Unsere Sardinien Südroute
Zurück nach Sardinien – diesmal der Süden 🌿☀️
Manche Orte lassen einen nicht los. Sardinien war so ein Ort für uns. Kaum ein halbes Jahr nach unserem ersten Roadtrip im Norden und Osten standen wir erneut am Flughafen – wieder in Olbia. Nicht, weil es geografisch perfekt zum Süden passt, sondern ganz pragmatisch: die besten Flugverbindungen.
Nach der Landung lief alles vertraut ab: Mietwagen abholen, erster italienischer Kaffee – und dieses Gefühl, sofort wieder im Urlaubsmodus zu sein. Doch diesmal wartete eine ganz andere Landschaft auf uns.
Von Olbia in den Süden – der Weg ist Teil der Reise
Direkt nach der Ankunft machten wir uns auf den Weg Richtung Süden. Die Strecke ist lang, aber abwechslungsreich:
Vorbei an sanften Hügeln, weiten Ebenen, kleinen Dörfern und immer wieder dem Blick aufs Meer. Je weiter wir fuhren, desto weiter, trockener und ursprünglicher wurde die Landschaft.
Schon auf der Fahrt merkten wir: Der Süden Sardiniens fühlt sich anders an. Weniger Trubel, weniger Glamour – dafür mehr Weite, Wind und Ruhe.
Erste Station: Chia – Dünen, Lagunen & endlose Strände
Unsere erste Basis im Süden war Chia, eine kleine Region südwestlich von Cagliari, bekannt für ihre kilometerlangen Sandstrände, goldenen Dünen und türkisfarbenes Wasser.
Chia liegt eingebettet zwischen Meer, Lagunen und Hügeln. Flamingos stehen oft nur wenige Meter von der Straße entfernt in den Salinen – ein Anblick, der sofort entschleunigt. Die Strände sind weitläufig, naturbelassen und wirken selbst bei gutem Wetter nie überlaufen.
Schon an den ersten Tagen rund um Chia fühlen wir uns angekommen. Direkt an der Lagune entdecken wir Flamingos, die ruhig im flachen Wasser stehen – ein Anblick, der fast unwirklich wirkt.
Die Tage verbringen wir mit Strandspaziergängen und kleinen Wanderungen entlang der Küste. Immer wieder führt uns der Weg hinauf zu Aussichtspunkten, die den Blick weit über das Meer freigeben. Besonders die Gegend rund um Capo Spartivento beeindruckt mit ihrer rauen Schönheit: schmale Pfade, felsige Abschnitte, kleine versteckte Buchten.
Schatten gibt es hier kaum – dafür umso mehr Weite. Das Meer leuchtet tiefblau, die Küste wirkt fast unberührt, und oft sind wir allein unterwegs.



Iglesias, Nebida & schwindelerregende Küstenpfade
Am nächsten Tag brechen wir früh auf. Eine kurvenreiche Strecke führt uns Richtung Norden – gerade rechtzeitig, bevor der Halbmarathon in der Region startet und Straßen gesperrt werden. Die Fahrt selbst ist bereits ein Erlebnis: wenig Verkehr, lange Kurven, offene Landschaft.
Unser Ziel ist Iglesias, eine ehemalige Erzminenstadt, die wir als Ausgangspunkt für eine der eindrucksvollsten Wanderungen der Reise nutzen. Von dort aus fahren wir Richtung Nebida und folgen der Passeggiata Panoramica di Nebida – einem spektakulären Weg entlang der Steilküste. Der Blick fällt tief hinunter auf das Meer, gegenüber ragen die Felsen aus dem Wasser, allen voran der markante Pan di Zucchero.
An einer unscheinbaren Stelle verlassen wir den breiteren Weg und biegen auf schmale Pfade ab. Der Abstieg Richtung Spiaggia di Portu Banda ist teilweise fast schwindelerregend: steinig, steil und nichts für Höhenangst. Doch unten angekommen, ist die Belohnung enorm – ein abgelegener Strand, umgeben von Felsen, wild und nahezu menschenleer.
Nach dieser intensiven Tour zieht es uns ans Meer. Wir fahren weiter zum Strand von Fontanamare, der mit seiner Weite und offenen Lage beeindruckt. Was wir hier allerdings vergeblich suchen: eine offene Eisdiele.
Den Abschluss des Tages bildet die Rückfahrt über die SP71, eine der schönsten Panoramastraßen im Süden Sardiniens. Die Straße zieht sich entlang der Küste, immer wieder öffnen sich Blicke auf Meer, Klippen und kleine Buchten.
Sardinien Südroute Teil 2 – Villasimius, Cagliari & Berge
Unsere nächste Station führt uns weiter in den Südosten Sardiniens nach Villasimius. Wir finden hier genau das, was wir gesucht haben: ein Adults-only-Hotel, ruhig gelegen, eingebettet in einen üppigen Garten. Wir schlafen in einer kleinen Natursteinhütte, umgeben von Grün, mit Blick auf die umliegenden Buchten. Morgens Vogelstimmen, abends warmes Licht über dem Meer – herrlich.
Villasimius ist der perfekte Ausgangspunkt für Tagestouren, ohne ständig die Unterkunft wechseln zu müssen. Strand, Stadt und Berge liegen auch hier nah beieinander.
Tagesausflug nach Cagliari – Stadt, Geschichte & Alltag
Einen Tag widmen wir Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Wir erkunden die Stadt zu Fuß, lassen uns durch die Gassen treiben und spüren den Kontrast zwischen lebendiger Stadt und der Ruhe unserer Unterkunft.
Cagliari wirkt authentisch, ein bisschen rau, aber sehr lebendig. Sie ist eine der ältesten Städte Sardiniens und wurde von Phöniziern, Römern und Spaniern geprägt. Besonders das Viertel Castello thront hoch über der Stadt. Cafés, Märkte, historische Viertel – kein klassisches Postkartenmotiv, sondern echtes sardisches Stadtleben.


Parco dei Sette Fratelli – Verlaufen & trotzdem glücklich
Am nächsten Tag zieht es uns ins Inland, in den Parco dei Sette Fratelli, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete im Süden Sardiniens. Wir entscheiden uns für die „800 Wanderung“ – ambitioniert, aber machbar.
Die Beschilderung ist… sagen wir: ausbaufähig. Wir verlaufen uns ein wenig, nehmen alternative Pfade – und werden genau dafür belohnt. Immer wieder öffnen sich fantastische Ausblicke über Hügel, Wälder und bis hinunter zur Küste. Der Weg fordert Konzentration und Kondition, und als wir schließlich das Auto wieder erreichen, sind wir vor allem eines: glücklich.
Zurück geht es über die Panoramastraße Richtung Küste, genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Sonne sinkt, die Felsen leuchten rot-orange, und für einen Moment fühlt sich alles perfekt an.
Capo Carbonara – letzter Wandertag im Südosten
Unsere letzte Wanderung im Südosten führt uns zum Capo Carbonara, dem südöstlichsten Zipfel Sardiniens. Der Küstenpfad ist gut zu gehen und bietet noch einmal alles, was diese Region ausmacht: offene Landschaft, Meerblicke, Wind und dieses Gefühl von Weite.
Ein würdiger Abschluss – ruhig, klar und ohne großes Spektakel. Genau richtig.
Einordnung:
Das Meeresschutzgebiet Capo Carbonara gehört zu den artenreichsten Regionen Sardiniens. Mit etwas Glück lassen sich hier Delfine, Seevögel und eine vielfältige Unterwasserwelt beobachten.





Sardinien Südroute Teil 3 – Oristano & Sinis
Für unsere letzte Etappe wechseln wir noch einmal die Landschaft: Von Villasimius geht es zurück an die West-/Zentralostküste Sardiniens, in ein Agriturismo hinter Oristano. Ein bewusst gewählter Ort abseits der klassischen Routen. Hier ist Sardinien weit und offen. Keine großen Resorts, keine Hektik.
Halbinsel Sinis – Wild, weit & ursprünglich
Die Sinis-Halbinsel gehört zu den ursprünglichsten Regionen Sardiniens. Weite Ebenen treffen auf schroffe Küsten, kleine Strände wechseln sich mit Lagunen und landwirtschaftlich geprägter Landschaft ab.
Wir erkunden die Gegend in unserem eigenen Tempo, halten immer wieder an, laufen kurze Wege ans Meer und genießen genau dieses Gefühl von wilden Wellen, frischem Wind und Menschenleere.
Gut zu wissen: Die Sinis-Halbinsel ist bekannt für Quarzstrände, Lagunen mit Flamingos und kaum verbaute Küstenabschnitte.



Monte Ferru – Wandern mit Weitblick
Ein echtes Highlight ist die Wanderung auf den Monte Ferru, ein altes Vulkanmassiv nordöstlich von Oristano. Der Weg führt durch stille Landschaft, vorbei an Olivenhainen und lichten Wäldern, bis sich oben ein weiter Blick über die Küste und das Inland öffnet. Nach der Wanderung verkosten wir herrliches Olivenöl aus der Region – intensiv, fruchtig, genau so, wie man es sich vorstellt. Im kleinen Tante-Emma-Laden des Dorfes bleiben wir nicht lange standhaft und kaufen gleich mehrere Flaschen.
Santa Caterina di Pittinuri – Felsenküste & Surfer
Zum Abschluss fahren wir nach Santa Caterina di Pittinuri, einem kleinen Küstenort mit heller, fast kreidefarbener Felsküste. Die Bucht liegt offen zum Meer, der Wind sorgt für Wellen – perfekte Bedingungen, um Surfer zu beobachten.
Fazit dieser Etappe
Diese letzte Station fühlt sich wie ein leiser Ausklang an. Weniger Highlights, weniger Kilometer – dafür mehr Tiefe. Orte, um die Reise nachwirken zu lassen, bevor es zurückgeht.




