Einsame Hütte bei Longyearbyen
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1 Tag auf Spitzbergen

Svalbard in Sicht –
Welcher Wochentag ist habe ich mittlerweile schon vergessen. Was viel wichtiges ist, ist unsere Schiffsposition, die Nähe zum nächsten Ziel und natürlich das Wetter. Seitdem wir unsere Reise vom Nordkap/ Honningsvåg fortgesetzt hatten, bestimmten 6m hohe Wellen und Windstärke 10 unseren Alltag. Das Schiff rollte fröhlich von links nach rechts und alles was nicht festgemacht wankte gleich mit. Leider ging auch das Satelliten-Signal verloren, sodass nun drei Tage ohne Medien und digitale Kommunikation bevorstanden . Früher total normal, heute ein riesiger Grund für schlechte Laune bei einer Vielzahl von Passagieren. Für mich war diese „Nicht-Erreichbar-Sein“ ungewohnt, aber dennoch perfekt um zu merken, dass die Natur stärker ist und das Leben willkürlich beeinflussen kann. Vor uns liegt als nächste Station der Hafen von Longyearbyen, das heißt nun 1 Tag auf Spitzbergen zum Erkunden und Entdecken.

1 Tag auf Spitzbergen.
 Als die ersten hohen Berge mit schneebedeckten Kuppen aus dem Meer empor ragten, war mir klar Spitzbergen liegt nun vor uns. Diese Inselgruppe gehört seit dem Vertrag von 1905 zu Norwegen. Nur noch knappe 1300 km bis zum Nordpol von hier. Voll verrückt wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke. Die Fahrt entlang der Hauptinsel Spitzbergen dauert mehrere Stunden und aus dem Staunen komme ich längst nicht mehr heraus. Große Gletscher scheinen ins Meer zu fließen. Ein Berg reiht sich an den nächsten und die Sonne leuchtet diese unberührte Natur an und lässt diese funkeln. Ich belese mich noch etwas bevor es nach Longyearbyen, der Hauptstadt, geht. Knapp 2500 Menschen leben auf diesem Archipel in der Arktis und es wird von mehr als 3000 Eisbären ausgegangen. Weitere Bewohner hier sind das Svalbard-Ren,  Walrösser auf der Insel Moffen und auch die Papageientaucher. Der Polarfuchs könnte einem begegnen genauso wie Wale aus dem Meer empor tauchen könnten. All das klingt wie Musik in meinen Ohren und die Vorfreude hier einen Fuß an Land setzten zu können steigt ins Unermessliche.

Im kleinen Hafen von Lonbgyearbyen liegen bereits zwei Expeditionsschiffe. Heute ist man auf Spitzbergen auch hauptsächlich nur noch in der Forschung unterwegs. Von der Blütezeit des Kohleabbaus sieht man nur noch alte Mienen und Ihre Gebäude, sowie Förderanlagen und Loren, welche wie an einer Seilbahn zum Hafen transportiert wurden. Ich habe mich für eine Wanderung im Endalen entschieden und freue mich mit zwei jungen Guides die Tour zu machen. Tine und Ode leben schon länger hier und forschen hinsichtlich der biologischen Entwicklung von Pflanzen. Sie sind bewaffnet und erklären, dies sei ein Muss, wenn man sich außerhalb der kleinen Siedlung Longyearbyens bewegt. Tine berichtet, dass alle zwei Wochen Trainings auf einer Ranch angeboten werden, um den Umgang mit dem Gewehr zu lernen. Man weiß nie wann der nächste Eisbär auftaucht und Sicherheit geht vor. Dies merkt man auch an den ganzen Warnschildern, die überall am Straßenrand positioniert wurden. À pro pro Straßen, es gibt nur geteerte Straßen im „Stadtzentrum“ und alle Wegen die hinausführen sind Schotterpisten. Unsere Wanderung geht nun also auch über Stock und Stein ins Tal hinein und aus der Ferne sehen wir schon das erste Rentier. Tine erzählt von einer Jahresdurchschnittstemperatur von ca. -6 °C. Heute sollen es wohl 8 °C sein, von denen ich allerdings nichts merke. Ein eisiger Wind bläst uns permanent ins Gesicht und macht den Weg zu einer Herausforderung. Ode weißt auf viele kleinen Moose und Flechten hin und berichtet wie der Golfstrom hier in der kurzen Sommerzeit all den Schnee zum Schmelzen bringt und der Permafrostboden doch knapp einen Meter auftaut. Zu dieser Jahreszeit bestimmt natürlich auch die Mitternachtssonne den Alltag. Wir laufen entlang der alten Miene No. 5, erfahren viel zur Geschichte des Lebens hier oben im Norden. 

Nachmittags mache ich mich auf eigene Faust auf den Weg nach Longyearbyen und werde von Huskyschlitten überholt (natürlich sind die Schlitten auf Rädern unterwegs). Am linken Straßenrand taucht dann noch der große rote Briefkasten des Weihnachtsmannes auf. Ansonsten ist hier alles ziemlich einfach aufgebaut. Mehrere kleine Firmengebäude, ein Schneescooter parkt neben dem anderen und ein paar bunte Holzhäuser sind an den Berghang gereiht. Im Hintergrund ein größerer Gletscher. Ich erinnere mich an Tine´s Worte, dass knapp auf jeden Einwohner 2-3 Schneescooter kommen und im Winter irre Rennen damit gestartet werden. Das muss der Wahnsinn sein, denke ich mir und hoffe auch noch einmal diese fantastische Natur im Winter erleben zu können.

Anfahrt auf Svalbard
Hundeschlitten Spitzbergen
Vorsicht Eisbären Spitzbergen
Einsame Hütte bei Longyearbyen

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