Von Melbourne nach Sydney
10 Tage Camper Tour entlang Australiens Südostküste
Unsere Reise von Melbourne nach Sydney führt uns durch zwei der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Australiens – Victoria und New South Wales. Dazwischen liegen wilde Küsten, Nationalparks, endlose Strände und überraschend viel unberührte Natur.
Doch bevor wir wieder in den Camper steigen, genießen wir erstmal das Stadtleben.
Melbourne – Zwischen Großstadtflair und Gartenoase
Am Samstag treffen wir meine Uni-Freundin aus Dänemark in Melbourne und verbringen einen entspannten Sommertag im Royal Botanic Gardens Victoria. Die 38 Hektar große grüne Oase liegt nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt – mit Blick auf die Skyline, aber dennoch erstaunlich ruhig. Hier wird schnell klar, warum Melbourne als „Garden City“ gilt.
Abends zieht es uns ins Zentrum. Kleine Bars, gutes Essen, Livemusik – Melbourne gilt nicht ohne Grund als Kultur- und Kaffeehauptstadt Australiens.
Der Sonntag beginnt mit einem Frühstückspicknick im Park. Danach erkunden wir die Stadt zu Fuß – über 25.000 Schritte später haben wir das Gefühl, Melbourne wirklich gespürt zu haben. Von Chinatown Melbourne, der ältesten Chinatown Australiens, geht es ins kreative Viertel Fitzroy – ein bisschen wie die Hamburger Schanze, nur mit australischem Twist.
Wir schlendern durch die Carlton Gardens und die Fitzroy Gardens, vorbei am imposanten Melbourne Cricket Ground, einem der größten Stadien der Welt. Hier finden Cricket-Spiele statt, die für viele Australier fast religiösen Charakter haben. Direkt daneben liegt das Gelände der Australian Open – eines der vier Grand-Slam-Turniere im Tennis.
Mit über fünf Millionen Einwohnern ist Melbourne die zweitgrößte Stadt Australiens. Stadtteile wie South Yarra begeistern mit viktorianischen Häusern und kunstvoll verzierten Balkonen aus der Kolonialzeit.
Melbourne fühlt sich für uns an wie New York City – nur irgendwie entspannter, grüner und mit mehr Nähe zum Wasser. Die Lage an der Port Phillip Bay, die vielen Parks und die kreative Szene erklären, warum Melbourne regelmäßig zu den lebenswertesten Städten der Welt zählt.
Doch nun ruft die Natur.
Wilsons Promontory – Der südlichste Punkt des australischen Festlands
Etwa 2,5 Stunden südöstlich von Melbourne erreichen wir den Wilsons Promontory National Park – von den Einheimischen liebevoll „The Prom“ genannt. Er markiert den südlichsten Punkt des australischen Festlands und ist bekannt für seine Mischung aus Granitbergen, weißen Stränden und dichter Buschlandschaft.
Schon unsere erste kleine Wanderung entlang von Duck Point zeigt, wie abwechslungsreich die Landschaft hier ist. Sanfte Hügel, offene Grasflächen, immer wieder Blicke aufs Meer. Wir bleiben zwei Nächte und planen, auch einen der Gipfel zu erklimmen.
Der Park ist berühmt für seine Tierwelt – und wir werden nicht enttäuscht. Zwei Emus rennen plötzlich vor uns über die Straße. Mehrfach muss ich für Kängurus bremsen (Herzklopfen inklusive). Wallabys hüpfen durchs hohe Gras, ein Possum zeigt sich in der Dämmerung und immer wieder entdecken wir weitere Kängurus in der Ferne.
Ein absolutes Highlight ist Norman Beach – ein langer, feiner Sandstrand mit türkisfarbenem Wasser, eingerahmt von runden Granitfelsen. Postkartenmotiv pur.
Für den Panoramablick von oben steigen wir hinauf auf den Mount Oberon. Vom Gipfel aus sehen wir die zerklüftete Küstenlinie, vorgelagerte Inseln und das scheinbar endlose Meer. Wir verweilen und lassen unsere Blicke über den großen Nationalpark schweifen.
Und während wir am Abend im Camper sitzen, wird uns klar:
Der Abschnitt zwischen Melbourne und Sydney ist weit mehr als nur eine Verbindungsstrecke. Er ist ein eigenes Abenteuer – ein Wechselspiel zwischen pulsierender Stadt und wilder Natur. Mit einem Papageien-Chor im Baum lassen wir den letzten Abend im Wilson Prom ausklingen.
90 Mile Beach in Victoria – Einer der längsten Strände Australiens
Die letzten Tage haben wir einige Kilometer auf dem Weg Richtung Sydney zurückgelegt und uns den bekannten Ninety Mile Beach angesehen – der trotz seines Namens „nur“ rund 94 Kilometer lang ist und damit einer der längsten durchgehenden Sandstrände Australiens. Er liegt im Bundesstaat Victoria zwischen dem Gippsland Lakes System und Bass Strait und ist bekannt für seine kräftigen Wellen und endlosen Horizonte. Bevor es weiterging, legten wir einen logistischen Stopp in Bairnsdale ein – dem Tor zu den Gippsland Lakes. Hitze und starker Regen wechselten sich hier ab, und die lauten Kakadus sorgten dafür, dass unsere Nacht etwas kürzer wurde als geplant.
Raymond Island – Koalas hautnah erleben
Dennoch voller Vorfreude auf Koalas ging es früh weiter nach Raymond Island, einer kleinen Insel im weitläufigen System der Gippsland Lakes. Auf gerade einmal rund sechs Quadratkilometern leben hier etwa 200 Koalas – eine der zugänglichsten Populationen des Landes. Mit der kurzen Fähre ab Paynesville, die man als Fußgänger kostenlos nutzen kann, war die Überfahrt unkompliziert. An Bord bekamen wir einen kleinen Plan für den „Koala Walk“ – und ab diesem Moment richtete sich unser Blick fast ausschließlich nach oben in die Eukalyptusbäume.
Mit viel Geduld entdeckten wir sie schließlich: zusammengerollt in Astgabeln, scheinbar regungslos schlafend – bis sich doch ein Ohr bewegte oder ein verschlafener Blick nach unten fiel. Es ist erstaunlich, wie perfekt sie mit der Rinde verschmelzen. Wir rundeten unseren Besuch mit einem Spaziergang durch das angrenzende Naturschutzgebiet ab, wo die Landschaft flach, ruhig und typisch australisch wirkt – Buschland, Vogelstimmen und der Duft von Eukalyptus in der Luft.
Gestärkt mit einem zweiten Kaffee führte uns unsere Route weiter entlang des Princes Highway, einer der wichtigsten Küstenverbindungen Australiens, die sich über mehr als 1.900 Kilometer von Sydney bis nach Adelaide zieht. Immer wieder begleiteten uns dichte Eukalyptuswälder, bevor wir schließlich Eden erreichten.
Eden liegt ganz im Süden von New South Wales an der Twofold Bay, einer der tiefsten Naturhäfen der südlichen Hemisphäre. Der kleine Ort empfing uns mit einer wunderschönen Bucht und natürlichen Felsenpools am Meer. Da wir erst am späten Nachmittag ankamen, wirkte alles angenehm ruhig, fast verschlafen. Einst war Eden ein Zentrum des Walfangs im 19. Jahrhundert – heute erinnert vor allem das Walfangmuseum daran. In den Wintermonaten ziehen hier Buckelwale vorbei, und statt Jagd werden inzwischen Walbeobachtungstouren angeboten – ein schöner Wandel der Geschichte.
Narooma & Batemans Bay – Natur, Tierwelt und entspannte Küstenorte
Bei milden Temperaturen legten wir einen Stopp in Narooma ein – vergeblich auf der Suche nach einem Nachmittagskaffee. Drei Cafés später mussten wir feststellen: Hier schließen viele bereits gegen 12.30 Uhr. Frühaufsteher-Kultur statt Nachmittagsespresso – daran gewöhnen wir uns langsam.
Narooma liegt an der sogenannten Sapphire Coast und ist bekannt für seine vorgelagerte Insel Montague Island sowie für seine Tierwelt. Die Seelöwenkolonie im Hafen brachte uns schnell auf andere Gedanken. Pelikane gleiten gemächlich durch die Bucht, Taucher kehren mit ihrer Ausrüstung zurück, und besonders beeindruckend ist der Australia Rock – eine durch Erosion geformte Felsformation, die tatsächlich wie der australische Kontinent aussieht.
Weiter ging es nach Batemans Bay, gelegen an der Mündung des Clyde River. Hier blieben wir etwas länger – direkt am Wasser, ungewöhnlich ruhig und mit viel Raum für uns allein. Die Gezeiten sind deutlich spürbar, Ebbe und Flut verändern die Strände sichtbar innerhalb weniger Stunden.
Die Wälder reichen hier fast bis ans Meer, typisch für diese Region der South Coast. In einer geschützten Bucht entdeckten wir einen Mangrovenwald, durchzogen von Holzstegen, die uns mitten hineinführten. Es war beinahe vollkommen still – nur das leise Plätschern des Wassers und das Rascheln im Schlamm. Wenn man innehält, hört man tatsächlich die vielen kleinen Krebse, die hektisch über den Boden huschen.
Ein Ort zum Durchatmen – zwischen Ozean, Fluss und Wald.
Jervis Bay & Kiama
Der Start in den nächsten Abschnitt war wackelig bis nervenaufreibend – ein Reifen verlor permanent Luft und bis der Service kam, waren wir sehr unsicher wie es weitergehen würde. Mit dem Rat alle paar Stunden immer wieder den Reifendruck zu checken machten wir uns dann mit etwas mulmigem Gefühl auf den Weg nach Huskinson an der Jervis Bay. Regen begleitete die Fahrt und erst als wir in Huskinson spazieren waren am herrlichen Strand und plötzlich Delphine entdecken, war die Laune gerettet.
Der nächste Reifencheck war zum Glück zufriedenstellend und so kamen wir halbwegs beruhigt am Ziel in Kiama an. Der Campingplatz ist idyllisch in einer eigenen Bucht gelegen, wir hören die Wellen bis in den Camper und parken unter zwei Palmen.
Der hier vorbei laufende Küstenwanderweg bescherte uns wieder tolle Aussichten und viele Schritte am nächsten Tag. Wir kamen entlang der Blowholes, wanderten über große Grasflächen entlang der Klippen und endeten am Leuchtturm von Kiama. Endlich war auch die Sonne wieder von der Partie und so konnten wir Meer & Pool nochmal richtig genießen.
Wollongong & Bulli Beach
Wollongong ist eine moderne Stadt mit hohen Häusern, vielen Geschäften und Trubel. Wir halten um den Leuchtturm anzuschauen, machen einen Kaffeestopp und kaufen uns die empfohlenen Netze für den Kopf für unsere Reise ins Outback.
Langsam nähern wir uns dem Ende der Campingtour und stoppen ein letztes Mal direkt am Strand von Bulli Beach.
Der Wind pustet uns entlang der Küste, wir halten die Füße ins Wasser und es ist trotz der 27 Grad zu kalt um in die Felsenbecken zu gehen aufgrund des Windes/Sturms. Abends schaukelt unser Camper mehr als jedes Schiff auf dem ich bisher geschlafen habe und so haben wir eine letzte abenteuerliche Nacht.
Tipps für die Strecke
- Mindestens 7-10 Tage für die Strecke einplanen
- Highlights wie Jervis Bay frühzeitig reservieren
- Badesachen bereithalten, fast jeder Ort hat ein kostenloses Meeresschwimmbecken
Nach 2448km geben wir dann unseren Camper in Sydney ab – alles rund um unsere nächste Etappe kommt in Kürze 🙂
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