Bali erleben – Kultur, Vulkane und Wasserfälle rund um Ubud
Nach vier Wochen im Südpazifik erwartete mich mit Indonesien eine völlig neue Welt. Eigentlich stand das Land zu Beginn meiner Reiseplanung gar nicht auf meiner Liste – umso überraschter war ich, wie schnell mich Indonesien in seinen Bann zog. Bereits nach den ersten 24 Stunden wusste ich, dass diese Entscheidung genau richtig gewesen war.
Bali gehört zu den über 17.000 Inseln Indonesiens und ist mit rund 5.800 Quadratkilometern vergleichsweise klein. Dennoch leben hier über 4,4 Millionen Menschen. Anders als der überwiegend muslimisch geprägte Rest Indonesiens ist Bali die einzige Insel des Landes, auf der der Hinduismus die vorherrschende Religion ist. Tempel, Opfergaben und Zeremonien gehören hier ganz selbstverständlich zum Alltag und verleihen der Insel ihre besondere Atmosphäre.
Geologisch entstand Bali – wie viele Inseln Südostasiens – entlang des Pazifischen Feuerrings. Mehrere Vulkane prägen bis heute das Landschaftsbild und sorgen gleichzeitig für fruchtbare Böden, auf denen die berühmten Reisterrassen gedeihen. Zwischen tropischem Regenwald, Wasserfällen und grünen Reisfeldern zeigt sich Bali unglaublich vielseitig.
Ankommen auf Bali – Erste Eindrücke zwischen Tempelgesängen und tropischen Früchten
Mitten in der Nacht landete ich in Denpasar. Gleich zu Beginn wartete die erste kleine Überraschung: Da mein online beantragtes Visum noch nicht bearbeitet war, musste ich kurzerhand ein neues Visum direkt am Flughafen kaufen. Danach besorgte ich mir in einer kleinen Seitenstraße noch schnell eine lokale SIM-Karte und fiel völlig erschöpft in meiner Unterkunft in Kuta ins Bett.
Am nächsten Morgen wurde ich nicht etwa vom Straßenlärm geweckt, sondern von Gesängen und den rhythmischen Klängen eines traditionellen Gamelan-Orchesters. Direkt neben meiner Unterkunft befand sich ein Tempel, in dem bereits früh am Morgen Zeremonien stattfanden. Bei meinem ersten Spaziergang fiel mir sofort die unglaubliche Vielfalt an tropischen Früchten und Gemüse auf. Nach mehreren Wochen auf kleinen Pazifikinseln freute ich mich riesig über Mangos, Drachenfrüchte, Papayas und all die bunten Obststände an jeder Straßenecke.
Mit einem Grab – dem südostasiatischen Pendant zu Uber – ging es anschließend weiter nach Ubud. Schon während der Fahrt erzählte mir Fahrer Edy viel über den balinesischen Hinduismus, die Bedeutung der täglichen Opfergaben und darüber, wie eng Religion und Alltag auf Bali miteinander verbunden sind. Diese Gespräche halfen mir, die Insel vom ersten Moment an besser zu verstehen.
Ubud – Das kulturelle Herz Balis
Ubud gilt für viele als das kulturelle Zentrum Balis. Zwischen Tempeln, Yogastudios, Kunstgalerien und traditionellen Handwerksbetrieben scheint das Leben etwas ruhiger zu verlaufen als an den bekannten Stränden im Süden. Gleichzeitig ist Ubud ein idealer Ausgangspunkt, um die landschaftlichen Highlights der Insel zu entdecken. Vulkane, Wasserfälle, Reisterrassen und kleine Dörfer liegen meist nur eine kurze Fahrt entfernt und machen jeden Tagesausflug abwechslungsreich.
Sonnenaufgang auf dem Mount Batur
Eines meiner ersten großen Abenteuer auf dieser Insel begann mitten in der Nacht. Bereits um zwei Uhr morgens starteten wir am Fuße des Mount Batur, einem rund 1.717 Meter hohen aktiven Vulkan im Nordosten Balis. Ausgestattet mit Stirnlampen und einem kleinen Lunchpaket machten wir uns unter einem beeindruckenden Sternenhimmel auf den Weg zum Kraterrand. Die knapp zweistündige Wanderung verlief allerdings anders als geplant: Durch ein Missverständnis verloren unser Guide und unsere Gruppe plötzlich den Kontakt zu uns. Gemeinsam mit einer weiteren Reisenden stand ich mitten im Dunkeln alleine am Fuße des Vulkans. Mit einer ordentlichen Portion Adrenalin, etwas Orientierungssinn und viel Gelassenheit fanden wir schließlich doch rechtzeitig zum Sonnenaufgang den Weg bis nach oben zum Kraterrand.
Jeden Morgen machen sich zwischen 500 und 700 Menschen auf den Weg zum Gipfel des Mount Batur. Entsprechend voll wird es kurz vor Sonnenaufgang. Trotzdem entschädigte der Ausblick für alles: Während langsam die Sonne über dem Horizont erschien, färbten sich die umliegenden Vulkane, der Ozean und sogar die Nachbarinsel Lombok in warme Gold- und Orangetöne. Einer dieser Momente, den keine Kamera wirklich einfangen kann.
Wasserfälle, Reisterrassen und Schattenseiten
Natürlich durften auch die berühmten Wasserfälle und Reisterrassen Balis nicht fehlen. Mal gemeinsam mit anderen Reisenden aus meiner Unterkunft, mal alleine, machte ich mich auf den Weg zu einigen der bekanntesten Naturhighlights rund um Ubud. Besucht habe ich den Tibumana Waterfall, den Kanto Lampo Waterfall sowie den Tegenungan Waterfall. Jeder Wasserfall hatte seinen eigenen Charakter – vom idyllisch im Dschungel gelegenen Tibumana bis zum fotogenen Kanto Lampo, dessen terrassenförmige Felsen inzwischen fast schon zum Wahrzeichen sozialer Medien geworden sind.
Fast noch spannender als die Wasserfälle selbst war allerdings die Anreise. Gemeinsam mit einem Fahrer war ich auf einem Roller unterwegs und konnte das ländliche Bali einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Kleine Dörfer, Reisfelder, Tempelanlagen und der scheinbar chaotische Verkehr gehören hier ganz selbstverständlich zusammen. Anfangs wirkt alles ungeordnet, doch erstaunlicherweise scheint jeder genau zu wissen, wohin er fährt.
So beeindruckend die Natur auch ist, blieb bei mir dennoch ein gemischtes Gefühl zurück. Viele der beliebtesten Sehenswürdigkeiten sind inzwischen stark touristisch erschlossen. Souvenirshops, Restaurants und Cafés reichen teilweise bis unmittelbar an die Wasserfälle heran. Vor den schönsten Fotospots bilden sich lange Warteschlangen, riesige Schaukeln schweben über den Reisterrassen und Zipline-Anlagen durchziehen die Landschaft.
Natürlich verstehe ich, dass der Tourismus für viele Menschen eine wichtige Einnahmequelle ist. Gleichzeitig wurde mir hier aber auch bewusst, wie schmal der Grat zwischen Erleben und Inszenierung geworden ist. Oft waren es deshalb gerade die ruhigeren Momente unterwegs – die Fahrt mit dem Roller, ein kleines Dorf abseits der Hauptstraßen oder ein kurzer Blick über die Reisfelder – die mich am meisten beeindruckt haben.
Yoga, Kulinarik & der Monkey Forest – Ubuds entspannte Seite
Neben seiner Kultur ist Ubud vor allem für seine entspannte Atmosphäre bekannt. Kaum ein anderer Ort auf Bali bietet eine solche Vielfalt an Yoga-Studios, Wellness-Angeboten und kleinen Cafés. Ob Sunrise Yoga mit Blick auf den Dschungel, balinesische Massagen oder traditionelle Blütenbäder – wer eine kleine Auszeit sucht, wird hier garantiert fündig. Auch kulinarisch hat mich Ubud sofort begeistert. Nach den eher begrenzten Möglichkeiten auf den kleinen Inseln Französisch-Polynesiens fühlte sich das Angebot hier fast grenzenlos an. Frische Smoothie Bowls, Nasi Goreng, Gado Gado, bunte Currys, tropische Säfte und unzählige vegetarische oder vegane Restaurants machen es leicht, sich einmal quer durch die balinesische & internationale Küche zu probieren. Besonders schön fand ich die vielen kleinen Warungs – familiengeführte Restaurants, in denen traditionelle Gerichte oft nach alten Familienrezepten zubereitet werden.
Ein weiteres Wahrzeichen Ubuds ist der Sacred Monkey Forest. Mitten im Ort erstreckt sich dieses geschützte Waldgebiet über rund zwölf Hektar und beherbergt mehrere historische Tempelanlagen sowie mehr als 1.000 Langschwanzmakaken. Zwischen riesigen Banyanbäumen, moosbewachsenen Steinfiguren und dichtem Regenwald fühlt sich der Spaziergang fast wie eine Reise in eine andere Welt an. Gleichzeitig wird schnell klar, warum die Affen hier die eigentlichen Hausherren sind – neugierig, clever und immer auf der Suche nach einem unbeaufsichtigten Snack oder einer Sonnenbrille. Wer den Monkey Forest besucht, sollte deshalb alle losen Gegenstände gut verstauen und die Tiere respektvoll beobachten. Wer allerdings auch anderswo schon Affen gesehen hat, muss hier nicht zwingend einen Stopp einplanen meiner Meinung nach…
Gili Air – Entschleunigung zwischen Bali & Lombok
Nach den erlebnisreichen Tagen in Ubud war es Zeit für etwas Ruhe. Rückblickend war Ubud für mich ein kleines persönliches „Eat. Pray. Love.“. Neben meinen Ausflügen verbrachte ich fast jeden Tag auf der Yogamatte, besuchte Klangschalenmeditationen, gönnte mir balinesische Massagen und nahm sogar an einer Kakaozeremonie teil. All diese neuen Eindrücke, Begegnungen und Rituale haben mich auf eine besondere Weise entschleunigt – und gleichzeitig die Vorfreude auf den nächsten Reiseabschnitt geweckt.
Gemeinsam mit einer Reisenden setzte ich schließlich mit der Schnellfähre nach Gili Air über. Die Überfahrt verlief deutlich ruhiger als erwartet und eignete sich sogar hervorragend für einen kleinen Mittagsschlaf. Schon bei der Ankunft wurde klar, dass hier ein ganz anderer Rhythmus herrscht. Die kleine Insel gehört zu den Gili-Inseln, einer Inselgruppe vor der Nordwestküste Lomboks, und kommt vollständig ohne Autos oder Motorroller aus. Stattdessen bestimmen Fahrräder, Pferdekutschen – die sogenannten Cidomos – und das gemütliche Leben am Strand den Alltag. Unser kleiner Bungalow lag nur wenige Schritte vom Meer entfernt. Tagsüber umrundeten wir die Insel zu Fuß, was in knapp anderthalb Stunden problemlos möglich ist, ließen uns in kleinen Strandcafés nieder und sprangen immer wieder zum Schnorcheln ins angenehm warme Wasser. Rund um Gili Air beginnen die Korallenriffe bereits wenige Meter vor der Küste. Zwischen bunten Korallen entdeckten wir Papageienfische, Schildkröten und viele weitere tropische Meeresbewohner – ein wunderschöner erster Vorgeschmack auf die Unterwasserwelt Indonesiens.
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Sonnenuntergänge. Wenn die Sonne langsam hinter Bali und dem mächtigen Vulkan Agung verschwindet, taucht sie den Himmel in warme Orange- und Rosatöne und verleiht der kleinen Insel eine ganz besondere Atmosphäre. Nach den lebhaften Straßen Ubuds fühlte sich Gili Air wie ein Ort an, an dem die Zeit für einen Moment langsamer vergeht – genau die kleine ruhige Strandauszeit, die wir gerade gesucht hatten.
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