Entdeckungen in Mandalay und Umgebung
Die Tour im Nachtbus vom Inle lake verlief ruhig. Nachts um 4Uhr erreichen wir unsere Unterkunft in Mandalay und haben dieses Mal leider das Pech in der Lobby warten zu müssen bis unser Zimmer am nächsten Morgen frei wird. Somit legen wir uns auf die Couch und probieren nochmal ein Auge zu zumachen, was mir schwer fällt da schon jemand anderes schnarcht ohne Ende. Mächtig genervt spiele ich auf meinem Handy und zähle die Minuten bis der nette Burmese von der Rezeption mir anbiete eine nächtliche Führung durch das Haus zu geben und mir die Lichter der Stadt von der Dachterrasse aus zeigt.
Mandalay war einst kurzweilig Hauptstadt von Myanmar zur Zeit der Besetzung der Engländern. Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt ebenfalls am großen Fluss und leuchtet golden durch die unzähligen Tempel und Pagoden. Knapp 30 Jahre residierten hier Könige , weshalb das Herz der Stadt ein Königspalast ist mit einem 70m breiten Wassergraben ringsherum.
Nachdem wir dann etwas geschlafen hatten entschieden wir uns einfach den Tag in Mandalay zu verbringen und zum Mandalay-Berg zu laufen , welcher knappe 5km entfernt ist. Auf unserem Weg erfuhren wir von der Erdbeersaison und mussten uns erstmal mit Saft und Erdbeerlassi stärken. Bei 35 Grad waren wir froh über die Begrünung der Stadt , auch der Verkehr und das Händlertreiben kommen uns wesentlich entspannter vor als noch in Yangon. Am Fuße des Hügels (236m hoch) sahen wir dann die 1729 Stufen bis zum Aussichtspunkt. Auf unserem Weg hoch merken wir die Hitze genießen aber gleichzeitig den tollen Ausblick auf die Stadt. Verwundern tun uns die zwei großen Golfplätze, wer will hier bei dem Wetter spielen!? Sichtlich erschöpft begeben wir uns nach der Pagoden Besichtigung Richtung Hotel und nutzen den Mini-Pool auf der Dachterrasse, schauen den Sonnenuntergang an und probieren danach die typisch burmesische Küche (haut uns jetzt nicht so um das Angebot in unserer Nähe).


Für den nächsten Tag haben wir uns ein großes Programm zusammen gesucht und uns dazu hinreißen lassen mit einem sehr netten einheimischen Burmesen auf Tour zu gehen. Er ist 27 Jahre alt , kommt aus der Nähe von Mandalay und kann gut Englisch, versorgt uns mit allerlei Einblicken in das alltägliche Leben mit dem Buddhismus. Es ist Freitag und somit wieder Tag des Buddha, was wir wieder daran merken, dass noch mehr als sonst Blattgold auf Buddha-Figuren aufgetragen wird und viele „Opfergaben“ in Form von Obst , Blumen und warmen Speisen niedergelegt wird. Am ersten Stopp , der Mahamuni Pagode steht der die mit Abstand meist verehrteste Figur des Landes , Frauen dürfen nicht bis an den Buddha heran , doch sieht man über Monitore wie die Männer viele kleine Plättchen Blattgold auftragen. Über die letzten zehn Jahre wurde so viel Gold von den Gläubigen aufgetragen, dass der Körper nicht mehr zu erkennen ist und einer unförmigen Kugel gleicht. Desweiteren beeindruckt eine Zeremonie wo viele kleinere Kinder on leuchtenden Stoffen gehüllt, mit glitzernden übersät und extrem geschminkt um die Pagode laufen. Begleitet von der Familie , müssen sie für viele Fotos herhalten und werden mit Schirmen vor der Sonne geschützt.
Später erzählt unser Taxiguide dass wir Augenzeuge von einem ganz besonderen Moment im Leben eines Burmesen geworden sind. Es ist Brauch mindestens einmal im Leben im Kloster gelebt zu haben für eine Woche. Möglich ist das ab einem Alter von 5 Jahren und nach dieser Woche kann man entscheiden ob man einen Monat, ein Jahr oder ein Leben lang als Mönch oder Nonne zu leben im Kloster. In Amarapura tauchen wir noch mehr in diese Welt beim Besuch des Mahagandhayon-klosters. Hier leben über 1000 Mönche und wir können gegen 10uhr die Speisung miterleben. Leider schon ein touristisches Spektakel aber interessant mitzuerleben wie die Mönche in Reihe mit ihren silbernen Gefäßen zur Essensausgabe gehen. Das Essen wird jeden Tag von einer anderen Familie zur Verfügung gestellt. Tonnen von Reis müssen das sein. Die ältesten Mönche beten für jede Speisen und dürfen auch auf Stühlen sitzen , hingegen sitzen alle anderen später beim Essen im Schneidersitz.




Amarapura, Inwa und Sagain
Amarapura ist auch das Zentrum der Longyi Produktion , viele Webereien haben sich hier angesiedelt um den landestypischen langen Wickelrock herzustellen. Dieser wird von Mann und Frau getragen im Alltag und besonders schön bestickt dann zu festlichen Anlässen getragen. Später am Abend auf dem Heimweg shoppen wir dann auch jeder einen dieser hübschen Longyi. Gegen Mittag geht die Tour über den Fluss nach Sagain , in das historische Gebiet welches einem Hügelland voller goldener Flecken gleicht . Über 600 Klosteranlagen für Nonnen und Mönche wie uns erklärt wird liegen hier verteilt und in engen Kehren schlängeln wir uns dadurch und besuchen mehrere Pagoden mit tollen Ausblicken auf das Umland. Durch die starke Bewachsung und ältere Tempelruinen fühle ich mich zeitweise wie in einem Indianer Jones Film.
Nach kurzem Päuschen während der Mittagshitze lassen wir uns übersetzen mit einer Fähre nach Inwa. Hier überraschen uns viele Pferdekutschen, alle bieten stundenlange Touren durch das Gebiet , doch wir wollen lieber laufen was zum völligen Unverständnis der Kutscherbesitzer ist. Einer verfolgt uns fast die Hälfte der Zeit mit immer neuen Preisgeboten- gibt dann aber zum Glück irgendwann auf und wir können in Ruhe entlang der weiten Bananenplantagen spazieren und uns bisschen über die Geschichte des Ortes informieren. Der schiefe Wachturm eines ehemaligen Palastes ist schon ein Hingucker , dennoch können wir uns ihn nicht weiter anschauen sind doch alle Gebäude hier durch ein Erdbeben in 1838 zerstört bzw so beschädigt wurden , dass eine nähere Erkundung eher gefährlich scheint. Auf unserem Spaziergang durch Inwa beobachten wir das einfache Landleben. Schicke, einfache Bambushütten mit Feuerstelle, Hunde , Hühner und Ochsen laufen herum , dazwischen Kinder die glücklich im Schatten der Palmen spielen. Da wir ca 37Grad haben erfrischen wir uns mal wieder mit einem leckeren Ananassaft. Zum Sonnenuntergang machen wir noch einen ausgiebigen Stopp an der U-Bein Brücke welche komplett aus Teak Holz gebaut ist und mit knapp 1.2km Länge einmal über den Taungthaman-See führt. Die Stimmung als der Himmel langsam rosa wird ist fantastisch. Boote transportieren Touristen auf die Seemitte. Wir spazieren auf den wackeligen Brettern und beobachten wie die Sonne hinter den Pagoden langsam untergeht. Ein schöner Abschluss unseres Trips durch Myanmar, doch nach dieser 10 stündigen Tagestour fallen wir nur noch müde ins Bett.




- Innenstadtlage in Mandalay sehr zu empfehlen um zu Fuß alles zu erreichen
- U-Bein Brücke abends besuchen – weniger Menschenmassen, schöne Sonnenuntergänge
- Amarapura, Inwa und Saigang entspannt an 2 Tagen machen (am besten mit eigenem Fahrer)


