San Pedro de Atacama: Mondtal, Wüste und Tipps für deinen Besuch
Die Einreise von Bolivien nach Chile über Land war dann doch etwas langwieriger als gedacht. Aber irgendwann waren alle Formalitäten erledigt und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Zurück in den warmen Gefilden, kamen wir in San Pedro de Atacama an, einem kleinen Wüstenort im Norden Chiles, der vor allem für seine spektakulären Landschaften, die trockene Wüstenluft und einen der faszinierendsten Sternenhimmel der Welt bekannt ist.
Nach den aufregenden drei Tagen im Jeep durch das bolivianische Altiplano und die surrealen Landschaften rund um den Salar de Uyuni war erst einmal Entspannung angesagt.
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ToggleSan Pedro de Atacama – Oase in einer der trockensten Regionen der Welt
San Pedro de Atacama liegt auf rund 2.400 Metern Höhe in der gleichnamigen Atacama-Wüste. Diese erstreckt sich über einen großen Teil des Nordens von Chile und gilt als eine der trockensten Regionen der Erde. In manchen Gebieten fällt über Jahre hinweg kaum messbarer Niederschlag. Verantwortlich dafür sind unter anderem der kalte Humboldtstrom vor der Pazifikküste, der die Bildung von Regenwolken erschwert, sowie die Lage zwischen den Anden und dem Küstengebirge.
Die Landschaft rund um San Pedro ist entsprechend außergewöhnlich: Schroffe Gebirgszüge, mächtige Vulkane, weite Salzflächen und Sanddünen wechseln sich ab. Gleichzeitig ist die Region keineswegs menschenleer. Schon lange vor der Ankunft der Spanier lebten hier die Atacameños, auch Lickanantay genannt. Sie entwickelten in der trockenen Umgebung ausgeklügelte Bewässerungssysteme und betrieben Landwirtschaft, unter anderem mit Mais, Kartoffeln und Quinoa. San Pedro ist bis heute ein wichtiges Zentrum der indigenen Kultur und Geschichte der Region.
Der Ort selbst ist überschaubar und geprägt von niedrigen Lehmhäusern, staubigen Straßen und kleinen Innenhöfen. Zwischen Restaurants, Cafés und Reiseagenturen lässt sich wunderbar bummeln. Viele Besucher kommen allerdings vor allem wegen der Natur. Die Umgebung bietet einige der eindrucksvollsten Landschaften Chiles, und auch die Nähe zu den Anden und zur bolivianischen Grenze macht San Pedro zu einem beliebten Ausgangspunkt für Rundreisen durch das Altiplano.
Sternenhimmel, Vollmond & Wüstenlandschaft
Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, den berühmten Sternenhimmel der Atacama-Wüste zu bestaunen. Schließlich ist die Region mit ihrer extrem trockenen Luft, der geringen Lichtverschmutzung und den vielen klaren Nächten ein Paradies für alle, die sich für Astronomie interessieren. Doch ausgerechnet während unseres Aufenthalts machte uns der Vollmond einen Strich durch die Rechnung. Sein helles Licht überstrahlte viele der schwächeren Sterne, sodass die Milchstraße längst nicht so eindrucksvoll zu sehen war, wie wir es uns erhofft hatten. Auch ein Besuch des bekannten ALMA-Observatoriums fiel aus, da dieses zu unserer Reisezeit für Besucher geschlossen war.
ALMA steht für Atacama Large Millimeter/submillimeter Array und ist eines der bedeutendsten astronomischen Observatorien der Welt. Die Anlage liegt auf dem Chajnantor-Plateau in rund 5.000 Metern Höhe und besteht aus zahlreichen Antennen, die gemeinsam das Universum beobachten. Anders als klassische Teleskope erfasst ALMA vor allem Millimeter- und Submillimeterstrahlung. Damit können Forschende unter anderem kalte Gas- und Staubwolken untersuchen, in denen neue Sterne und Planetensysteme entstehen. Ein faszinierender Ort, auch wenn wir ihn diesmal leider nicht aus der Nähe erleben konnten.
Stattdessen schwangen wir uns auf Mountainbikes und erkundeten die Umgebung auf zwei Rädern. Die trockene Wüstenluft, die weiten Landschaften und die Aussicht auf die umliegenden Berge machten die Tour zu einer schönen Abwechslung. Unterwegs kamen wir auch an einem Marathonlauf vorbei und feuerten die Läufer an, die sich bei den Bedingungen durch die Landschaft kämpften. Eine sportliche Leistung, bei der man allein vom Zuschauen schon Respekt bekommt!
Mit dem Mountainbike durch die Garganta del Diablo
Eine besonders schöne Möglichkeit, die Umgebung von San Pedro de Atacama zu erkunden, ist eine Mountainbike-Tour zur Garganta del Diablo, der „Teufelsschlucht“. Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Die Route verläuft weitgehend flach durch einen engen, rot leuchtenden Canyon, dessen steile Felswände sich links und rechts neben dem Weg erheben. Die rötlichen Gesteinsschichten, die bizarren Felsformationen und das intensive Licht der Wüste machen die Strecke zu einem echten Hingucker. Und während man durch die schmale Schlucht radelt, hat man fast das Gefühl, in einer ganz anderen Welt unterwegs zu sein.
Am Ende der Strecke lohnt es sich, das Fahrrad kurz abzustellen und noch zu Fuß zu einem Aussichtspunkt hinaufzuwandern. Von oben eröffnet sich ein schöner Blick über die zerklüftete Landschaft und die Felsformationen, die Wind und Wetter über lange Zeit geformt haben. Für die Radtour werden Helme getragen, außerdem waren wir mit gelben Warnwesten unterwegs. Ob diese hauptsächlich für touristische Ausflüge vorgeschrieben sind oder generell zur Sicherheitsausrüstung gehören, konnten wir nicht sagen. Gerade auf den schmalen Wegen und in den Kurven des Canyons ist es aber durchaus sinnvoll, gut sichtbar zu sein und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, kann die Garganta del Diablo auch im Rahmen einer (geführten) Wanderung erkunden. Teilweise werden zudem Ausritte zu Pferd angeboten. Für den Zugang zum Schutzgebiet wird am Eingang Eintritt erhoben, das sollte man bei der Planung des Ausflugs berücksichtigen. Für uns war die Tour eine wunderbare Möglichkeit, die Wüstenlandschaft rund um San Pedro aktiv zu erleben. Statt die Umgebung nur aus dem Auto zu betrachten, konnten wir uns in unserem eigenen Tempo durch den roten Canyon bewegen und die besondere Atmosphäre dieser Landschaft auf uns wirken lassen.
Valle de la Luna – eine Landschaft wie von einem anderen Planeten
Ein weiteres Highlight unseres Aufenthalts war das Valle de la Luna, das Mondtal. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn die bizarren Felsformationen, hellen Salzkrusten, sandigen Hügel und zerklüfteten Bergrücken erinnern tatsächlich an eine Landschaft, wie man sie sich auf dem Mond vorstellen könnte. Das Tal liegt in der Cordillera de la Sal, einem Gebirgszug aus Gesteinsschichten, die über Millionen von Jahren durch tektonische Bewegungen verformt und angehoben wurden. Wind und seltene Niederschläge haben die weichen Gesteinsschichten anschließend abgetragen und dabei die ungewöhnlichen Formen geschaffen, die heute Besucher aus aller Welt bestaunen.
Besonders spannend ist der Wechsel der Materialien und Farben: Hier treffen vulkanische Gesteine auf feinen Wüstensand und helle Salzablagerungen. Das Salz stammt unter anderem aus mineralreichen Ablagerungen, die sich unter den extrem trockenen Bedingungen erhalten haben. Je nach Lichteinfall schimmern die Felsen in Beige, Ocker, Grau und rötlichen Tönen. Die Landschaft wirkt dadurch beinahe unwirklich.
Das Valle de la Luna gehört zu den bekanntesten Ausflugszielen rund um San Pedro de Atacama. Viele Besucher kommen am späten Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne die Strukturen der Felsen besonders gut zur Geltung bringt. Auch wenn wir nur einige Tage in der Region verbrachten, bekamen wir hier noch einmal einen ganz anderen Eindruck von der Vielfalt der Landschaften im Norden Chiles. Nach den schneebedeckten Vulkanen und türkisfarbenen Lagunen Boliviens fühlte sich diese trockene, zerklüftete Welt fast wie ein anderer Planet an.
Weitere Entdeckungen rund um San Pedro de Atacama
San Pedro de Atacama ist ein wunderbarer Ausgangspunkt, um die Atacama-Wüste und das chilenische Altiplano zu erkunden. Wer ein paar Tage mehr Zeit mitbringt, kann neben dem Mondtal noch viele weitere außergewöhnliche Orte entdecken. Und auch kulturell hat die Region einiges zu bieten. Die Geschichte der indigenen Lickanantay, archäologische Funde und die besondere Geologie der Wüste machen die Gegend zu weit mehr als einer beeindruckenden Kulisse.
Museen in San Pedro de Atacama
Wenn du mehr über die Geschichte der Region erfahren möchtest, lohnt sich ein Blick auf das Museo del Meteorito. Hier dreht sich alles um Meteoriten und die Frage, was uns diese Fundstücke über die Entstehung unseres Sonnensystems verraten können. Die Atacama-Wüste ist aufgrund ihrer extrem trockenen Bedingungen ein besonders interessanter Ort für Meteoritenfunde.
Auch das archäologische Erbe der Atacameños ist spannend. Das bekannte Museo Arqueológico R. P. Gustavo Le Paige war lange eine wichtige Anlaufstelle für alle, die mehr über die frühen Kulturen der Region erfahren wollten. Das ursprüngliche Museumsgebäude ist allerdings seit 2015 geschlossen. Ein Teil der Sammlung wird in einem vorübergehenden archäologischen Ausstellungsbereich verwahrt und gezeigt. Wer diesen besuchen möchte, sollte sich vorab über die aktuellen Öffnungszeiten und eine mögliche Reservierung informieren.
Die bekanntesten Touren rund um San Pedro
- Geysire von El Tatio: Für diesen Ausflug heißt es früh aufstehen! Bei Sonnenaufgang steigen Dampfschwaden aus dem hoch gelegenen Geothermalfeld auf. Das Zusammenspiel aus kalter Morgenluft, dampfenden Quellen und der Bergkulisse ist besonders eindrucksvoll. Da die Geysire auf über 4.000 Metern liegen, sollte man die Höhe bei der Planung berücksichtigen.
- Lagunas Altiplánicas und Piedras Rojas: Diese Tour führt hinauf ins Andenhochland zu tiefblauen Lagunen, Vulkanlandschaften und auffällig roten Felsformationen. Unterwegs lassen sich mit etwas Glück auch Flamingos und andere Tiere der Hochanden beobachten.
- Laguna Cejar, Ojos del Salar und Laguna Tebinquinche: Hier stehen Salzlandschaften und Lagunen im Mittelpunkt. Die hohe Salzkonzentration der Laguna Cejar ermöglicht es, im Wasser besonders leicht zu treiben. Die Ojos del Salar und die Laguna Tebinquinche sind dagegen vor allem für ihre Spiegelungen und die weite, stille Landschaft bekannt.
- Lagunas Escondidas de Baltinache: Mehrere türkisfarbene Lagunen liegen eingebettet in die trockene Wüstenlandschaft. Die intensiven Farben bilden einen spannenden Kontrast zu den hellen Salzkrusten und den umliegenden Bergen.
- Valle del Arcoíris und die Felszeichnungen von Yerbas Buenas: Wer sich für Geologie und Geschichte interessiert, kann hier farbenfrohe Gesteinsschichten mit prähistorischen Felszeichnungen verbinden. Die Region zeigt, wie eng die Landschaft und die jahrtausendealte Geschichte der Menschen in der Atacama miteinander verknüpft sind.
- Termas de Puritama: Die natürlichen Thermalbecken liegen in einer Schlucht und bieten eine willkommene Abwechslung zu den trockenen Landschaften der Umgebung. Perfekt, um nach einer Wanderung oder einer längeren Tour ein wenig zu entspannen.
- Valle de Marte und Vallecito: Rötliche Felsen, Dünen und bizarre Formationen prägen diese Landschaften. Je nach Tour stehen Spaziergänge, Sandboarding oder der Blick auf die Cordillera de la Sal im Mittelpunkt.
- Astronomische Touren: Die klare, trockene Luft und die geringe Lichtverschmutzung machen San Pedro zu einem beliebten Ort für Sternenbeobachtungen. Bei einer geführten Tour erfährst du mehr über Sternbilder und den südlichen Nachthimmel und kannst durch Teleskope beobachten. Besonders wichtig ist dabei die Mondphase: Bei Vollmond sind viele schwächere Sterne und die Milchstraße deutlich schlechter zu erkennen.
Die Auswahl ist groß und reicht von kurzen Halbtagestouren bis zu Ganztagesausflügen in große Höhen. Eine gute Planung lohnt sich deshalb. Idealerweise startet man mit Touren in geringerer Höhe und steigert sich nach Möglichkeit erst später zu den hoch gelegenen Lagunen und Geysiren. So bleibt mehr Zeit, sich an die Höhe zu gewöhnen.
San Pedro de Atacama auf eigene Faust oder mit geführten Touren entdecken?
Ob spektakuläre Landschaften, die Geysire von El Tatio oder die Lagunen des Altiplano, rund um San Pedro gibt es jede Menge zu entdecken. Viele Ausflüge lassen sich bequem als geführte Tour buchen (Anbieter vor Ort bieten oft Aufflugspakete für mehrere Tage an). Das ist besonders praktisch, wenn du nicht mit dem eigenen Mietwagen unterwegs bist oder dich nicht selbst um die teilweise anspruchsvolle Anfahrt kümmern möchtest.