La Paz: Sehenswürdigkeiten, Seilbahn & Cholitas
Je näher wir der Stadt kamen, desto größer wurde das Häusermeer, das sich vor uns zwischen den Bergen ausbreitete. La Paz liegt nicht einfach irgendwo auf einer Hochebene. Die Stadt zieht sich durch ein tief eingeschnittenes Tal und an den Berghängen entlang. Das Stadtgebiet reicht dabei von ungefähr 3.200 bis über 4.000 Meter Höhe. Nach dem kleinen Copacabana fühlte sich La Paz plötzlich riesig an. Und gleichzeitig irgendwie unwirklich.
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ToggleLa Paz – eine Stadt zwischen den Bergen
La Paz liegt im bolivianischen Altiplano und ist durch seine besondere Topografie geprägt. Während die tieferen Stadtbereiche im Tal liegen, steigen die Wohngebiete an den Hängen immer weiter nach oben. Direkt daneben beginnt die noch höher gelegene Metropolregion rund um El Alto. Das sorgt für ein Stadtbild, das ich so bisher noch nirgendwo erlebt hatte. Häuser scheinen sich regelrecht übereinanderzustapeln. Straßen ziehen sich die Berghänge hinauf und überall dazwischen tauchen die gewaltigen Berge der Anden auf. Man hat ständig das Gefühl, auf eine Stadt zu schauen, die eigentlich viel zu groß für den Platz ist, auf dem sie gebaut wurde.
Mit der Seilbahn über La Paz
Wer La Paz besucht, kommt an einem Verkehrsmittel kaum vorbei: der Seilbahn. Das Netz von Mi Teleférico wurde ab 2014 eröffnet und verbindet verschiedene Stadtteile von La Paz und El Alto miteinander. Die ersten Linien gingen am 30. Mai 2014 in Betrieb; in den folgenden Jahren wurde das Netz deutlich erweitert und es sollen in Zukunft auch noch weitere Verbindungen dazukommen. Für uns war die Seilbahn natürlich nicht nur ein praktisches Verkehrsmittel, sondern gleichzeitig eine ziemlich spektakuläre Möglichkeit, die Stadt von oben kennenzulernen. Während unten auf den Straßen Autos, Busse und Menschen unterwegs sind, schwebt man einfach über die Dächer hinweg. Und je höher die Gondel steigt, desto besser versteht man die ungewöhnliche Geografie der Stadt. Tatsächlich haben hier eine Österreichische und eine Schweizer Firma die Realisierung übernommen und im Vergleich zum lokalen Bus/ Colectivo sind die Preise gleich, bzw. teilweise günstiger.
La Paz bei einer Walking Tour
Einen Teil der Stadt erkundeten wir zu Fuß bei einer Walking Tour. Dabei ging es nicht nur um klassische Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem darum, La Paz und seine Bewohner besser zu verstehen. Wir bekamen Einblicke in das alltägliche Leben in der Stadt und hörten dabei auch von Themen, die weniger touristisch und deutlich schwieriger sind: soziale Ungleichheit, Korruption und der Einfluss des Drogenhandels gehören ebenfalls zur Realität Boliviens. Gerade solche Gespräche fand ich spannend, weil sie eine Stadt noch einmal aus einer anderen Perspektive zeigen. La Paz ist eben nicht nur spektakuläre Bergkulisse und farbenfrohe Märkte. Wie jede große Stadt hat auch diese ihre sozialen Probleme und Widersprüche.
Pachamama und die andine Weltanschauung
Ein Thema, das uns während der Tour immer wieder begegnete, war die Bedeutung der Pachamama. Die andine Kosmovision ist stark von der Vorstellung einer Verbindung zwischen Mensch, Natur und Kosmos geprägt. In verschiedenen indigenen Traditionen spielen Rituale, Naturkräfte und die Beziehung zur Erde eine zentrale Rolle. Gleichzeitig haben sich diese Vorstellungen über Jahrhunderte mit christlichen Traditionen vermischt. UNESCO beschreibt diese Verbindung beispielsweise auch im Zusammenhang mit der traditionellen andinen Kallawaya-Kultur. Das Spannende daran ist, dass diese Weltanschauung in Bolivien nicht nur in Museen oder historischen Erzählungen existiert. Sie ist bis heute Teil des kulturellen Lebens. In der andinen Welt spielen Tiere, Natur und symbolische Gegenstände in verschiedenen Ritualen und Traditionen eine wichtige Rolle. Die konkrete Bedeutung kann dabei je nach Gemeinschaft und Tradition unterschiedlich sein. Viele Details bekamen wir in dem sogenannten Witch Market erklärt. Dies ist eine Straße in der viele Schamanen ihre Dienste anbieten, Opferkörbe zusammengestellt werden können oder Talismane gesegnet werden. Alles ist möglich!
La Paz und seine weniger schönen Geschichten
Unsere Walking Tour führte uns auch an Themen heran, über die man als Tourist wahrscheinlich nicht unbedingt von selbst stolpert. Dazu gehörten beispielsweise Geschichten über Drogenhandel, Korruption und das berüchtigte Gefängnis San Pedro.
Gerade das Gefängnis ist international durch Berichte über seine ungewöhnliche interne (Selbst-)Organisation bekannt geworden. Dabei sollte man allerdings zwischen historischen Berichten und der heutigen Situation unterscheiden, denn vieles, was über San Pedro erzählt wird, stammt aus früheren Jahrzehnten und aus journalistischen oder persönlichen Erfahrungsberichten. So konnten vor einiger Zeit sogar Touristen im Gefängnis übernachten. Im Gefängnis sind nur Männer untergebracht und man sagt, dass aufgrund der Selbstverwaltung sogar Whirlpools mittlerweile für die reicheren Insassen zur Verfügung stehen.
El Alto – Cholitas, bunte Märkte und extravagante Häuser
Ein besonders spannender Einblick in den Alltag rund um La Paz bot sich uns auch in El Alto, der hoch gelegenen Nachbarstadt, die sich oberhalb des Talkessels von La Paz über das Altiplano erstreckt. Hier begegneten uns immer wieder die sogenannten Cholitas – indigene Frauen, die mit ihren traditionellen, farbenfrohen Röcken, den Polleras, kleinen Hüten und oft kunstvoll geflochtenen Zöpfen sofort ins Auge fallen. Was für uns zunächst ein ungewohntes und beeindruckendes Bild war, gehört für viele Frauen ganz selbstverständlich zum Alltag und ist zugleich Ausdruck ihrer kulturellen Identität.
Mittlerweile sind die Cholitas auch über Bolivien hinaus bekannt und treten beispielsweise bei eigenen Wrestling-Shows auf, bei denen sie in traditioneller Kleidung spektakuläre Kämpfe inszenieren. Dabei sollte man sie keineswegs auf ihr traditionelles Erscheinungsbild reduzieren, denn viele Cholitas sind erfolgreiche Unternehmerinnen und Händlerinnen, die sich ihren Wohlstand selbst erarbeitet haben. Gerade in El Alto wird das auf ziemlich eindrucksvolle Weise sichtbar. Hier entstehen riesige, farbenfrohe Gebäude, die sogenannten Cholets, deren Architektur traditionelle andine Muster mit extravaganten, modernen Elementen verbindet. Manche dieser Häuser erinnern mit ihren ungewöhnlichen Formen und Dekorationen an den Eiffelturm oder zeigen Motive wie Luxusautos à la Lamborghini. Zwischen den bunten Märkten, auf denen Kleidung, Lebensmittel und allerlei Kuriositäten angeboten werden, und diesen außergewöhnlichen Gebäuden zeigt sich eine Seite Boliviens, die wir so nicht erwartet hätten – selbstbewusst, kreativ und voller Kontraste.
Mein Fazit zu La Paz
La Paz war für mich eine dieser Städte, bei denen der erste Eindruck gleichzeitig überwältigend und ein bisschen überfordernd ist. Schon allein die Größe und die Lage sind außergewöhnlich. Dazu kommt die Höhe, die einem bei jedem Aufstieg noch einmal deutlich macht, dass man sich nicht in einer gewöhnlichen Großstadt befindet. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir deshalb gar nicht einzelne Sehenswürdigkeiten, sondern die Perspektiven: aus der Seilbahngondel über die Dächer, vom Hang hinunter auf das riesige Stadtgebiet und immer wieder hinauf zu den Bergen. Damit endete für uns auch dieser besondere Abschnitt unserer Reise durch das bolivianische Hochland und wir reisen weiter in eine andere Landschaftsform: Salar de Uyuni.
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