Italien

Sizilien Rundreise im Herbst – zwischen Vulkanen, Küsten & echten Kontrasten

Sizilien hat uns vom ersten Moment an gefordert – und genau dafür geliebt.

Schon im Landeanflug auf Catania zeigt sich der Ätna schneebedeckt, während unten Palmen, Sonne und 22 Grad auf uns warten. Diese Gegensätze ziehen sich durch unsere gesamte Sizilien Rundreise im Oktober: rau und sanft, chaotisch und still, überwältigend schön und manchmal schwer auszuhalten.

In diesem Reisebericht nehmen wir dich mit auf unsere 12-tägigen Rundreise durch Sizilien – von der Ostküste mit Taormina und dem Ätna über die Nordküste mit Cefalù und Palermo bis in den Süden mit Vendicari, Noto, Syrakus und Modica. Wir teilen nicht nur Highlights und Route, sondern auch ehrliche Eindrücke: von lauten Städten, einsamen Stränden und spektakulären Wanderungen.

Der Herbst erwies sich dabei als ideale Reisezeit für Sizilien: warmes Meer, angenehme Temperaturen, weniger Trubel – und dennoch spürbares Leben überall.

Etappe 1: Zwischen Meer, Lava und Zitronenduft – rund um den Ätna

Schon im Landeanflug zeigt Sizilien sein ganz eigenes Spiel der Kontraste: Auf dem Ätna liegt Schnee, während uns unten in Catania 22 Grad, Palmen und strahlender Sonnenschein empfangen. Kaum gelandet, kämpfen wir uns über abenteuerliche Straßen zu unserer ersten Unterkunft – und sind sofort angekommen.

Unsere Unterkunft liegt am Fuße des Vulkans, eingebettet in einen riesigen Garten voller Zitronenbäume und leuchtendem Hibiskus. Das Agritourismo ist familiengeführt, kleine Katzenbabies spielen auf dem Hof, Oliven werden geerntet. Morgens sitzen wir beim Frühstück, streichen hausgemachte Zitronenmarmelade aufs Brot und schauen hinauf zum Ätna – ein Ort, an dem man ganz automatisch langsamer wird.

Taormina & Castelmola – Aussicht, Gassen und Mittelmeer

Gestärkt machen wir uns auf den Weg nach Taormina. Die Sonne lacht, und statt direkt ins Zentrum zu gehen, entscheiden wir uns für den Aufstieg nach Castelmola. Über mehrere Treppen überwinden wir rund 285 Höhenmeter, begleitet von immer neuen Ausblicken: auf die Küste, die Isola Bella und hinüber zum italienischen Festland.

Oben angekommen werden wir mit einem Panorama belohnt, das man so schnell nicht vergisst. Der Ätna thront über allem, darunter ziehen sich Küstenlinie und Orte bis nach Catania. In den kleinen Gassen von Castelmola entdecken wir schließlich eine großartige Eisdiele – genau der richtige Ort, um kurz zu verweilen.

Zurück unten in Taormina lassen wir Kultur Kultur sein (völlig überlaufen!), schnappen uns die Badesachen und springen ins Mittelmeer. Der kleine Strandabschnitt bei der Isola Bella ist zwar gut besucht, aber das Wasser glasklar. Wir treiben, schnorcheln, schwimmen – und lassen es uns einfach gut gehen.

Auf den Ätna – von Nebel, Schnee und dampfender Erde

In der spontanen Überlegung auf den Ätna zu steigen sind wir völlig überfordert von dem Tourenangebot. Wir entscheiden uns für eine geführe Kraterwanderung und ahnen noch nicht wie kalt es werden wird.

Der nächste Morgen könnte gegensätzlicher kaum sein: Um 8 Uhr starten wir im Regen, erreichen den Ausgangspunkt Piano Provenzana im dichten Nebel – bei gerade einmal 4 Grad. Zum Glück ist unser Guide bestens vorbereitet: Jacke, Helm, ein kurzer Check, dann geht es im 4×4 durch alte Lavaströme, die im Nebel fast unwirklich wirken. Die Distanzen und Höhen sind kaum einzuschätzen, außer grau, schwarz und weiß ist in den ersten Stunden nicht viel zu erkennen.

Auf rund 2.800 Metern heißt es dann: warm anziehen. Zu Fuß erklimmen wir mehrere Krater, laufen über Schnee, Eis und erkaltete Lava, vorbei an dampfenden, nach Schwefel riechenden Stellen. Unser Guide ist großartig, führt die kleine Gruppe geschickt an, erzählt spannende Informationen über Geographie und Geologie. Die Landschaft um uns herum ist roh, archaisch und beeindruckend – alleine hätten wir uns hier nicht orientieren können. Über die Bocca Nuova geht es weiter hinauf bis auf etwa 3.030 Meter zum Krater des Cratere Nord-Est.

Genau im richtigen Moment reißt der Himmel auf. Die Sonne kommt heraus und gibt den Blick frei über die gesamte Ätna-Region bis hin zur Küste. In der Ferne erkennen wir sogar die Orte vom Vortag. Ein stiller Moment, irgendwo zwischen Ehrfurcht und Glück.

Zurück unten gönnen wir uns einen Cappuccino am Fuße des Vulkans – selten hat er besser geschmeckt

Alcantara-Schlucht & ruhige Pfade bei Francavilla

Auf Empfehlung unseres Guides fahren wir am nächsten Tag weiter zur Alcantara-Schlucht. Idyllisch gelesen zwischen Bergketten und kleinen Dörfern haben hier mehrere Lavaströme ein spektakuläres Flussbett aus Basaltsäulen und kleinen Wasserfällen geformt. Mutig steigen wir ins eiskalte Wasser und erkunden die enge Schlucht – ein echtes Naturabenteuer. Parkplatz und auch Eintrittskasse kann man von der Straße kaum übersehen.

Etwas flussaufwärts wird es ruhiger. Bei Francavilla folgen wir einem entspannten Wanderweg (Sentiero delle Gurne dell’Alcantara – Vulli di Francavilla) entlang wilder Oliven- und Obstbäume, schauen uns Wasserfälle und das kleine Örtchen selbst an. Nach all den Eindrücken der letzten Tage ist dieser Abschnitt genau richtig: leise, grün und fast meditativ.

Etappe 2: Von der Ostküste zur Nordküste – zwischen Weite, Trubel und Meer

Nach den intensiven Tagen rund um den Ätna lassen wir die Ostküste Siziliens hinter uns und starten zu einem Roadtrip Richtung Norden. Die Landschaft verändert sich spürbar: Die Straßen werden weiter, das Meer rückt näher und die Berge weichen sanfteren Hügeln.

Zwischenstopp in Messina – Blick auf die Meerenge

In Messina legen wir einen kurzen Halt am Torre Faro ein. Von hier blickt man auf die Straße von Messina, die schmalste Stelle zwischen Sizilien und dem italienischen Festland – an ihrer engsten Stelle trennen gerade einmal rund drei Kilometer die Insel von Kalabrien. Seit Jahrhunderten ist diese Meerenge ein strategisch und mythologisch aufgeladener Ort, bekannt aus der Antike durch die Erzählungen von Skylla und Charybdis. Heute wirkt alles erstaunlich ruhig, das Wasser glitzert, Fähren ziehen gemächlich vorbei – ein kurzer Moment zum Durchatmen, bevor es weitergeht.

Cefalù – Postkartenmotiv mit Anstieg

Unser erstes richtiges Ziel an der Nordküste ist Cefalù, einer dieser Orte, die man schon unzählige Male auf Bildern gesehen hat – und die trotzdem überraschen. Die Parkplatzsuche ist abenteuerlich, typisch für viele sizilianische Küstenstädte, doch schnell ist das vergessen, als wir den Aufstieg auf den Hausberg La Rocca beginnen (Tickets bekommt man am Automaten, ca. 10€ für 2 Personen).

Der Weg ist in der Sonne durchaus anstrengend, aber jeder Schritt lohnt sich: Oben angekommen öffnet sich der Blick über die Altstadt mit ihrer normannischen Kathedrale, das tiefblaue Meer und die Küstenlinie in Richtung Palermo. Cefalù liegt malerisch zwischen Fels und Wasser und war schon in der Antike besiedelt – heute ist es einer der schönsten Badeorte Siziliens sagt man. Wir holen uns ein Eis und schlendern durch die Gassen vorbei an den vielen Touristengruppen.

Zurück an unserer Unterkunft beginnt der Tag dann ganz entspannt: ein Sprung in den Pool, Sonne auf der Haut, nichts weiter vor als den Moment zu genießen.

Palermo – überwältigend und widersprüchlich

Die Fahrt nach Palermo holt uns schlagartig aus dieser Ruhe zurück. Je näher wir der Stadt kommen, desto chaotischer wird der Verkehr – plötzlich fühlen wir uns wie mitten in einem Go-Kart-Rennen ohne Regeln, Spuren oder Rücksicht. Erst als wir endlich einen Parkplatz ergattern, können wir durchatmen.

Palermo ist laut, voll, intensiv – und ehrlich gesagt auch schmutzig. Gleichzeitig ist die Stadt ein historisches Schwergewicht: Phönizier, Römer, Araber, Normannen – kaum eine Stadt im Mittelmeerraum vereint so viele kulturelle Schichten. Wir schlängeln uns durch den Mercato Ballarò, vorbei an Fisch- und Gemüseständen, Rufen der Händler und Gerüchen, die irgendwo zwischen faszinierend und überwältigend liegen. Weiter geht es zum Palazzo Reale und zur imposanten Kathedrale von Palermo, deren Architektur die wechselvolle Geschichte der Stadt eindrucksvoll widerspiegelt.

Doch neben all der Schönheit bleibt ein ambivalentes Gefühl: Müllberge, bröckelnde Fassaden, Kinder auf Motorrollern ohne Helm, Tauben auf allem, was liegen bleibt. Nach rund vier Stunden kreuz und quer durch die Stadt verlassen wir Palermo mit gemischten Eindrücken – beeindruckt, aber auch entzaubert und froh, dass wir nicht noch mehr Zeit hier eingeplant haben.

Entschleunigung an der Küste

Den letzten Tag dieser Etappe verbringen wir bewusst ruhig. Wir bleiben in unserer Unterkunft an der Küste, spielen Paddeltennis, gehen im Meer baden und lesen. Nach all den Eindrücken fühlt sich genau das richtig an – Sizilien kann laut und fordernd sein, aber eben auch wunderbar entschleunigend, wenn man ihm den Raum dafür lässt.

Etappe 3: Südosten Siziliens – Barock, Natur & leise Abschiede

Für die letzten Tage unserer Rundreise zieht es uns noch einmal an die Küste – diesmal in den Südosten Siziliens, zum Ionischen Meer. Wir entscheiden uns bewusst für ein kleines Agriturismo, fernab größerer Orte. Die Villa Felicia liegt eingebettet zwischen Oliven-, Limonen- und Zitronenbäumen und strahlt genau die Ruhe aus, nach der wir uns zum Ende der Reise sehnen.

Ankommen im Agriturismo – Genuss auf Sizilianisch

Schon beim ersten Rundgang durch den Garten ist klar: Diese Unterkunft merken wir uns. Doch nicht nur die Lage überzeugt – vor allem das Essen bleibt uns nachhaltig in Erinnerung. Morgens erwartet uns eine riesige Auswahl an selbstgebackenen Kuchen, Marmeladen und regionalen Spezialitäten, abends dann frisch zubereitete Pasta, cremiger Ricotta und fein abgestimmte Gerichte aus lokalen Zutaten. So kommt es, dass wir zum ersten Mal frische Pistazien essen und es so lecker finden 😉

Naturschutzgebiet Vendicari – Flamingos & Naturstrände

Am nächsten Tag zieht es uns in das Riserva Naturale di Vendicari, eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete im Südosten Siziliens. Das Gebiet ist bekannt für seine Lagunen, Salzwiesen und als Rastplatz für Zugvögel – tatsächlich entdecken wir Flamingos und zahlreiche andere Vogelarten entlang unseres Weges.

Wir wandern durch offene Landschaft, vorbei an der Ruine einer alten Thunfischfabrik (Tonnara), die eindrucksvoll von der einstigen Bedeutung des Thunfischfangs in dieser Region erzählt. Der Weg ist abwechslungsreich, führt über Stock und Stein und bietet immer wieder weite Blicke auf das Meer – allerdings ohne jeden Schatten. Nach einigen Stunden erreichen wir die Spiaggia di Calamosche, eine kleine, geschützte Bucht. Die Wellen sehen zu verlockend aus, um nicht ins Wasser zu springen – eine herrliche Abkühlung, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Wissenswert – Parkplätze sind umsonst, Eintritt zum Naturschutzgebiet fällt an und leider gibt es keinen Schatten auf den Wegen und an den Stränden.

Noto & Marzamemi – Barock und Dolce Vita

Bei Sonnenschein starten wir nach Noto, einer der schönsten Barockstädte Siziliens. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 wurde die Stadt rund zehn Kilometer weiter neu aufgebaut – typisch sind der klare Rastergrundriss, breite Straßen und harmonisch angelegte Plätze. Alles wirkt durchdacht, elegant und hell.

Eigentlich planen wir noch eine Wanderung in einer nahegelegenen Schlucht, doch ein Gewitter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Spontan ändern wir die Route, schauen uns die Überreste des alten Noto an und fahren weiter an die Küste nach Marzamemi. Der kleine Fischerort empfängt uns mit Sonne, pastellfarbenen Häusern und entspannter Atmosphäre – spätestens beim Eis ist klar: Dieser Abstecher hat sich gelohnt.

Syrakus & Ortigia – Eleganz am Meer

Am vorletzten Tag wagen wir uns nach Syrakus. Wie so oft auf Sizilien beginnt der Besuch mit einer Geduldsprobe bei der Parkplatzsuche – mindestens sechs Runden später sind wir endlich angekommen. Der historische Stadtteil Ortigia liegt auf einer Halbinsel und ist über Brücken mit dem Festland verbunden.

Schon nach wenigen Minuten fällt der Unterschied zu Palermo auf: Alles wirkt sauber, gepflegt und liebevoll gestaltet. Blumenkübel vor den Türen, kleine Plätze, verwinkelte Gassen – jede Ecke hat ihren eigenen Charme. Wir schlendern durch den Markt, vorbei an antiken Tempelruinen, laufen auf der Stadtmauer entlang bis zur Festung an der Inselspitze. Auf dem Rückweg entdecken wir ein kleines Künstleratelier, nehmen Postkarten und ein Wandbild mit – Erinnerungen zum Mitnehmen. In der Ferne zucken Blitze, der Donner kündigt den nächsten Wetterumschwung an.

Modica & Abschied in Catania

In der Nacht regnet es heftig, und auch morgens sprinten wir zunächst durch Pfützen zum Frühstück. Immer wieder checken wir den Regenradar und überlegen, wie wir die letzten Stunden bis zum Abflug nutzen können. Modica scheint verschont zu bleiben – also lassen wir die Koffer zurück und fahren los.

Wie Noto wurde auch Modica nach dem Erdbeben von 1693 im barocken Stil neu aufgebaut. Die Stadt erstreckt sich spektakulär über mehrere Hügel und gliedert sich in Modica Alta und Modica Bassa. Als geübte Treppenläufer erklimmen wir Aussichtspunkte, staunen über waghalsige Fahrmanöver in engen Gassen und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Modica wirkt auf uns überschaubar, verwinkelt und authentisch – für uns deutlich charmanter als Palermo. Berühmt ist die Stadt zudem für ihre besondere Schokolade, deren Rezept die Spanier aus Südamerika mitbrachten.

Glücklich und ein wenig wehmütig holen wir schließlich unsere Koffer und fahren zurück nach Catania. Sizilien verabschiedet sich so, wie es uns die ganze Reise begleitet hat: intensiv, widersprüchlich, wunderschön.

Fazit Sizilien – eine Insel voller Gegensätze und Tiefe

Sizilien hat uns nicht mit Perfektion empfangen – sondern mit Kontrasten. Mit rauen Landschaften und stillen Momenten, mit überwältigender Schönheit und manchmal auch mit Reibung. Genau darin liegt für uns der Reiz dieser Insel.

Vom schneebedeckten Ätna bis zu warmem Mittelmeerwasser, von barocker Eleganz in Noto und Modica bis zum chaotischen, lauten Palermo, von stillen Naturreservaten wie Vendicari bis zu überlaufenen Stränden – Sizilien verlangt Aufmerksamkeit. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt: mit eindrucksvollen Landschaften, tief verwurzelter Geschichte, unglaublichem Essen und einer Authentizität, die man nicht planen kann.

Besonders in Erinnerung bleiben uns die stilleren Orte: ein Agriturismo zwischen Zitronenbäumen, eine Wanderung durch Lavafelder, ein Bad in einer geschützten Bucht nach Stunden in der Sonne, ein Stadtspaziergang ohne Eile durch Ortigia oder Modica. Gleichzeitig gehören auch die herausfordernden Momente dazu – der Verkehr, die Gegensätze, das Chaos. Sie sind Teil des Gesamtbildes.

Sizilien ist keine Insel für einen schnellen Besuch. Sie möchte entdeckt, verstanden und manchmal auch ausgehalten werden. Wer bereit ist, Tempo herauszunehmen, Pläne anzupassen und sich treiben zu lassen, wird eine Reise erleben, die lange nachwirkt.

Für uns war diese Rundreise genau das: intensiv, ehrlich und voller Erinnerungen, die bleiben – und der leise Wunsch, eines Tages zurückzukehren.

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