Unsere Sardinien Nordroute
Olbia – Ankunft & erster Cappuchino
Schon am Flughafen Olbia beginnt dieses typische Italien-Gefühl: ein schneller, aber richtig guter Cappuchino, noch bevor wir unseren Mietwagen abholen. Olbia ist für viele nur Durchgangsstation – für uns der perfekte Startpunkt. Der Flughafen liegt zentral im Nordosten der Insel und eignet sich ideal für einen Roadtrip entlang der Costa Smeralda und Richtung Gallura.
Direkt nach der Abholung des Autos starten wir Richtung Küste. Die Straße schlängelt sich vorbei an ersten türkisfarbenen Buchten, Macchia-Sträuchern und Granitfelsen. Golfo Aranci wirkt dabei noch angenehm entspannt, fast bodenständig – ein schöner Gegenpol zum späteren Porto Cervo.
In Porto Cervo, dem Herz der Costa Smeralda, trifft Luxus auf Postkartenmotive. Yachten, Designerläden und perfekt gepflegte Gassen – schön anzusehen, aber wir sind froh, den Trubel bald wieder hinter uns zu lassen.
Costa Smeralda wurde in den 1960er-Jahren gezielt als Luxusdestination entwickelt. Abseits der Hotspots lohnt sich jedoch vor allem der Blick auf die Natur: zerklüftete Küsten, smaragdgrünes Wasser und feiner, heller Sand.
Agriturismo bei Arzachena – Ruhe, Esel & Pool
Am Abend erreichen wir unser Agriturismo nahe Arzachena – ein kleiner, abgeschiedener Hof mitten in der gallurischen Landschaft. Esel begrüßen uns am Zaun, dahinter Olivenbäume, ein Pool mit Weitblick und wunderschön eingerichtete Zimmer. Genau dieser Mix aus Einfachheit, Herzlichkeit und Natur macht Sardinien für uns so besonders.
Der nächste Morgen beginnt mit einem liebevoll zubereiteten Frühstück auf der Terrasse: viel Quiche, Kuchen, frisches Obst – und natürlich Kaffee. Während wir essen, tüfteln wir unsere Tagesroute aus: Ziel ist Santa Teresa Gallura und das nahegelegene Capo Testa.
Schon die Fahrt lohnt sich. Je weiter wir nach Norden kommen, desto wilder wirkt die Landschaft. Am Capo Testa angekommen eröffnen sich spektakuläre Blicke über das Meer bis nach Bonifacio auf Korsika – bei klarer Sicht scheint die französische Insel zum Greifen nah.
Fun Fact:
Zwischen Sardinien und Korsika liegen an der schmalsten Stelle nur etwa 12 Kilometer. Der Blick auf die weißen Kalksteinklippen von Bonifacio ist eines der bekanntesten Panoramen im Norden Sardiniens.


Costa Smeralda – zwischen Traumstränden, Parkplatzsuche & Weitblick
Am nächsten Tag zieht es uns erneut entlang der Costa Smeralda. Unser Ziel ist diesmal klar: ein Strand mit Schatten – keine Selbstverständlichkeit an Sardiniens oft weitläufigen, baumlosen Buchten. Trotz Nebensaison merken wir schnell: Die Parkplatzsuche entlang der Küste ist zäh. Viele kleine Parkplätze sind schnell voll, Halteverbote streng kontrolliert und spontane Stopps kaum möglich.
Schließlich werden wir fündig: Spiaggia Romazzino. Der Strand liegt eingebettet zwischen sanften Hügeln, hellem Sand und türkisfarbenem Wasser. Vereinzelte Bäume spenden natürlichen Schatten – genau das, was wir gesucht haben. Das Wasser ist ruhig, der Strand trotz bekannter Lage angenehm entspannt. Ein perfekter Ort, um einfach liegen zu bleiben, zu schwimmen und den Blick schweifen zu lassen.
Palau – Festung, Meerblick & Maddalena-Gefühl
Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Palau. Schon die Fahrt dorthin ist ein Highlight: Die Küstenstraße bietet immer wieder wunderschöne Panoramen über das Meer, kleine Inseln und die zerklüftete Küste.
In Palau besuchen wir das Fort oberhalb des Ortes. Von hier oben reicht der Blick bis zur Insel Santo Stefano und hinüber zum La-Maddalena-Archipel – eine Inselwelt aus Dutzenden kleiner Inseln, die fast surreal im Wasser liegen. Der Wind weht kräftig, Möwen ziehen ihre Kreise.
Der Nationalpark La Maddalena besteht aus über 60 Inseln und ist eines der wichtigsten Meeresschutzgebiete Italiens. Palau ist der zentrale Ausgangspunkt für Bootstouren in den Archipel – aber auch ohne Boot lohnt sich der Stopp allein wegen der Aussicht.
Anschließend erkunden wir Palau zu Fuß: kleine Läden, Cafés, ein angenehmes, unaufgeregtes Flair. Kein Ort, der sich in den Vordergrund drängt – sondern einer, der sich einfach gut anfühlt.
Letzter Abend in Arzachena
Zurück in unserem Agriturismo genießen wir den letzten Abend in Arzachena bewusst langsam. Noch einmal Pool, noch einmal Ruhe, noch einmal dieses Gefühl, angekommen zu sein. Die Esel sind inzwischen vertraute Begleiter, die Landschaft wirkt im Abendlicht noch sanfter.
Morgen geht es weiter zur zweiten Station unseres Roadtrips – doch die Tage in der Gallura bleiben als perfekter Einstieg in Sardinien im Kopf: naturverbunden, entschleunigt und voller kleiner, unerwarteter Highlights.



Zwischen Supramonte & Blue Zone
Von der Costa Smeralda ins Herz Sardiniens – durch den Supramonte
Wir verlassen Arzachena und fahren noch einmal Richtung Olbia, bevor sich die Landschaft langsam verändert. Die Küste rückt in den Hintergrund, die Straßen werden schmaler, kurviger – und plötzlich fühlt sich Sardinien ganz anders an. Ursprünglicher. Wilder.
Auf dem Weg ins Supramonte-Gebirge begegnen wir ersten Zeichen des sardischen Alltags abseits der Touristenpfade:
kleine schwarze Schweine, die scheinbar selbstbewusst am Straßenrand liegen, Ziegen, die in den Kurven auftauchen und uns zum Abbremsen zwingen. Hier hat eindeutig nicht das Auto Vorfahrt.
Immer wieder halten wir an Aussichtspunkten. Tiefe Schluchten schneiden sich in das Kalksteingebirge, bizarre Felsformationen ragen aus der Landschaft – und an manchen Stellen öffnet sich der Blick überraschend weit bis hinaus auf das tiefblaue Meer. Ein faszinierender Kontrast: raues Hochland und Mittelmeerblick in einem.
Der Supramonte – Sardiniens wildes Herz
Der Supramonte ist eines der ursprünglichsten Gebiete Sardiniens. Das weitläufige Karstgebirge erstreckt sich zwischen dem Inland und der Ostküste und ist bekannt für:
- tiefe Schluchten (z. B. Gola di Gorropu – eine der tiefsten Europas),
- weite Hochebenen,
- Höhlen, Hirtenpfade und nahezu unberührte Natur.
Lange Zeit war diese Region schwer zugänglich – genau das hat ihren besonderen Charakter bewahrt. Hier spürt man Sardinien fernab von Luxus und Strandclubs.
Ankunft in Santa Maria Navarrese – Berge treffen Meer
Am Abend erreichen wir Santa Maria Navarrese. Nach den kurvigen Bergstraßen wirkt der kleine Küstenort fast beruhigend. Palmen säumen den Strand, das Meer liegt ruhig da, und im Hintergrund ragen die Berge auf, durch die wir gerade noch gefahren sind.
Der Ort ist klein, überschaubar und angenehm entspannt – kein klassischer Trubel, sondern ein perfekter Ausgangspunkt für Entdeckungen zwischen Meer, Bergen und Wanderwegen.
Wissenswert:
Santa Maria Navarrese liegt im Gebiet der Ogliastra, einer der dünnsten besiedelten Regionen Sardiniens. Die Gegend ist bekannt für ihre lange Lebensdauer der Bewohner – sie gehört zu den sogenannten „Blue Zones“ der Welt (spannende Doku gibt es auf Netflix!).



Wandertage rund um Santa Maria Navarrese – Fels, Meer & Schluchten
Rund um Santa Maria Navarrese treffen schroffe Kalkfelsen, schmale Küstenpfade und tief eingeschnittene Schluchten aufeinander – eine Landschaft, die fordert, und zu Fuß erkundet werden will.
Küstenwanderung zur Pedra Longa – Felsnadel über dem Meer
Unsere erste Tour führt uns zur Pedra Longa, einer markanten Felsnadel, die wie aus dem Nichts aus der Küste ragt. Der schmale Pfad schlängelt sich oberhalb des Meeres entlang, immer wieder öffnen sich fantastische Blicke auf das tiefblaue Wasser. Kleine, knorrige Bäume spenden zwischendurch willkommenen Schatten – genau richtig an warmen Tagen.
Als wir ankommen, sind wir besonders froh, Schnorchel und Maske eingepackt zu haben. Ein kurzer Abstieg, ein Sprung ins kühle Wasser – und plötzlich fühlt sich jede Anstrengung leicht an. Nach dieser Erfrischung geht es denselben Weg zurück, diesmal mit noch mehr Blick für die Details entlang des Pfades.
Die Pedra Longa ist ein Naturdenkmal und eines der bekanntesten Wahrzeichen der Ogliastra. Der Küstenabschnitt gehört zu den landschaftlich eindrucksvollsten der gesamten Ostküste Sardiniens.
Auf den Croce Pittaine – Gipfel über Santa Maria Navarrese
Am nächsten Tag geht es hoch hinaus: Croce Pittaine, der Gipfel oberhalb des Ortes. Der Weg ist stellenweise spärlich ausgeschildert und leider nahezu schattenlos. Die Sonne brennt, der Anstieg fordert – aber wir bleiben dran.
Oben angekommen, ist sofort klar: Es hat sich gelohnt. Der Blick reicht weit über das Dorf, das Meer und die umliegenden Berge. Diese Mischung aus Erschöpfung und Glück ist genau das, was solche Touren ausmacht.
Zur Belohnung fahren wir später nach Baunei und gönnen uns dort ein Eis oder auch zwei. Manchmal braucht es nach einem Gipfel einfach genau das.
Tipp: Für diese Tour unbedingt früh starten, ausreichend Wasser mitnehmen und sich nicht allein auf Wegmarkierungen verlassen.



Gola di Gorropu – Europas tiefe Schlucht
Ein weiteres Highlight ist die Gola di Gorropu – oft als tiefste Schlucht Europas bezeichnet. Wir starten früh, was sich schnell als goldrichtig erweist. Der Weg beginnt mit einem langen Abstieg in zahlreichen Kehren hinunter zum Eingang der Schlucht.
Unten angekommen, zahlt man Eintritt, um in die Schlucht hineinzugehen. Zwischen den bis zu mehrere hundert Meter hohen Felswänden fühlt man sich plötzlich winzig. Der Weg ist anspruchsvoll, steinig und beeindruckend zugleich.
Die größte Herausforderung wartet allerdings auf dem Rückweg: der komplette Anstieg zurück nach oben. Ohne ausreichend Wasser wird das schnell zur Qual – wir sind froh, gut vorbereitet zu sein.
Die Gorropu-Schlucht liegt zwischen Supramonte und Gennargentu-Gebirge. Ihre gewaltigen Kalkwände und die enge Passage machen sie zu einem der spektakulärsten Naturorte Sardiniens.
Letzter Tag an der Ostküste: Arbatax & Torre di San Gemiliano
Am letzten Tag lassen wir es ruhiger angehen und fahren nach Arbatax. Ein leichter Spaziergang führt uns durch den Ort bis zum Torre di San Gemiliano. Von hier bietet sich ein weiter Blick über Küste und Meer, bevor wir am nahegelegenen Strand noch einmal entspannen.
Ein sanfter Abschluss nach Tagen voller Höhenmeter, Schluchten und steiler Pfade – genau der richtige Übergang für die nächste Etappe unserer Reise.



Alghero & die Westküste
Westküste Sardiniens – Ausklang zwischen Natur, Meer & Weite
Für den letzten Abschnitt unserer Reise wechseln wir noch einmal die Kulisse und fahren an die Westküste Sardiniens – nach Alghero und weiter zu unserem Hotel El Faro, idyllisch gelegen zwischen Meer und weitläufigen Naturschutzgebieten.
Noch bevor wir richtig aussteigen, erleben wir die erste Überraschung: Wildschweine spazieren über den Parkplatz. Ein kurzer Moment der Irritation – dann ziehen sie weiter. Willkommen an Sardiniens wilder Westseite.



Alghero – katalanisches Flair am Meer
Alghero fühlt sich anders an als der Rest der Insel. Die Altstadt ist geprägt von katalanischen Einflüssen (bis heute wird hier neben Italienisch auch Algheresisch, ein katalanischer Dialekt, gesprochen), schmalen Gassen, Stadtmauern und kleinen Plätzen. Wir schlendern durch die Stadt, lassen uns treiben.
Wandern im Parco Naturale Regionale di Porto Conte
Direkt vor unserer Unterkunft beginnt der Parco Naturale Regionale di Porto Conte – ein großes Schutzgebiet mit Küsten, Wäldern, Klippen und alten Militäranlagen. Perfekt für entspannte Wanderungen ohne lange Anfahrten.
Auf unseren Wegen treffen wir auf wilde Esel, die hier frei durch die Landschaft ziehen. Die Pfade führen durch mediterranen Wald, vorbei an offenen Lichtungen und immer wieder mit Blick aufs Meer. Alles wirkt weiter, ruhiger, weniger spektakulär als im Osten – aber genau darin liegt der Reiz.
Hinweis: Montags ist das Parkbüro geschlossen und der Eintritt nicht möglich (Stand 09/2023).
Punta Giglio – Wald, Weitblick & Ruhe
Am nächsten Tag starten wir bei Maristella und wandern durch den Wald hinauf zum Rifugio di Mare – Punta Giglio. Der Weg ist angenehm schattig, gut zu gehen und öffnet sich oben zu einem beeindruckenden Panorama über die Küste. Alte Bunker und Militärreste erinnern daran, dass dieser Ort früher strategische Bedeutung hatte.
Hier oben ist es still. Kein Trubel, kein Lärm – nur Wind, Meer und Weite. Die Wanderwege sind eher schlecht markiert, sowie man vom Hauptweg abweicht.
Tagesausflug nach La Pelosa – Erwartungen & Realität
Eine weitere Tagestour führt uns in den Norden zum berühmten Strand La Pelosa. Schon im Vorfeld fällt auf: Der Strand darf nur mit Strandmatten betreten werden, der Zugang ist kostenpflichtig, Besucherzahlen sind limitiert. Auch hier: Parkplatzsuche erneut ein kleiner Kraftakt.
Der Strand selbst ist schön – helles Wasser, flacher Einstieg – aber ehrlich gesagt: nicht so besonders, zumindest für uns. La Pelosa gehört zu den am stärksten geschützten Stränden Sardiniens. Die strengen Regeln sollen die empfindliche Dünen- und Seegraslandschaft bewahren. Nach all den wilden Buchten, Wanderungen und Naturmomenten wirkt La Pelosa eher reguliert und etwas überlaufen.
Ein ruhiger Abschluss
Zurück an der Westküste lassen wir die Reise entspannt ausklingen: baden im Meer, kleine Spaziergänge, lange Abende. Sardinien verabschiedet sich leise – nicht mit einem lauten Highlight, sondern mit vielen tollen Erinnerungen.





