Purmamarca und Salta – zwischen Regenbogenbergen und Alfajores
Nach ein paar entspannten Tagen in San Pedro de Atacama heißt es Abschied nehmen von Chile. Mein nächstes Ziel liegt auf der anderen Seite der Anden, in Argentinien. Und schon die Busfahrt dorthin ist ein kleines Abenteuer für sich. Die Strecke führt noch einmal hoch hinaus auf über 4.700 Meter, vorbei an schneebedeckten Vulkanen, türkisfarbenen Lagunen und jeder Menge Tiere, die in dieser kargen Hochgebirgslandschaft zu Hause sind. Die Weite des Altiplano ist einfach beeindruckend. Während sich die Landschaft hinter dem Busfenster verändert, wird mir wieder bewusst, wie abwechslungsreich diese Reise durch Südamerika bisher war. Von der trockenen Atacama-Wüste über die Salzflächen Boliviens bis zu den Bergen der Anden liegen oft nur wenige Stunden Fahrt. Auch die Grenzüberquerung verläuft überraschend unkompliziert. Die chilenischen und argentinischen Grenzbeamten sitzen in einem gemeinsamen Gebäude, teilen sich gewissermaßen Haus und Schreibtisch, und die Formalitäten sind schneller erledigt als erwartet. So stelle ich mir eine entspannte Einreise vor!
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TogglePurmamarca – ein kleines Dorf inmitten von Regenbogenbergen
In Purmamarca steige ich als einzige Passagierin aus dem Bus. Das wundert mich zunächst, schließlich liegt hier eine Landschaft, die für mich zu den spektakulärsten der gesamten Region gehört. Vielleicht haben die anderen Reisenden andere Pläne, ich jedenfalls bin gespannt, was mich erwartet.
Purmamarca liegt auf rund 2.300 Metern Höhe in der argentinischen Provinz Jujuy, im Nordwesten des Landes. Das kleine Dorf ist vor allem für den Cerro de los Siete Colores bekannt, den Berg der sieben Farben. Und der Name ist definitiv Programm! Die Berghänge leuchten in Rot, Rosa, Gelb, Grün und Violett. Je nach Sonnenstand und Lichteinfall wirken die Farben immer wieder ein wenig anders.
Die außergewöhnlichen Farbschichten sind das Ergebnis einer langen geologischen Geschichte. Über Millionen von Jahren lagerten sich unterschiedliche Sedimente ab, die später durch tektonische Bewegungen angehoben, gefaltet und freigelegt wurden. Die verschiedenen Gesteinsschichten enthalten unterschiedliche Mineralien und weisen dadurch ihre charakteristischen Farben auf. Eisenverbindungen können beispielsweise für rötliche Töne sorgen, während andere Minerale gelbliche oder grünliche Färbungen hervorrufen. Was heute wie ein riesiger Regenbogen aus Stein aussieht, ist also ein geologisches Geschichtsbuch unter freiem Himmel.
Paseo de los Colorados
Um die Landschaft aus der Nähe zu erkunden, mache ich mich auf den Paseo de los Colorados. Der etwa drei Kilometer lange Rundweg führt durch eine faszinierende Kulisse aus rötlichen Felsen, bizarren Formationen und farbenprächtigen Berghängen. Immer wieder bleibe ich stehen, um die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele unterschiedliche Farben und Formen sich auf so kleinem Raum entdecken lassen.
Unterwegs komme ich mit einigen Einheimischen ins Gespräch.
Der Paseo de los Colorados ist für mich ein perfekter erster Eindruck von Nordargentinien: beeindruckende Natur, intensive Farben und eine Landschaft, die sich deutlich von den Orten unterscheidet, die ich in den vergangenen Wochen besucht habe. Auch Purmamarca selbst ist wirklich hübsch. Kleine Lehmhäuser, eine historische Kirche, Kunsthandwerksstände und ein zentraler Platz prägen das Ortsbild. Besonders die traditionelle Architektur aus Lehm passt wunderbar in die trockene Berglandschaft. Die Kirche Santa Rosa de Lima stammt in ihren Ursprüngen aus der Kolonialzeit und ist ein wichtiges historisches Gebäude des Ortes. Zusammen mit den kleinen Gassen und dem Markt vermittelt sie einen Eindruck von der Geschichte und den Traditionen der Region. In der Umgebung leben bis heute viele Menschen mit indigenen Wurzeln, und die Kultur der Anden ist im Alltag, im Kunsthandwerk und auf den Märkten spürbar. Allerdings ist Purmamarca wirklich winzig. Das merke ich spätestens bei meinem ersten Spaziergang, den Marktplatz habe ich gefühlt schon zweimal umrundet, bevor ich überhaupt richtig angekommen bin. Das Dorf ist in etwa zehn Minuten erkundet, zumindest, wenn man nicht an jedem Stand stehen bleibt oder sich in den kleinen Gassen verliert.
Noch mehr zu entdecken in der Provinz Jujuy
Auch wenn Purmamarca selbst ziemlich klein ist, lohnt es sich, für die umliegende Region etwas mehr Zeit einzuplanen. Die Provinz Jujuy gehört für mich zu den landschaftlich spannendsten Gegenden im Nordwesten Argentiniens. Bunte Berge, kleine Andendörfer und spektakuläre Schluchten liegen hier teilweise nur eine kurze Busfahrt voneinander entfernt.
Ein lohnenswertes Ziel ist Tilcara, ebenfalls in der Quebrada de Humahuaca gelegen. Der Ort ist etwas größer und lebendiger als Purmamarca und eignet sich gut als Ausgangspunkt für Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung. Bekannt ist Tilcara vor allem für die Pucará de Tilcara, eine präkolumbische Festungs- und Siedlungsanlage auf einem Hügel oberhalb des Río Grande. Die archäologische Stätte gibt spannende Einblicke in die Geschichte der indigenen Bevölkerung und die Besiedlung der Region vor der spanischen Kolonialzeit.
Auch Humahuaca weiter nördlich ist einen Besuch wert. Das historische Städtchen liegt ebenfalls entlang der Quebrada de Humahuaca, einer lang gestreckten Gebirgsschlucht, die aufgrund ihrer besonderen Landschaft und kulturellen Bedeutung zum UNESCO-Welterbe gehört. Zwischen den traditionellen Häusern, kleinen Plätzen und Kunsthandwerksständen lässt sich wunderbar durch die Gassen schlendern. In der Umgebung warten weitere farbenprächtige Berglandschaften und Möglichkeiten für Wanderungen.
Wer gerne draußen unterwegs ist, kann in der Region kürzere Spaziergänge mit anspruchsvolleren Wanderungen kombinieren. Dabei sollte man allerdings die Höhenlage berücksichtigen: Viele Orte liegen deutlich über 2.000 Metern, und bei längeren Touren kann die Höhe durchaus spürbar werden. Ob als Tagesausflug von Purmamarca oder mit einer Übernachtung in Tilcara oder Humahuaca, die Region Jujuy bietet genug Abwechslung, um problemlos mehrere Tage hier zu verbringen.
Salta – Siesta, koloniale Fassaden und jede Menge Gebäck
Salta liegt weiter südlich am Rand der Anden und ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Reisen durch den Nordwesten Argentiniens. Die Stadt verbindet koloniale Architektur mit einer lebendigen Alltagskultur und ist außerdem bekannt für ihre regionale Küche, ihre Cafés und die Nähe zu spektakulären Landschaften.
Bevor es mit dem Mietwagen weitergeht, bleibt noch etwas Zeit, Salta selbst zu erkunden. Die Stadt wirkt auf mich angenehm überschaubar und entspannt. Rund um den zentralen Plaza 9 de Julio stehen historische Gebäude, Cafés und Restaurants, und die koloniale Architektur verleiht dem Zentrum einen ganz eigenen Charme. Ein wichtiger Teil des Alltags ist die Siesta. Zwischen etwa 13 und 17 Uhr schließen viele kleinere Geschäfte, bevor das Leben am späten Nachmittag wieder Fahrt aufnimmt. Gerade wenn man aus einem Land kommt, in dem vieles durchgehend geöffnet ist, muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Für eine ausgedehnte Mittagspause oder einen Kaffee ist die Zeit allerdings perfekt.
Was mir außerdem sofort auffällt, ist die schiere Anzahl der Bäckereien. Gefühlt gibt es an jeder Ecke eine neue Auslage voller Torten, Kekse und anderer süßer Leckereien. Die Auswahl macht es nicht gerade leicht, sich zu entscheiden. Besonders angetan haben es mir die Alfajores. Dabei handelt es sich um zwei Kekse, die mit einer großzügigen Schicht Füllung zusammengesetzt werden. Besonders beliebt ist Dulce de Leche, eine süße Karamellcreme aus eingekochter Milch. Je nach Variante werden die Kekse zusätzlich mit Schokolade überzogen oder mit Puderzucker bestäubt. In Argentinien gehören Alfajores zum Alltag und sind in unzähligen Varianten erhältlich, von einfachen Keksfüllungen bis zu aufwendig verzierten Gebäckspezialitäten.
Was du in Salta noch erleben kannst
Auch wenn ich Salta zunächst vor allem als spontanen Zwischenstopp kennengelernt habe, hat die Stadt selbst einiges zu bieten. Neben dem historischen Zentrum mit dem Plaza 9 de Julio und seinen kolonialen Gebäuden lohnt es sich, ein bisschen mehr Zeit einzuplanen.
Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, kann den Cerro San Bernardo, den Hausberg von Salta, erklimmen. Der Weg führt über zahlreiche Stufen hinauf und belohnt oben mit einem schönen Blick über die Stadt und die umliegenden Berge. Wer es entspannter mag, kann alternativ die Seilbahn nehmen. Gerade zum Sonnenuntergang ist die Aussicht besonders reizvoll.
Auch für Kulturinteressierte gibt es einiges zu entdecken. In den Museen der Stadt erfährst du mehr über die Geschichte und die Kulturen der Andenregion. Besonders bekannt ist das Museo de Arqueología de Alta Montaña (MAAM) am zentralen Platz. Es widmet sich archäologischen Funden aus den Hochanden und ist vor allem für seine Ausstellung zu den sogenannten Llullaillaco-Kindern bekannt, drei hervorragend erhaltenen Inka-Kindermumien, die auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco entdeckt wurden. Die Ausstellung vermittelt einen Einblick in die religiösen Vorstellungen und Rituale der Inka. Das Thema ist faszinierend, zugleich aber auch sensibel, da es um menschliche Überreste geht.
Ein neuer Abschnitt beginnt
Salta ist damit nicht nur ein guter Ausgangspunkt für Rundreisen durch den Nordwesten, sondern auch eine Stadt, in der man gut einen oder zwei Tage verbringen kann, bevor es weiter in die spektakulären Landschaften der Umgebung geht.
Ich bin gespannt, was mich nun mit dem Mietwagen erwartet. Denn gerade südlich von Salta wartet eine Region, die für ihre farbigen Felsformationen, kurvenreichen Bergstraßen, kleinen Dörfer und beeindruckenden Schluchten bekannt ist.
Die nächsten Abenteuer können kommen!