulacayo und der Transport von Bodenschätzen waren eng mit dem Ausbau der Eisenbahn verbunden. Die Lokomotiven am Zug-Friedhof erinnern heute an diese Zeit. Für uns war es gleichzeitig ein ziemlich surrealer Auftakt: rostige Züge, trockene Erde und blauer Himmel (und hunderte von Menschen), soweit das Auge reicht.
Bevor es endgültig auf die Salzwüste ging, führte die Route noch nach Colchani, einem kleinen Ort am Rand des Salar de Uyuni. Hier wird Salz verarbeitet und für verschiedene Zwecke aufbereitet. Die Salzgewinnung gehört bis heute zur lokalen Wirtschaft rund um den Salar. Sogar die Häuser hier sind aus Salz gebaut, was ein spannender Anblick war. Dann kam der Moment, auf den wir eigentlich gewartet hatten. Vor uns lag plötzlich nur noch Weiß.
Salar de Uyuni – wenn plötzlich jede Orientierung verschwindet
Der Salar de Uyuni ist mit einer Fläche von rund 10.582 Quadratkilometern die größte zusammenhängende Salzfläche der Welt. Und diese Größe merkt man. Schon nach wenigen Minuten im Jeep verschwimmen die Dimensionen. Vor uns liegt eine scheinbar endlose weiße Fläche, über uns ein tiefblauer Himmel und irgendwo dazwischen unser kleiner Jeep. Es gibt kaum irgendwelche Orientierungspunkte, nur weiß und blau. Stundenlang fuhren wir über die Salzwüste und ich hatte irgendwann wirklich das Gefühl, dass wir in einer anderen Welt unterwegs sind.
Gerade in der Trockenzeit zeigt sich der Salar als riesige, helle Salzfläche, auf der sich häufig die charakteristischen polygonalen Strukturen des ausgetrockneten Salzes erkennen lassen. Nach Regen kann dagegen eine dünne Wasserschicht entstehen, die den Salar in einen riesigen Spiegel verwandelt. Wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten deshalb genau das erleben, was man von den berühmten Fotos kennt, ein strahlend weißer Boden und darüber ein nahezu wolkenloser Himmel. Natürlich war auch ein Fotostopp teil des Programms. Durch die fehlende Perspektive entstehen auf dem Salar die verrücktesten optischen Täuschungen. Menschen werden plötzlich winzig, Gegenstände riesig und Entfernungen lassen sich kaum noch einschätzen. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und kamen auf der Tour am Rallye Dakar Denkmal und ehemaligen Salzhotel vorbei.
Isla Incahuasi – Kakteen mitten im Salz
Zum klassischen Programm einer dreitägigen Salar-Tour gehört normalerweise auch die Isla Incahuasi. Die Insel liegt mitten im Salar und wirkt durch ihre mit riesigen Kakteen bewachsene Oberfläche wie ein kleiner Felsbrocken, der völlig unpassend in der weißen Salzwüste liegt. Gerade dieser Kontrast macht sie zu einem der bekanntesten Stopps der Tour (extra Eintritt vor Ort zu zahlen). Von oben bietet sich noch einmal eine ganz andere Perspektive auf den Salar. Plötzlich sieht man erst richtig, wie weit sich die weiße Fläche ausdehnt.
Eine Nacht in einem Hotel aus Salz
Unser erster Tag endete schließlich in einer Unterkunft, die passender für diese Region kaum sein könnte: einem Hotel aus Salz. Wände, Möbel und andere Teile der Unterkunft bestehen aus Salzblöcken, was eine ziemlich ungewöhnliche Erfahrung ist. Allerdings gibt es einen kleinen Haken. Heizung und warmes Wasser gehören in solchen Unterkünften nicht unbedingt zum Standard. Und wenn die Sonne verschwindet, merkt man ziemlich schnell, dass wir uns mitten im Hochland befinden. Die Temperaturen können nachts deutlich fallen und nach einem langen Tag draußen waren wir deshalb ziemlich froh über unsere Schlafsäcke und alles, was wir an warmen Sachen dabeihatten. Die erste Nacht war damit schon einmal ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte.
Tag 2: Durch das Hochland zu den Lagunen
Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn unser zweiter Tag sollte uns tief hinein in das südwestliche Altiplano führen. Die klassische dreitägige Route führt von der Salzwüste weiter durch die Landschaft der Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa, einem riesigen Schutzgebiet im äußersten Südwesten Boliviens. Vorbei an Vulkanen und Lamaherden, kam ein weiterer Abschnitt, der kaum weniger beeindruckend ist als die Salzwüste.
Lagunen, Vulkane und Flamingos
Im Laufe des Tages passierten wir verschiedene Hochlandlagunen, darunter typischerweise die Laguna Cañapa, Laguna Hedionda und weitere kleinere Lagunen, bevor die Route zur berühmten Laguna Colorada führt. Das Besondere an diesen Lagunen ist nicht nur das Wasser selbst. Rundherum erstreckt sich eine Landschaft aus Vulkanen, Felsen und trockenem Hochland und dazwischen tauchen plötzlich Tiere auf, wie Flamingos, Lamas und Vicuñas und die kleinen, ziemlich niedlichen Vizcachas. Die geschützte Region ist tatsächlich ein wichtiger Lebensraum für verschiedene Flamingoarten und Vicuñas. Das bolivianische Schutzgebietsmanagement führt unter anderem Andenflamingos, Chileflamingos, James-Flamingos und Vicuñas als bedeutende Arten der Region. Wir standen irgendwann einfach nur da und haben zugesehen und uns wie bei National Geographics in einer Doku gefühlt. Flamingos in einer roten Lagune. Vicuñas, die völlig entspannt durch die Landschaft liefen. Lamas irgendwo am Straßenrand und dazu die riesigen Vulkane im Hintergrund. Solche Momente lassen sich irgendwie nur schwer fotografieren und dieses Gefühl, mitten in dieser Landschaft zu stehen, bekommt man darauf meist nicht eingefangen.
Einer der Höhepunkte des zweiten Tages war die Laguna Colorada. Schon der Name verrät, erwartet einen eine auffällig rötlich gefärbte Lagune inmitten der Hochlandwüste. Die Färbung entsteht durch mineralische Ablagerungen und Mikroorganismen im Wasser und verändert sich je nach Licht und Bedingungen. Gleichzeitig ist die Lagune ein wichtiger Lebensraum für Flamingos. Die offiziellen Schutzgebietsdaten dokumentieren dort verschiedene Flamingoarten und zeigen, wie stark die Bestände saisonal schwanken können.
Árbol de Piedra und die Wüste
Auf dem Weg durch die Wüstenlandschaft gehört auch der Árbol de Piedra, der „Steinbaum“ zu den bekannten Stopps. Dabei handelt es sich um eine markante Felsformation, die durch Erosion ihre ungewöhnliche Form bekommen hat. Mitten in der kargen Landschaft steht dieser einzelne, vom Wind geformte Felsen und sieht tatsächlich ein bisschen wie ein Baum aus. Am Abend wartete dann unsere zweite Unterkunft auf uns. Und diesmal lagen wir auf ungefähr 4.400 Metern Höhe. Heizung? Nein. Warmwasser? Auch nein. Dafür gab es Wärmflaschen, die beste Überraschung an diesem Abend! Nach einem langen Tag im Jeep waren wir müde, die Höhe machte sich bemerkbar und draußen wurde es bitterkalt. Aber genau diese Abende mit heißer Suppe, guten Gesprächen und Sternenhimmel waren gleichzeitig etwas Besonderes. Unser Guide erzählte uns von Bolivien, seiner Kultur und dem Leben hier.
Bolivien – mehr als nur eine spektakuläre Landschaft
Je länger wir mit unserem Guide sprachen, desto mehr bekamen wir einen Einblick in ein Land, das für uns vorher vor allem aus beeindruckenden Landschaften bestanden hatte. Jetzt ging es um das Leben der Menschen hier, um die (fehlende) Bildung und um wirtschaftliche Möglichkeiten, die langsame Entwicklung des Landes und um politische und gesellschaftliche Schwierigkeiten. Unser Guide erzählte uns von seinen persönlichen Erfahrungen und davon, wie er die Situation in Bolivien wahrnimmt. Dabei wurde uns auch bewusst, wie unterschiedlich unsere Lebensrealitäten teilweise sind und wie man die Demonstrationen und Straßenblockaden einzuordnen hat.
Ein Punkt, der uns besonders beschäftigt hat, war die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Bolivien verfügt zwar über bedeutende natürliche Ressourcen und eine lange Bergbaugeschichte, gleichzeitig bestehen bis heute strukturelle Herausforderungen bei Bildung, Infrastruktur, Arbeitsmarkt und wirtschaftlicher Diversifizierung. Unser Guide sprach dabei sehr offen über seine Sicht auf die Situation und über politische Probleme, die das Land beschäftigen. Denn plötzlich war Bolivien nicht mehr nur dieses wunderschöne Land mit Salzseen, Vulkanen und Flamingos. Und genau solche Gespräche sind für mich einer der Gründe, warum ich so gerne individuell reise.
Tag 3: Geysire, heiße Quellen und die Grenze nach Chile
Am dritten Tag ging es noch einmal sehr früh los (4:30 Uhr!). Unser Ziel waren die Sol de Mañana Geysire, die auf über 4.900 Metern liegen. Die dampfenden Fumarolen und blubbernden Schlammlöcher wirken besonders am frühen Morgen spektakulär, wenn die kalte Luft den Dampf noch deutlicher sichtbar macht. Und plötzlich standen wir wieder in einer völlig anderen Landschaft inklusive Schneefeldern. Dampf stieg aus dem Boden auf, überall roch es nach Schwefel und unter unseren Füßen schien die Erde regelrecht zu arbeiten. Bei dieser Höhe sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Körper hier deutlich mehr leisten muss, denn 4.900 Meter sind nicht ohne. Danach ging es weiter zu den Thermalquellen von Polques. Nach zwei Nächten ohne Heizung und einer weiteren sehr kalten Nacht war allein die Vorstellung von warmem Wasser schon ziemlich verlockend. Heiße Quellen mitten in einer Landschaft aus Vulkanen und Hochlandwüste inklusive vorbeifliegender Flamingos, auch das gehört zu den Momenten, bei denen man kurz denkt, dass diese Landschaft eigentlich zu surreal ist, um echt zu sein.
Zum Abschluss der Tour standen noch die Laguna Blanca und Laguna Verde auf dem Programm. Die beiden Seen liegen am Fuß des Vulkans Licancabur und gehören zu den bekanntesten Landschaften der bolivianischen Südwest-Route. Die Laguna Verde verdankt ihre grünliche Färbung unter anderem mineralischen Ablagerungen und wirkt zusammen mit dem Licancabur (Vulkan) im Hintergrund beinahe wie eine Kulisse aus einem Film.
Über die Grenze nach Chile
Von der Laguna Verde aus ging es weiter in Richtung chilenische Grenze, was für uns gleichzeitig den Abschied von Bolivien bedeutete. Drei Tage lang waren wir durch eine Landschaft gefahren, die unterschiedlicher kaum sein könnte: vom Zug-Friedhof über die endlose Salzwüste bis hin zu roten Lagunen, Vulkanen, Geysiren und heißen Quellen.
Und jetzt stand der Grenzübergang nach Chile an. Unser Jeep brachte uns bis zum Grenzbereich, wo wir Bolivien verließen und anschließend weiter Richtung San Pedro de Atacama fuhren. Damit endete für uns eine der außergewöhnlichsten Etappen unserer Südamerika-Reise.
Drei Tage Altiplano Roadtrip – mein Fazit
Wenn ich an unsere Bolivien-Reise zurückdenke, gehört diese Tour definitiv zu den Erlebnissen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, nicht nur wegen der Salar de Uyuni. Eigentlich war es gerade die Kombination, die diese Reise so besonders gemacht hat. Die endlose weiße Salzwüste, die kleinen Inseln mitten im Salz, die farbigen Lagunen samt Flamingos und Vicuñas. Dazu die Vulkane, Wüstenlandschaften und Geysire auf fast 5.000 Metern. Dazu kamen die Gespräche mit unserem Guide, die uns Bolivien noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive nähergebracht haben.
Denn natürlich ist die Landschaft spektakulär, aber ein Land wird für mich erst dann wirklich interessant, wenn hinter der Landschaft auch die Geschichten der Menschen sichtbar werden.
Die klassische 3-Tage-Uyuni-Tour auf einen Blick
Wer eine klassische 3-Tage-Tour von Uyuni nach Chile plant, kann ungefähr mit diesem Ablauf rechnen:
Tag 1: Uyuni → Zug-Friedhof → Colchani → Salar de Uyuni → Isla Incahuasi → Salzunterkunft
Tag 2: Hochlandlagunen → Laguna Cañapa/Hedionda & weitere Lagunen → Árbol de Piedra → Laguna Colorada → Unterkunft auf über 4.000 Metern
Tag 3: Sol de Mañana Geysire → Polques Thermalquellen → Laguna Blanca → Laguna Verde → Licancabur → Grenzübergang nach Chile
Die genaue Reihenfolge und die tatsächlich angefahrenen Stopps können je nach Anbieter, Wetter und Straßenbedingungen variieren. Die Route durch das Eduardo-Avaroa-Schutzgebiet führt teilweise auf sehr abgelegenen Pisten und erreicht Höhen von deutlich über 4.000 Metern. Gerade bei Schnee wird gerne umgeplant. Wer Glück hat, kann auf dieser Strecke neben den bisher aufgezählten Tieren auch Pumas in freier Wildbahn sehen.
Mein Tipp für die Uyuni-Tour
Wer die Tour macht, sollte sich wirklich auf die Bedingungen einstellen: warme Kleidung, Mütze, Handschuhe, gute Schuhe und einen warmen Schlafsack gehören für mich definitiv ins Gepäck und vor allem sollte man die Höhe nicht unterschätzen. Zwei Nächte auf fast 5000 Metern sind körperlich etwas völlig anderes als ein normaler Roadtrip. Man fährt stundenlang durch eine Landschaft, in der es kaum Straßen, kaum Häuser und teilweise überhaupt keine sichtbaren Zeichen menschlicher Besiedlung gibt (und natürlich auch kaum/kein Handyempfang). Die gleiche Tour in umgekehrter Reihenfolge wird auch aus San Pedro de Atacama angeboten, sodass sie sich super in eine individuelle Rundreise integrieren lässt.
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