Island per Schiff
Akureyri und Myvatn
7/13/2016
Bei Sonnenschein laufen wir in Akureyri im Eyjafjördur ein. Die ist der erste Hafen auf unserer Tour um Island per Schiff. Diese Stadt ist die viertgrößte Islands und liegt ganz im Norden. Wundervolle Fjordlandschaft umgibt die Gemeinde mit knapp 20.000 Einwohnern. Bei einen kleinen Spaziergang am Vormittag laufe ich die 112 Stufen hoch zur Kirche. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf die kleine Innenstadt, das Fjordende und die Landebahn des kleinen Flughafens. Alles blüht und selbst am Sonntag haben hier ein paar Cafés geöffnet und es riecht nach gutem Kaffee in den Straßen. Zum Nachmittag begebe ich mich in die Umgebung mit Hödur, einem sehr netten Isländer im Rentenalter. Der Herr spricht gutes Deutsch und erzählt von seinem Leben hier oben im Norden. In Akureyri gibt es trotz des kühlen Klimas einen 18 Loch Golfplatz und die Skipisten verlaufen direkt hinter seinem Haus, berichtet er stolz. Unser Ziel ist der Godafoss. Ein hufeisenförmiger Wasserfall in ca. 50km Entfernung. Der übersetzte „Götterfall“ stürzt in breiten Kaskaden hinab und die Landschaft herum ist einfach traumhaft schön. Ab und zu entdeckt man kleine Bauernhäuser in der weiten Landschaft. Die Straßen winden sich im die Berge und Vulkane, kleine Flüsse schlängeln sich durch die Täler. Schafe und Island Pferde runden das Bild ab. Gelassenheit und Ruhe beschreiben diese Momente, bei denen man nur aus dem Fenster schaut und sich selbst in der Weite verliert.
Nach einem kleinen Spaziergang am Wasserfall geht es weiter in das Gebiet des Myvatn- der Mückensee. Dieser liegt in einer der aktivsten Vulkanzonen Islands Die Landschaft spricht für sich, große Lavafelder, Vulkankrater, tiefe Risse und der viert größte See des Landes. Aufgrund dieser Gegebenheiten siedeln hier viele Vogel- und Entenarten direkt am Ufer. Fast noch bedeutender ist aber das Geothermalkraftwerk, welches die Erdwärme ausnutzt um Energie zu gewinnen. Kleine leuchtend blaue Seen sind Zeuge einer unglaublichen Kraft die hier unter der Erdoberfläche herrscht. Wenn man genauer darauf achtet sieht man oft weißen Rauch aus dem Boden aufsteigen, die endogenen Kräfte ziehen großen Spalten in den Erdboden, man muss genau schauen wo man lang geht um nicht einzustürzen. Eines der Highlights an diesem Nachmittag ist dann auf jeden Fall die türkis-blaue Lagune. Das mineralhaltige Wasser lädt einfach zum Reinspringen ein, 37- 41°C messen hier die drei verschiedenen Becken. Das verjüngt gefühlt um 10 Jahre und tiefenentspannt geht es dann wieder Retour nach Akureyri.
Fazit: Allein nach diesem einen Tag steht fest, ich sollte mir ein Auto mieten und stundenlang durch die abwechslungsreiche und geologisch faszinierende Landschaft fahren.

Isafjördur und Dynjandi
7/13/2016
Tag 2 auf Island. Mittlerweile bin ich im Nordwesten angekommen. Die Kinder hier sagen Island sehe aus wie ein Drache und die Westfjorde, in welchem ich mich aufhalte, sei der Kopf des Drachen. Leider hängen die Wolken heute etwas tief und es regnet vereinzelt. In den Westfjorden bestimmt die Fischindustrie den Alltag der Menschen. Viele kleine Fischerdörfer sind malerisch gelegen in den Fjorden, dennoch ist ein Erreichen dieser auf dem Landweg ein riesiger Aufwand. Stück für Stück fängt man hier an Tunnel zu bauen um alle Ortschaften besser miteinander zu verbinden. Um etwas mehr von der Landschaft zu sehen, entscheide ich mich auf Tour zu gehen Richtung Dynjandi Wasserfall. Dafür müssen wir durch einen 9km langen Tunnel und danach 4 Fjorde durchqueren. Es gibt hier nur eine Straße, die uns zum Ziel führt. Auf der Hälfte der Strecke hört allerdings der Asphalt auf und auf Schotter geht es hier in Kehren über den ein oder anderen Bergpass. Diese Route gewährt wunderschöne Aussichten auf die zumeist grüne Landschaft mit wieder vielen Schafen und Enten an der Küste. Sogar einen hellen Sandstrand passieren wir auf dem Hinweg, eine Besonderheit wo alles Gestein hier doch auf vulkanischer Basis grau und schwarz ist. Im Winter fährt man diese Tour nur mit dem Schneemobil, eine irre Vorstellung wie ich finde. Am Dynjandi angekommen reißen langsam die Wolken auf und die Sonne scheint etwas. Dieser Wasserfall ist eigentlich ein System aus 7 aufeinander folgenden Wasserfällen. In mehreren Kaskaden stürzen die Wassermassen fächerförmig knapp 100m tief. Eine wahnsinnige Geräuschkulisse! Ich kletter den kleinen Weg an den Wasserfällen hinauf und jedes Mal wenn ich stoppe ergibt sich ein neues fantastisches Landschaftsbild. Das Grün der umliegenden Wiesen leuchtet sehr stark, Schafe grasen gemütlich. Der Fjord hat viele kastenförmige Berge, welche früher Heimat von Monstern und Feen sein sollten. Überhaupt wird hier noch viel über Feen erzählt, aber das macht ja auch irgendwie das Mystische an Island aus. Am Nachmittag ging es dann in ein kleines Fischerdorf (270 Einwohner, Durchschnittsalter unter 30!) und der Besuch der lokalen Fischfabrik stand auf dem Programm. Die Dorfbewohner haben fast alle ihr eigenes kleines Fischerboot und fahren jeden Tag hinaus um Kabeljau, Steinbeißer und Heilbutt zu fangen. Dieser wird dann direkt an die Fischfabrik verkauft, welche die Fische filetiert und transportfertig macht. Wir bekommen mitgeteilt, dass binnen 36 Stunden dieser Fisch dann auch in deutschen Supermärkten bereits erhaltbar ist. Starke Leistung, wo man sich doch ein bisschen wie am Ende der Welt fühlt.

Der Goldene Kreis – Golden Circle
7/15/2016
Eine der bekanntesten Touren (wenn nicht sogar DIE Tour) auf Island ist der goldenen Kreis. Hierbei geht es um die Kombination verschiedener Naturhighlights um Reykjavik und den Süden Islands. Mein Ausgangspunkt ist auch die nördlichste Hauptstadt der Welt. Es ist 5.45Uhr und mein Wecker klingelt. Glücklicherweise scheint die Sonne schon etwas und erleichtert somit das Aufstehen. Odin ist heute mein Guide. Er kommt gebürtig aus Österreich, hat aber Wurzeln mütterlicherseits hier auf Island. Wir starten gemeinsam die Tour Richtung Thingvellir. Thingvellir ist unser erster Stopp auf dem goldenen Kreis, den wir heute bereisen. Dieser Ort begeistert mich von der ersten Minute. Mittlerweile ist es kurz nach 7Uhr und wir sind die einzigen Menschen an diesem besonderen Ort. Hier treffen die amerikanische und die eurasische Platte aufeinander und in dem vor mir liegenden Senktal haben sich neben den großen Rissen in der Erdoberfläche auch viele Seen gebildet. Seit 2004 gehört dieser wundervolle Fleck zum UNESCO Weltkulturerbe. Beim Spaziergang in das Senktal bekomme ich zum ersten Mal ein Gefühl dafür, was für endogene Kräfte das Aussehen unserer Erde bestimmten. In dieser Grabenbruchzone sind vier aktive Vulkansysteme in nächster Nähe zu finden. Kaum Bäume (wie überall auf Island), aber dafür glasklares Wasser locken nicht nur Angler, sondern auch Taucher. Man hat unter Wasser Sichtweiten wie an Land und könnte hier zwischen den Kontinenten die Unterwasserwelt erforschen. Das füge ich sofort auf meine Wunschliste, als Odin davon berichtet und auf eine kleine Truppe Taucher hinweist. Abgesehen davon ist Thingvellir auch geschichtliche sehr interessant. Es ist nämlich auch die Ebene der Volksversammlung. Stammesvertreter hatten sich schon sehr früh hier zu einer Art Parlament getroffen, über Gesetzte gesprochen und Gericht gehalten. Viele Tafeln schildern die geschichtlichen Höhepunkte. Mit einem ersten <WOW> geht unsere Tour weiter.
Was für eine Landschaft. Alle 10km ändert sich das komplette Landschaftsbild. Von schneebedeckten Bergen, Vulkankrater, saftig grünen Wiesen hinzu kargen Hängen, kleinen Siedlungen und aufsteigendem Dampf. In Geysir (Gemeinde Bláskógabyggd) angekommen betreten wir ein sehr spannendes Gelände. Auf einer relativ kleinen Fläche sind hier gleich mehrere Geysire in unterschiedlichster Größe vorzufinden. Der Große Geysir ist namensgebend für die Art von Geothermalquellen, die in anderen Teilen der Welt erst im 19 Jhd. allgemein bekannt wurden. Es ist der wohl älteste noch gelegentlich aktive Geysir. Ein anderer ist der Strokkur. Hier im Heißwassertal Haukadalur bricht er regelmäßig im Abstand von 3 bis 5min aus. Diese kochende Wassersäule erreicht Höhen von bis zu 35m. Zum Glück sind wir noch vor der Mittagszeit am Geysir angekommen und können dieses Spektakel ganz in Ruhe anschauen und bestaunen. Wir auf Knopfdruck schießt das Wasser vor uns in die Höhe, Geräusche wie bei einem Raketenstart. Durch die Sonne angestrahlt glitzert das Wasser und man hat permanent einen leichten Schwefelgeruch in der Nase. Neben den beeindruckenden Geysiren, findet man hier auch kleine Wasserlöcher in denen das Wasser so klar ist, dass man bis zum Grund schauen kann. Das Wasserloch leuchtet stark blau und bilden einen wunderschönen Kontrast zur braun- gelben Umgebung. Faszination Natur!
Nur knappe 10min entfernt wartet dann Nummer 3 des Goldenen Kreises auf uns. Es ist der Gullfoss Wasserfall, der goldene Wasserfall. Das Wasser rauscht hier über zwei Stufen insgesamt 21m hinab. Aus den umliegenden Gletschern, wie dem Langjökull Gletscher, wird dieser Wasserfall gespeist. Wir erfahren, dass die Schlucht des Flusses Hvítá eine Tiefe von 70 erreicht ehe er im breiten Tal ausläuft. Auch hier ist das Wetter auf unserer Seite und ein fantastisches Panorama aus Gletschern, Vulkanen und Geysiren umschließt uns und zieht uns fest in seinen Bann. Ich laufe entlang der Schlucht und betrachte den Wasserfall aus allen Perspektiven, leuchtet er doch wirklich durch die Sonne fast etwas golden.







