Ørnes - Wo Felsen Karibikstrände treffen
Norwegen,  Seereisen

Hurtigruten Norwegen

Die wohl schönste Seereise

Aufgrund meiner Tätigkeit vor dieser Reise bei der Hurtigruten GmbH in Hamburg, hat mich dieses Konzept aus Logistik und Tourismus in seinen Bann gezogen. Viel mehr noch die ganzen Reiseerzählungen und Fotos von Kollegen und Freunden, die mit dem Postschiff entlang Norwegens Küste unterwegs waren, haben letztendlich dafür gesorgt das Werkstudentengehalt direkt in die nächste Reise hier zu investieren. Jeder Cent hat sich gelohnt!

Seit 125 Jahren steuern die Postschiffe 34 verschiedene Orte entlang der Küste an. Egal zu welcher Jahreszeit man reist, die Erlebnisse werden immer anders sein. Mal zieht ein Sturm auf und die Route muss angepasst werden, dann tauchen Wale auf oder das Nordlicht tanzt am Himmel. Im Sommer hatte ich das Glück oberhalb des Polarkreises die Magie der Mitternachtssonne zu erleben. Hurtigruten Norwegen ist , neben vielen anderen Reisegebieten, eine wunderschöne Tour um der Natur ganz nah zu sein und unverschnörkelt, bequem die einmalige Landschaft Norwegens in ganz eigenem Tempo zu erkunden.

Tag 1 – Ab geht die Post (Bergen)

7/4/2015

Endlich ist es soweit, es geht der Mitternachtssonne entgegen mit dem Schiff „Nordlys“ der Hurtigruten. Morgens um 8.55Uhr startete ich meine Reise in Hamburg über Amsterdam nach Bergen. Die Wolken hängen tief, es nieselt und ist grau, 15 Grad. Vom Flughafen bringt direkt ein Hurtigrutenbus mich zum Terminal, ich checke ein und mache mich zu Fuß auf Entdeckungstour durch ein kleines Wohnviertel. Eng gebaute Holzhäuser in verschieden bunten Farben, hübsch bepflanzt, säumen enge steile Gassen. Man fühlt sich sofort wohl , da die Menschen sehr fröhlich ausschauen, lachen u einfach dem Wetter trotzen. Leider kommt zum Abend immer mehr Nebel auf sodass man vom Schiff aus nur das tolle Stadtpanorama mit den beiden Hausbergen Fløyen und Ulriken erahnen kann. Mein Highlight trotzdem die wilde Küstenlandschaft welche wir passieren, der Schärengarten vor Bergen, kleine Boote und Jetski folgen uns. Nach kurzer Zeit ragt eine große Hängebrücke aus dem Nebel und lässt dabei unser kleines Schiff noch winziger aussehen 🙂
Eines haben die Nordlys und ich gemeinsam: wir beide haben Zeit in Stralsund verbracht. 1994 lief das Schiff dort in der Werft vom Stapel. Heute hat ein bunt gemischtes Publikum (knapp 400 Gäste) mit mir die Reise begonnen, ich quatsche Englisch, Französisch und mit meinen 3 Gramm Norwegisch kann ich sogar die Besatzung etwas verstehen.  Gefühlt gehören 98{32b4d57879444ae2b7b5bb463614778b53fe252cd76562b9c9af9a771ca88b4b} der Passagiere zur Ü-55 Generation , der Rest Kinder und ich. Eigentlich bin ich müde, aber nun doch viel zu aufgeregt um das Außendeck zu verlassen, einfach zu spannend der Beginn der wohl schönsten Seereise der Welt! 🙂

Stadtansicht Bergen
Terminal am Hurtigruten Kai

Tag 2 – Torvik bis Molde

7/4/2015

…und wie schon vermutet die Sonne ging erst gegen 23:30uhr unter und alle 2/3 Stunden stand ich nachts auf und schaute mir die vorbeiziehende Landschaft an. Mit einer älteren Dame stand ich dann um 5 Uhr achtern Deck 7 (hinten) und beobachtete wie das Schwesterschiff „Nordkapp“ an uns vorbei zog. Noch vor dem Frühstück lagen wir für 15min in Torvik, eine handvoll Holzhäuser mit ein paar Schafen. Dort luden wir etwas Fracht auf und noch während des Frühstücks erreichten wir dann die Jugendstilstadt Ålesund. Es war noch diesig als ich zum Apoteker Torget  (Art Marktplatz ) lief. Danach fuhren wir durch den Storfjorden, Sunnylundfjorden und schließlich bei Sonnenschein in den Geirangerfjord. Grüne Fjordwände, steile Felsen und tosende Wasserfälle – alles an Bord war ruhig, fotografierte und genoß den Augenblick. Mit Tenderbooten wurden wir dann ausgeschifft gegen 13:30uhr. Es ging mit dem Bus über die Adlerpanoramastraße, welche mit 11 Haarnadelkurven begann. Folgend gab es Foto – Stops, eine kleine Wanderung durch eine Schlucht und lecker norwegische Waffeln 🙂
Highlight für mich der Trollstigen. Schroffe, hohe Felswände oberhalb der Baumgrenze die noch zum Teil mit Schnee bedeckt waren. Hier konnten wir ein wenig wandern und einen 300m herabstürzenden Wasserfall bestaunen. Ich weiß nicht wie viele Fotos ich bisweilen gemacht habe 😉
Nach zwei kurzen Fährefahrten über Gletscherseen und einigen Tunneln erreichten wir Molde gegen 21Uhr , wo wir dann unser Schiff haben einfahren sehen. Gerade lassen wir die Romsdalalpen hinter uns. Es ist 23:25 Uhr und die Sonne scheint uns immer noch entgegen – ob heute an Schlaf zu denken ist!?

Tag 2 Hurtigruten
Trollstigen Haarnadelkurven
Alesund Jugendstilhäuser
Geirangerfjord Hurtigruten Norwegen
Stadtansichten Alesund
Aussichtspunkt Trollstigen

Tag 3 – Trondheim bis Rorvik

Søndag in Trondheim heißt soviel wie leere Straßen, geschlossene Läden und ganz viel Ruhe. Bei Sonnenschein und 19 Grad laufe ich gemütlich nach dem Frühstück über den Nidelv an dem Holzhäuser auf Stelzen stehen. Viele kleine Cafés und Krimskrams-Läden scheinen hier sonst für Leben zu sorgen in dieser Studentenstadt. Nach einigem Suchen finde ich auch das Highlight der Stadt: ein Fahrradlift! Der weltweit Einzige seiner Art unterstützt Radler die steile Straße zur Festung zu bewältigen. Von hier aus hat man auch einen schönen Blick auf dem Nidaros Dom, Krönungskirche 7 norwegischer Könige. Beeindruckend sind die zwei Türme und Rosenfenster. Auf dem Weg zurück zum Schiff entdecke ich einen kleinen Garten mit Springbrunnen und genieße die Ruhe bevor es weitergeht. Die Strecke heute führt durch den Trondheimsfjorden vorbei an hübschen kleinen Leuchttürmen und einem freien Stück Atlantikküste (ruhige See- kein Schaukeln wie letzte Nacht!). Highlight heute der Stokksundet, eine Zickzack-Passage die an der schmalsten Stelle 42m misst. Zum Glück kennt unser Kapitän die Strecke 🙂 Was auch auffällt, selbst hier in der entlegensten Ecke stehen die Leute an ihren Hütten/Stegen und winken unserem Schiff. Da fällt mir ein, früher wurden die Uhren nach den Postschiffen gestellt (so sagt man hier).Weiteres Highlight heute auch meine erste richtige norwegische Bekanntschaft: Ole. Der sympathische Norweger ist 51, arbeitet als Übersetzer und ist auf dem Weg zu seinen Kumpels 2 Wochen Kabeljau angeln. Wir quatschen was das Zeug hält, einfach zu spannend wie das Leben hier so abläuft mitten im Nichts. Die Norweger haben 5 Wochen Urlaub im Jahr und nehmen diesen alle jetzt fast zur gleichen Zeit am Stück. Wir trinken nach unserem leckeren Karameldessert einen Kaffee um noch lange durchzuhalten, denn der Kapitän hat einen kleinen Umweg geplant um uns den berühmten Felsen Torghatten  (Berg mit großem Loch in 260m) zu zeigen in der Mitternachtssonne. Heute soll die Sonne für eine Stunde untergehen, ab morgen dann gar nicht mehr für die nächsten 7 Tage. Circa 6.30 Uhr morgens werden wir den Polarkreis überqueren! Ich denke dafür werde ich mir 3 Wecker stellen um nicht dieses Ereignis ggf zu verschlafen. Übrigens habe ich heute das Lieblingswort der Norweger durch Ole kennengelernt. Koselig = so viel wie gemütlich. Es beschreibt wohl am besten das Lebensgefühl/ -art der Norweger 🙂

Nidarosdom Trondheim
Stadtansicht Trondheim
Torghatten

Tag 4 – Polarkreisüberquerung und Lofoten

7/7/2015

Ein kleiner Nachtrag:
Nach drei Stunden Schlaf ging es um 6 Uhr morgens an das Deck 5. Ein älterer Herr und ich, beide ausgestattet mit Fernglas und Kamera, wollten die ersten sein, welche den Polarkreis (bzw. die Statue) sehen. Gespannt standen wir knappe 1,5 Stunden im tosenden Wind bis wir den kleinen Globus, von der Sonne angestrahlt, sahen. Jetzt dürfen wir uns Nordlandfahrer nennen. 66° 33´51´´  wie ich finde etwas ganz besonderes!
Die Landschaft bis Ørnes war gekennzeichnet durch schneebedeckte Berge und auch einen kurzen Blick auf den Svartisen Gletscher konnten wir durch das Fernglas erhaschen. Ich habe das Gefühl, dass sich die Wasserfarbe wieder verändert hat. Türkis blaues Wasser, an den Küsten sogar so klar, dass man den Meeresboden sehen kann. WOW. Im kleinen Örtchen angekommen, beeindrucken kleine Inseln mit feinem hellen Sandstrand, Segelboote begleiten uns aus dem Fjord heraus. Gegen 10: 30Uhr wird dann zu großen Polarkreistaufe aufgerufen. Der Meeresgott Neptun kommt an Bord, gießt jedem Gast eine Kelle Eiswürfel in den Nacken und beglückwünscht alle mit einem Akvavit! Zum Glück scheint mal wieder so die Sonne, dass es eine willkommene Abkühlung ist. Seit zwei Tagen haben wir strahlend blauen Himmel ohne Wolken- Shorts und Flip Flops kommen zum Einsatz 🙂 Etappenziel heute sind die Lofoten, vorher aber ein Stopp in Bodø, der zweitgrößten Stadt in Nord-Norwegen. Es folgt Stamsund und Solvær. Beide sehr hübsche kleine Orte, in felsigen Buchten gelegen. Stockfischgestelle und Seefahrerhütten saumen die Buchten. Es ist sogar etwas Zeit für einen kleinen Spaziergang. Mittlerweile haben wir es schon 22:30 Uhr und das Schiff nimmt kurz auf den Raftsund. Schroffe Felsen und spitze Bergen ragen aus dem Wasser, teilweise schneebedeckt. Es rauschen Wasserfälle und vereinzelt findet man hier noch kleine Hütten. Wie man wohl hier leben kann frage ich mich. Es ist nichts in Reichweite, nur unberührte Natur. Wahnsinnig beeindruckt stehe ich stundenlang im Bug, ein netter Herr bringt mir einen Tee zum aufwärmen. Die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden, es pfeift der Wind aber dennoch ist es sehr hell. Die erste richtige Mitternachtssonne erleben wir heute! Der Kapitän hat beschlossen heute schon in den Trollfjord einzufahren. Dieser misst nur 100 m an der breitesten Stelle. Wiedermal bin ich schwer beeindruckt von den Fahrkünsten! Es gibt kurz nach Mitternacht dann noch eine Trollsuppe an Deck 7. Alle Leute sind putzmunter, viel zu hell zum Schlafen denke ich. Daher schnappe ich mein Buch, setzte mich in den Bibliothek und beobachte wie wir uns Richtung Norden weiter manövrieren. Große Möwenschwärme begleiten unser Schiff.

PS: Mittlerweile kenne ich alle deutschen Rentner an Bord und musste so manch interessante Lebensgeschichte hören. Eine Dame aus der Uckermark hat extra einen Englischkurs für diese Reise belegt. Ein anderen älterer Herr hat sich von seiner Enkelin die Kamera ausgliehen und bedankt sich jeden Abend bei mir, dass ich für Sonne sorge 😉 Zu knuffig hier und was für Technik diese Herrschaften alle besitzen: Notebooks, Tablets, Iphones- ich bin beeindruckt! Zum Glück gibt es aber auch noch Omas hier, die Häkeln, Kreuzworträtsel lösen und sich um Opas kümmern.

Polarkreisüberquerung am frühen Morgen
Kleiner Hafen Ørnes
Landschaft um Brønnøysund
Ørnes - Wo Felsen Karibikstrände treffen

Tag 5- von Storkmarknes bis Skjervøy

7/7/2015

Nachdem ich dann gestern irgendwann Richtung Bett bin hat es angefangen mit schaukeln. Mal von rechts nach links, dann wieder vorne hinten. Toll wenn sich der Horizont immer verschiebt- ein richtiges Seefahrtsgefühl macht sich breit und ich bin happy! Leider ist wegen zu geringer Beteiligung die Walsafari heute morgen ausgefallen. Es hat ein Gutes, ich konnte immerhin 5 Stunden am Stück schlafen. Harstadt (Vesterålen) habe ich mir vom Schiff aus angeschaut, zu windig und kalt um am Land zu gehen. Sehr spannend fand ich das Verladen von Fracht: wir nehmen mit einen neuen Mercedes, Blumen, Zementsäcke, Paletten voller Kaffee und Caprisonne. Da dann erst einmal bis 11:45 Uhr kein Hafen angelaufen wurde, habe ich mich für ein sehr langes Frühstück (natürlich Fensterplatz) entschieden. In Finnsnes angekommen drehe ich eine Runde durch den Ort. Karg sieht es hier aus, eine handvoll Häuser, ein Baumarkt und viele Fahrräder stehen hier rum. Es wird groß Werbung gemacht für das Artic Cycle Race- ein ganz besonderes Radrennen hier in Nordnorwegen! Ich komme rechtzeitig zum Tuten unseres Schiffes an Bord und sehe wie wir noch Lattenroste und Decken ausladen. Beim verlassen des Hafens unterfahren wir die Gisundbrücke, eine der größten Brücken, welche Insel mit Festland verbindet. Leider wird es heute nicht besser vom Wetter. Richtung Tromsø nimmt die Temperatur stetig ab und der Wind zu- alles grau und wolkenverhangen. Besonders als wir den schnellsten Gezeitenstrom durchqueren (Rystraumen) erreichen wir Höchstgeschwindigkeit. Nautisch eine sehr anspruchsvolle Passage bevor wir dann die ersten Blicke auf das „Paris des Nordens“ werfen. Begrüßt rechter Hand von der Eismeerkathedrale warten auch schon Busse auf unsere Touris. Mit ein bisschen Glück darf ich auch mit den Engländern und Norwegern mitfahren und besuche das Polaria (Museum über die Arktis), mache eine Stadtrundfahrt und schaue die Eismeerkathedrale an. Von dort aus hat man einen tollen Blick über den Sund auf unser Schiff im Hafen. Bei einem anschließenden Spaziergang auf eigene Faust mache ich das Hurtigruten Hauptquartier ausfindig, knipse ein Fotos zusammen mit Richard With (Erfinder der Hurtigruten) und Roald Amundsen (der Entdecker!). Tromsø ist bekannt für die Forschung, die nördlichste Uni und Brauerei! Es gewann durch Fischfang an Bedeutung und war Ausgangspunkt vieler spektakulärer Expeditionen in die Arktis. Heute ist es die größte Stadt in Nordnorwegen und sehr multikulturell. Dennoch machen es 7° Grad Außentemperatur im Sommer nicht gerade zu einem attraktiven Ort zum Leben, wie ich finde 😉 Nach diesem fast 5 Stündigen Landgang bin ich durchgefrohren und flüchte ins Bett eine Stunde Schlaf nachholen. Unser Tagesziel heute vor Mitternacht ist Skjervøy, das Panorama ist geprägt durch die Lyngen Alpen, schroffe Felsen mit Schnee in 1800m Höhe. Die Wolken kommen immer tiefer, Nebel zieht auf, etwas mystisches und gleichzeitig gruseliges hat es. Nun ist es kurz vor 24 Uhr, es schaukelt immer weiter und dennoch warte ich darauf das wir Wale sehen- angeblich sind in diesem Gewässer die Chancen am größten!

Blick von Bord
Polaria Museum Tromsø
Finnsnes Hafen

Tag 6 – Faszination Nordkapp

7/8/2015

Mit einem großen Scheppern ging die Ladeluke zu und so ich saß 5 Uhr morgens senkrecht im Bett, warf einen Blick aus dem Fenster auf das Terminal von Hammerfest- der nördlichsten Stadt Europas! Nun sind wir in der Region Finnmark angekommen, hier wohnen 1,5 Menschen auf einem Quadratkilometer. Unter der Dusche fange ich heute das Surfen an und setzte alles unter Wasser- es kommt mir so vor als würde unser Kahn Achterbahn fahren. In Havøysund, einem verträumten Fischerdorf, gehe ich 15 min von Bord und spaziere etwas durch die charmanten Siedlung. Jedes Haus hat eine andere Farbe und mit erstaunen stehe ich auf einmal vor einem Jobcenter- mitten hier im Nichts 😀 Danach packe ich meinen Rucksack, denn als nächstes halten wir in Honningsvåg auf der Insel Magerøy. Diese Insel ist gekennzeichnet durch wunderschöne Tundralandschaften, klare Bergseen und Rentiere. Diese gibt es hier mehr als Menschen, da vor allem die Samen im Sommer ihre Herden weiden. Kurz vor der Hafeneinfahrt sehe ich einen Papageientaucher Backbord an uns vorbei schwimmen! In Honningsvåg dann habe ich einen guten Draht zum Reiseleiter und kann heute schon mitfahren zum Nordkap. Die Sonne scheint, strahlend blauer Himmel- der absolute Wahnsinn denke ich und kann es immer noch nicht realisieren am nördlichsten Punkt Europas zu stehen. Von hier aus sind es nur noch 2090 km bis zum Nordpol.
71° 10´21″ hier steht man „höher“ als Alaska, weite Teile Kanadas, Grönlands und Russlands. Ich laufe um das Schieferplateau, baue meinen eigenen ersten Steinmann als Erinnerung und genieße einfach den Augenblick (auch wenn man fast erfriert trotz zwei Pullis und Handschuhen). Auf den Weg zurück zum Schiff beobachte ich die Rentiere und bekommen einige Einblicke in das Leben der Samen, da unser Guide uns seinen Sami- Freund Nils persönlich vorstellt. 
Voller Eindrücke geht es schaukelnd weiter Richtung Nord-Osten. Heute sehe ich weniger Leute bzw. mehr Leute mit Tüten übers Schiff tappern- ist wohl ein ältere-Menschen-Problem lass ich mir von einem Gruppenleiter erklären 😉 Ich schnapp mir meine Musik, ein paar Postkarten und setzte mich an einen windgeschützten Ort und genieße die Sonne. Es folgen Meham und Kjøllefjord, zwei so typische kleine Hafensiedlungen hier in Nordnorwegen. Allmählich wird mir bewusst wie wichtig die Hurtigruten gerade auch im Gebiet der Barentssee ist. Wir sind der schwimmende Bau- und Supermarkt, Autoauslieferer, Postbote und „Retter in der Not“- so kommt es einem zumindest vor wenn man die Fracht genau unter die Lupe nimmt. Berlevag ist das Tagesziel und hier treffen wir auf die MS Midnatsol (Hurtigruten´s größtes Schiff). Es gibt zwischen unserem und diesem Schiff immer einen Winke-Wettbewerb erklärt unser Reiseleiter und so werden alle Gäste und die gesamte Crew mit Flaggen, Pom-Poms, Handtüchern und Tröten ausgestattet um den größten Krach überhaupt zu machen und das andere Schiff zu übertönen. Ein wildes Treiben Steuerbord- so viel Spaß und gute Laune- ein tolles Erlebnis von Gruppendynamik! Jetzt bin ich gerade so wach das ich noch irgendetwas anstellen muss 🙂

Nördlichster Landstrich
Nordkap Plateau
Blumen am Nordkapp

Tag 7 – Kirkenes und zurück

7/9/2015

Ausschlafen bis um 8 Uhr man das war mal notwendig 😉 Kirkenes ist der Wendepunkt der Hurtigrute. Die ehemalige Eisenerzstadt ist heute eine moderne große Gemeinde unweit der russischen und finnischen Grenze. Den Einfluss der Nachbarn sieht man nicht nur an den zweisprachigen Straßenschildern, sondern auch an den angebotenen Waren im Supermarkt. Da die Sonne scheint entschließe ich mich innerhalb der drei Stunden einen kleine Wanderung zu einem nahegelegen See zu unternehmen. Von dort habe ich dann einen schönen Blick auf die Stadt und unser Schiff, genieße das gute Wetter und laufe durch eine Siedlung zurück. Es ist gar nicht so karg und grau wie man sich es vorgestellt hat. Viele Bäume und Sträucher wachsen hier, das ist schon mehr als wir in den letzten Häfen gesehen haben. Was mir dabei einfällt: schon komisch, wenn man darüber nachdenkt, dass wir hier östlicher als Kairo sind. Unser Schiff geht nun wieder südwärts und dabei ist Vardø unser nächster Hafen. In der Zwischenzeit entschleunige ich mal wieder ein bisschen, dh. Buch lesen, Postkarten schreiben sowie Natur und Rentner beobachten 🙂 Die vorbeiziehende Landschaft ist gekennzeichnet durch karge schroffe Felsen, die einer Mondlandschaft ähneln. Wir begeben uns nun in die arktische Klimazone, es wird grauer, kälter und windiger. In Vardø dann fängt es auch an mit nieseln, Zwiebellook ist angesagt. Und als die Nordlys „einparkt“ ruft mich ein anderer Gast heran: WOW- ein Seelöwe taucht vor unserem Schiff auf und ab- ich bin hin und weg! 

An Land dann erkunde ich etwas das kleine Dorf, laufe durch die kleinen Straßen, jeder hat ein Schneescooter vor der Tür, keine Menschen in Sicht. Irgendwie beeindruckend wie hier Menschen überhaupt leben können, wenn es doch mehr als 40 Sturmtage im Jahr gibt und dann auch noch die Polarnächte, für mich gerade unvorstellbar. Nur ein paar Pferde und Schafe stehen auf großen Weiden. Ich schau mir das Mahnmal der Hexenverbrennung an und bin schwer schockiert, das hier am Ende der Welt im 17 Jhd. mehr als 90 Frauen bei lebendigen Leibe verbrannt wurden. Als weiteres laufe ich zur Festung, welche zum Glück nie als solche genutzt werden musste. Bei der Hafenausfahrt stelle ich fest wie bunt dieses Fischerdorf doch ist, tolle Graffiti gestalten Lagerhallen und erzählen Geschichten! Ich hole mir fix einen Tee zum Aufwärmen und treffe dabei meinen Lieblings-Opi hier an Bord. Ich höre eine neue spannende Geschichte aus seiner Zeit als General. Als wir dann auf das Thema Kreuzfahrten kommen, kann ich nicht mehr vor Lachen – er beschreibt einen großes Kreuzfahrtschiff (sowie die amerikanischen Riesen) als schwimmenden Plattenbau Berlin-Marzahn! Immer wieder bin ich erstaunt über diesen 80 Jahre alten Herrn! Später lerne ich noch einen Studenten kennen aus Madagaskar, welcher hier mit seiner Familie etwas Europa bereist- super sympathisch und toll mal wieder jemanden in meinem Alter hier an Bord zu haben. Der Abend wir mit einem perfekten Essen abgerundet, bevor es dann nochmal raus auf Deck 5 geht. Gegen 22 Uhr passiert uns das Schwesterschiff MS Nordkapp und ein erneuter Wink-Wettbewerb steht an. Dieses Mal legt die Crew einen drauf, Trommeln kommen zusätzlich zum Einsatz, Boxen werden aufgestellt. Über 10min brüllen wir die Gäste vom anderen Schiff an- Freude kommt auf- wir sind deutlich überlegen und bieten Steuerbord die bessere Unterhaltung! Ich habe es geschafft dieses Spektakel zu filmen, muss ich euch dann unbedingt später zeigen 🙂

Wegweiser Kirkenes
Vardo Denkmal
Sonnenuntergang

Tag 8 – Mitternachtsspaziergang durch Tromsø

7/10/2015

Die nördlichste Stadt der Welt Hammerfest war heute der erste Hafen, den ich so richtig mitbekommen habe. Nachts bin ich zwar ab und zu wach geworden weil es so hell ist/war, dennoch lag ich gemütlich bis 8:30 Uhr im Bett. Für Hammerfest hatte ich eine Wanderung empfohlen bekommen und spontan begleitete mich eine junge Holländerin auf meinem Weg. Zur ihrer Person kurz gesagt: sehr sympathisch und wahnsinnig sportlich, denn sie ist von Holland zum Nordkap mit dem Rad gefahren innerhalb von 7 Wochen! Doch zu unserer Wanderung: es ging auf den Hausberg von Hammerfest, was innerhalb von 15 min erledigt war zu unserem Erstaunen. Daher beschlossen wir noch einen anderen Weg zu gehen und stellten dann mitten in der Pampa fest, da wir irgendwie unserem Schiff nicht näher kommen und uns die Zeit bis zur Abfahrt etwas knapp werden würde. Um nichts zu riskieren kletterten wir über Stock und Stein einen Abhang entlang und schafften es rechtzeitig wieder ins Stadtzentrum 🙂 Da uns noch ein wenig Zeit blieb entschied ich mich ins Museum für Wiederaufbau zu gehen. Eine klasse Ausstellung über den 2 Weltkrieg und seine Auswirkungen hier oben in Nordnorwegen. Unvorstellbar, dass hier alles dem Boden gleich gemacht wurde und nach einem strengen „Wiederaufbauplan“ der norwegischen Regierung Menschen wieder sich ansiedelten. Große Erdgasvorkommen machen Hammerfest zu einer sehr modernen, wohlhabenden Stadt heute. Als wir ablegen reißt der Himmel auf und Sonne begleitet uns, Stück für Stück kommt der blaue Himmel durch und ehe wir in Øksfjord sind ist es richtig angenehm, beinahe warm. Hier angekommen merkt man gleich, dass wir die Tundra langsam hinter uns lassen, es blühen wieder Blumen, Bäume säumen Berghänge und mehr Menschen sind auf den Straßen. In diesem schmalen Dorf laden wir ein paar Matratzen aus und fahren schon gleich weiter nach Skjervøy. Landschaftlich könnten wir in den Alpen sein, hohe schneebedeckte Berge ragen aus dem Wasser. Landschaftlich wie immer hier in Norwegen sehr beeindruckend, weshalb ich mir ein ruhiges Plätzchen suche und knappe 4 Stunden Papageientaucher beobachte, Musik höre und mit meiner Kamera rumspiele. Später schaue ich noch beim Reiseleiter unseres Schiffes vorbei und voller Begeisterung zeigt er mir ein Bild von sich in Hamburg am norwegischen Nationalfeiertag. Baff zücke ich mein Handy und zeige ihm fast das gleiche Bild. Er saß eine Reihe hinter mir bei den Festivitäten am 17.05.2015 in der norwegischen Seemannskirche- man, wie klein die Welt doch ist- wir freuen uns beide über diesen Zufall und genießen ein Ü-Ei. Das sind so Momente- traumhaft! 
In Skjervøy bleibt Zeit für einen kleinen Dorfrundgang in der Abendsonne. In der Strandgata, welche die ca. 600m lange Hauptstraße ist, zähle ich 5 Friseure. Schon verrückt irgendwie für ein Fischerdorf was vielleicht 100 Einwohner zählt. Noch etwas besonders anderer Art hat der Ort, denn hier ist ein Fischer ansässig welcher die Hurtigruten immer mit frischem Lachs versorgt. So auch heute für unser Abendessen, wobei dieser mit Rhabarberkompott und Dampfkartoffeln kombiniert wurde. Nachts kommen wir in Tromsø wieder an. Da es natürlich noch sehr hell ist entscheide ich mich auch hier für einen Mitternachtssonnenspaziergang und beobachte das bunte Kneipenleben. Wir haben knappe 12° C und die Mädels rennen hier in kurzen Kleidchen rum- ich hole mein Stirnband raus und friere! Gegen 1:00 Uhr geh ich dann langsam wieder zum Schiff und beobachte wie die Sonne knall orange am Horizont leuchtet und einfach nicht untergehen will.

Tromsø Hafen
Hammerfest Wanderung

Tag 9 – Inselwelten

7/12/2015

Es sollte ein schöner sonniger Spaziergang durch Harstadt vor dem Frühstück werden, doch durch etwas Verspätung und einen großen Ausflug kam ich gar nicht dazu das Schiff in dieser kurzen Zeit zu verlassen. Jedoch war somit das Restaurant leer und ich genoss in aller Ruhe mein Frühstück. Der leider etwas wolkenverhangene Vormittag brachte uns durch den Toppsund bis Risoyhamn. Hier sind wir inmitten der Vesteralen und kleine Inseln ziehen an uns vorbei. Einige Robben begleiten zeitweise unser Schiff durch die Risoyrinne. Ein 4,5 km langer Kanal der extra ausgebaggert wurde um die Vesteralen besser in die Seefahrt einzubinden. Landschaftlich säumen- grüne Hügel und Berge mit viel Baumbestand den Weg. Immer wieder gibt es kleine Sandbuchten und Siedlungen, was wohl auch daran liegt, dass hier die ergiebigsten Fischbänke des Nordens vorzufinden sind. Nächster Stopp nach nur kurzer Fahrt ist Sortland. Die Zeit reicht für einen kurzen Spaziergang zum Supermarkt, denn es herrscht Notstand, ich bin seit Tagen ohne Schoki unterwegs. Sonst gibt es hier nicht so viel zu entdecken, vielleicht noch interessant die große Brücke, Holzkirche, wilde Möwen. Weiter südgehend der Vesteralen kommen wir nachmittags bei Sonnenschein in Stokmarknes, der Wiege der Hurtigruten, an. Zum Glück haben wir genügend Zeit das Hurtigruten Museum zu besichtigen- der Wahnsinn. Die alte Finnmark (eines der ersten Schiffe, im Dienst gewesen Anfang 20 Jhd.) kann man von der Brücke bis zum Maschinenraum genauestens erkunden. Historische Fotodokumentationen und Schiffsmodelle ergänzen die Ausstellung. Für Hurtigruten-Begeisterte ein Muss! Beim Ablegen kommen mir erst die niedlichen roten Holzhäuser vor die Linse, nun geht es aber weiter über den Hadselfjorden auf eine Felswand- die Lofoten- Wand zu. Es folgt die Fahrt durch den Raftsund mit seinen kleinen Sandbuchten, türkisen und grünen Wasser und Inselchen. Da das Wetter herrlich sommerlich nun ist begleiten uns einige Motor- und Segelboote. Ein toller Anblick! Als es dann in den Trollfjord geht (davon hatte ich schon berichtet- sehr eng!!!) habe ich Angst, dass wir vielleicht mal ein Motorboot übersehen oder mit einem Segler zusammenstoßen. Die schneebedeckten Berggipfel sorgen für rauschende Wasserfälle in diesem besonderen Fjord. Sonne bringt das Wasser zum Glitzern und ich bin mal wieder hin und weg von dieser Naturkulisse. Fix geht es dann zum Abendessen, wobei die ersten Inseln der Lofoten an mir vorbei ziehen. Eine dramatische Kulisse auf schroffen Felsen und Schären begegnet uns auf dem Weg nach Solvaer. Die Stadt mit ihren knapp 4400 Einwohnern ist eine der größten auf den Lofoten. Um diese 365 Inseln der Lofoten etwas kennenzulernen bin ich auf´s Pferd gekommen. Genau, ich und ein Islandpony erkunden diese wilde Landschaft! Dafür geht es mit nur insgesamt 5 Gästen nach Hov auf einen Reiterhof. Auf dem Weg dorthin passieren wir schon einige Brücken und Tunnel, sehen klare lagunenähnliche Buchten. Unsere Islandponys stehen schon am weißen Sandstrand bereit und nach dem Aufsatteln reiten wir entlang der sandigen Buchten, über knallbunte Felder (ja hier leuchten die Blumen und Gräser irgendwie anders, von gelb, lila, blau, rot – alles dabei) bis auf kleine Hügel, die einen wundervollen Blick auf die Insellandschaft bieten. Es geht durch Trockenfischgestelle zu einem kleinen Leuchtturm, wo wir eine kleine Pause machen. Zurück tölten wir- für mich als kleinen Pferdefan was besonders. Nach knapp 1,5 Std. (mittlerweile ist es 22 Uhr und die Sonne scheint) kommen wir zurück zum Reiterhof, laufen noch einmal zu diesem unfassbaren weißen Strand und lassen uns dann gemütlich in einem Van über die malerische Küstenstraße in den nächsten Hafen nach Stamsund fahren. Die Lofoten habe es mir sehr angetan- also wer Lust und Laune hat- ich muss da nochmal hin und suche Freiwillige. Unter den Reitern war ein nettes deutsches Ehepaar, mit welchem ich dann anschließend noch bis Mitternacht an Bord saß und gequatscht habe. Als ich im Bett sitze fällt mir ein, dass heute wahrscheinlich die letzte Mitternachtssonne zu sehen ist- also Klamotten an, Flip Flops und raus auf Deck 7 den rosa Kreis am Horizont beobachten während unser Schiff von den Lofoten nach Bodø fährt.

Trollfjord
Ausritt Lofoten Hov

Tag 10 – Sommer, Sonne, Sonnenschein

7/13/2015

Trotz Schlafmaske weckt mich die Sonne gegen 5 Uhr morgens irgendwo kurz vor Ørnes. Eigentlich passend denke ich, da dieser Hafen mein Lieblingsstopp ist. Wunderschöne grüne Berge umranden den kleinen Ort. Vorgelagert sind einige Inseln mit schönen Sandstränden. Also hüpfe ich aus dem Bett, ziehe Flipflops an und werfe einen Pulli über. Allein stehe ich nun auf Deck 6 hinten und genieße die langsam wachwerdende Natur. Das Wasser ist so ruhig, dass sich alles darin widerspiegelt. Durch die Sonne gewärmt sehe ich mir das Be- und Entladen in Ørnes an- witziger weise liefern wir nur Bier an diese Gemeinde. Nach knapp 2 Stunden an Deck beschließe ich mir mal was richtiges anzuziehen und zu frühstücken. Schreiende italienische Kinder bringen mich dabei total aus der Fassung, ich bin genervt und gehe wieder an Deck. Jack Johnson und The Kooks begleiten mich auf der Seepassage über den Polarkreis. Der kleine Globus auf der Insel Hestmannøy heißt uns nun wieder willkommen, dh. auch das Phänomen Mitternachtssonne liegt hinter uns. Das Wetter ist so gut, dass ich mich gegen Mittag schon zum zweiten Mal mit Sonnencreme schützen muss. Es folgen die Häfen Nesna und Sandnessjoen. Beide kleine verträumte Orte und heute wo auch noch Sonntag ist, fast ausgestorben. Nur eine Fähre mit Festivalgängern kommt parallel zu uns an. In Helgeland ist für die kommende Woche ein großes Musikspektakel angekündigt. Nachdem wir Sandnessjøen hinter uns haben tauchen Backbord die sieben Schwestern auf. Eine hohe Bergkette mit 7 Hügeln in 900- 1100 m Höhe, um welche sich die verschiedensten norwegischen Sagen wiegen. Kurz darauf kommt eine ältere Französin auf mich zu (sie war auch reiten) und wir reden über Reisen auf eigene Faust, Abenteuer Wildnis und die schönsten Orte, die wir noch sehen müssen. So verfliegt die Zeit rasend schnell und wir ankern in Brønnøysund. Auch zur Region Helgeland gehörend sieht diese Gemeinde, auf mehreren kleinen Inseln verteilt, aus wie eine Modeleisenbahnlandschaft. Es ist etwas mehr Zeit und so spaziere ich entlang der modernen Hafenpromenade, beobachte Angler und komme schließlich zu einer schicken Steinkirche. Endlich Schatten denke ich und bin begeistert als eine Frau an der Kirchenorgel einige melodische Stücke übt und uns somit ein Privatkonzert gibt. Ganz beschwingt laufe ich zurück entlang eines kleinen Sees  in dem mutig ein paar Kinder schwimmen und paddeln. Die totale Idylle hier! Später an Bord geht es am berühmten Torghatten (Berg mit Loch) vorbei und unser letzter Hafen für heute ist Rorvik. Hier bekomme ich endlich die Gelegenheit noch Stockfisch an Trockengestellen im Hafen zu sehen. Irgendwie so gar nicht appetitlich anzusehen und riechen tut es auch noch. Komischerweise fliegen die Möwen im großen Bogen drum herum, ich wundere mich kurz, schnappe dann einen Kaffee und setzt mich in den Panoramasalon und lasse die ganzen Ereignisse des Tages Revue passieren. Als Steuerbord vor der untergehenden Sonne  ein Leuchtturm auftaucht knipse ich noch einmal ein paar Bilder und treffe Richard. Der liebe Reiseleiter einer Braunschweiger Gruppe war oft bei den Mahlzeiten mein Tischpartner und so schnacken wir noch kurz und verabschieden uns, denn für ihn ist in Trondheim Ende. Der erste Mal seit Beginn dieser Reise gehe ich vor 1 Uhr ins Bett und lasse mich in den Schlaf schaukeln 🙂

Stockfischgestell Rørvik
abenteuer voraus steffi reist Brønnøysund
Seven Sisters Bergkette

Tag 11 – Alesund – Trondheim

7/14/2015

In den frühen Morgenstunden machten wir Halt in Trondheim. Wie schon auf dem Hinweg hatten wir knappe 4 Stunden um diese schöne Stadt zu erkunden. Da ich mich für die gemütliche Variante entschied und etwas länger schlief, reichte meine Zeit dann „nur“ noch um auf die Festung hochzulaufen. Mit einem schönen Ausblick auf den Nidaros Dom und die umliegende Altstadt wurde der mühevolle Anstieg belohnt. Anschließenden machte ich einen Spaziergang durch Bakklandet (niedliche Gassen mit bunten Holzhäusern, kleinen Cafés und Läden) wobei es sich am Himmel eher zuzog und die Luftfeuchtigkeit rapide anstieg. Parallel zu uns lag noch die Kong Harald (auch Hurtigruten) und die Aida Sol im Hafen, sodass ich sehr glücklich war schon nordgehend alle touristischen Highlights mitgenommen zu haben. Ich entfloh diesen Massen und saß am Nidelva. Nach dem Ablegen gegen 10 Uhr kämpfte sich die Sonne nochmal für 30 min durch und alle Stühle an Deck waren fix belegt. Die folgenden 6,5 Std. Seefahrt vergingen schneller als gedacht, musste man doch noch eine Informationsveranstaltung zur Abreise in Bergen mitnehmen. Zudem ergaben sich noch einmal verschiedenste Gespräche mit der Ü60 Generation und einigen Franzosen.

Gegen 14 Uhr wurde dann an Deck eine Art Kurs zum Filetieren eines Lachs angeboten. Der Küchenchef hatte einen 5 kg Apparat aus Brᴓnnᴓysund mitgebracht. Mit scharfem Messer war der Fisch ruck zuck zerlegt, mit einen großen Pinzette alle Greten entfernt. Als wir alle genauestens das Verfahren beobachtet hatten war es nun auch an der Zeit diesen frischen Fisch einmal zu verkosten- so lecker! Spontan konnte ich den Ausflug in Kristiansund zur Atlantikstraße begleiten. Da das Wetter uns seit einigen Stunden sowieso im Stich ließ war diese Bustour ganz willkommen um mal noch das Hinterland kennen zu lernen. Die Tour fing mit dem Besuch einer alten Stabkirche in Kvernes. In Norwegen gibt es nur noch 33 Stabkirchen überhaupt, diese war besonders hübsch verziert und bemalt von innen. Ein großes Holzschiff hing von der Kirchendecke hinunter und war allen Seefahrern gewidmet. Durch Tunnel, über viele Brücken und Inselchen ging es weiter direkt zur Atlantikstraße. Diese Panoramastraße konnte wir aufgrund des Nebels und des Regens leider nicht so gut sehen und der kleine Wanderstopp musste auch ausfallen. Schon sehr schade, wobei ich aber dennoch davon überzeugt bin, dass diese Strecke mit den Auto oder Fahrrad sowieso viel besser zu entdecken ist. Unser Abendessen bekamen wir in einem typischen norwegischen Restaurant dieser Region. Es gab Bacalau- eine Art Fischeintopf aus Spanien und Portugal. Warum etwas Südländisches in Norwegen?! Nun die Spanier und Portugiesen holen den Fisch für ihre Lieblingsspeise direkt aus Norwegen und so hat es sich auch hierzulande zu einem traditionellen Gericht entwickelt. Leider überhaupt nicht mein Ding- zum Glück gab es Karamellpudding zum Nachtisch. Dieser Ausflug brachte uns letztendlich bis nach Molde, wo unser Schiff schon wartete. Von Bord aus konnten wir das berühmte Jazzfestival beobachten und toller Musik, im stärker werdenden Regen, lauschen. Ich kam dann ins Quatschen mit dem Reiseleiter und entschied dann mal langsam meine Sachen in den Koffer zu packen. Schnell verließ mich die Motivation die Kabine schon ordentlich zu machen, sodass ich mir noch einen Kaffee holte und auf Deck 7 saß. Dabei wurde ich von dem Opi (ehemaliger General) eingeladen mich noch mit dazu zusetzten, es folgte noch ein anderes Ehepaar. Wir saßen nun zu 5. beisammen unterhielten uns richtig gut, lachten viel. Die vorbeiziehende Landschaft war wunderschön, es leuchteten die kleinen Siedlungen an den Berghängen. Kurz nach Mitternacht sollten wir in Ålesund ankommen und ich entschied mich für einen Stadtspaziergang. Nur komischerweise war keine Stadt in Sicht als wir anlegten. Es war ein reines Frachtterminal welches wir hier nachts anlaufen, sodass ich meinen Spaziergang einmal ums Schiff machte und dann müde ins Bett fiel.

TRondheim
Tor über dem Nidelv

Tag 12 – Land in Sicht

Kurz vor Florø werde ich wach und komm gar nicht von meinem Fenster los , so schick sieht es aus und die Sonne scheint! Da fällt mir ein ich muss noch den Koffer packen, gegen 10 Uhr muss die Kabine leer sein. Als wir durch den Steinsundet fahren sitze ich draußen in der Sonne und probiere nochmal ganz viel Landschaft und Natur aufzunehmen- in Hamburg werde ich so etwas nicht so schnell finden 😉 Der Schärengarten vor Bergen mit seinen vielen Inseln und kleinen Leuchttürmen schwimmt an uns vorbei und so bleiben nur noch 1,5h bis zum Ende der schönsten Seereise der Welt, ja ungelogen es mag sicherlich noch große Abenteuer auf dieser Welt geben , aber was traditionelle Seefahrt für Passagiere und die einmalige Natur Norwegens angeht, kann Hurtigruten nicht getoppt werden! Ein wenig traurig ist es schon nach Hause zu kehren, der Opi kommt nochmal vorbei, nimmt mich in den Arm und verabschiedet sich. Auch die Crew sagt „Ha det“ und ich schnappe meinen Koffer im Terminal in Bergen und mache mich auf den Weg zum Hotel. So schnell kann ich ja nicht wieder nach Hause! Ich habe mich für einen weiteren Tag in Bergen entschieden.
Zum Nachmittag hab ich also Wanderschuhe an den Füßen und mach mich durch enge Kehren hoch zum Fløyen, dem wohl bekanntesten der 7 Berge die Bergen umgeben. Eine gemütliche Wanderung bei stets gutem Wetter, tolle Aussicht auf die Stadtteile in den Fjorden hat man von hier oben. Da aber auch eine Bahn raufführt sind Massen an Menschen vorzufinden und ich entscheide mich weiter zu wandern zu einem nahegelegenen See. Später zum Abend erkunde ich noch das Bergenhus  (eine alte Festungsstadt) und das berühmte Welterbe Bryggen. Alte Handelshäuser aus Holz , sehr verwinkelt, erinnern an die Hansezeit wo hauptsächlich mit Lübeck und den Holländern Handel betrieben wurde. Ich entscheide mich für ein Picknick und laufe in eines der am Hang liegenden Wohngebiete. Dort finde ich zwischen kleinen Gassen eine Bank mit Blick auf die Stadt und in der Sonne -perfekt denke ich und verweile bis es zu kalt wird. Gegen Mitternacht liege ich im Bettchen und lasse die letzten 12 Tage nochmal Revue passieren. Wahnsinn was so alles passiert ist!

Fløyenwanderung
Schwimmbad Bergen
Alte Häuser - Bryggen

Tag 13 – Abschied nehmen

7/15/2015

Der Morgen im Hotel begann mit einem super leckeren Frühstück, auf dessen Buffet es frische Waffeln gab (ja genau, warme Waffeln mit Obst zum Frühstück)! Die Sonne schien und es blieben mir noch 4 Stunden Bergen weiter zu erkunden. So lief ich einfach mal auf die andere Hafenseite, entdeckte weitere tolle Gassen und Holzhäuser, hübsche Kirchen und siehe da- ein Freibad. Es schwammen sogar ein paar Menschen (gegen 10 Uhr bei ca. 16° C) darin. Ich machte meine Jacke zu und war einfach nur wieder erstaunt wie hart im Nehmen einige sind. Unweit davon gab es einen kleinen Park, welcher zu drei Seiten Wasser um sich hatte. Auf einem kleinen Steg ließ ich mich nieder, schrieb die letzten Postkarten und beobachtete das rege Treiben auf dem Wasser. Aber wie sollte es anders kommen- jetzt fing es an zu regnen! Kapuze auf und weiter ging meine kleine Tour durch Bergen. Ich schlenderte durch Läden, schaute mir Bryggen noch einmal im Detail an und schließlich ging es mit dem Flybussen zum Flyplassen. Mit der Fliegerei hatte es wenigstens ein Gutes- alle Flüge hatten etwas Verspätung und mein Gepäck kam auf Anhieb mit! Gegen 23:15 Uhr erreichte ich dann meine Haustür und wurde ganz herzlich empfangen von meinen lieben Mitbewohnern! 
Wir quatschten erst einmal eine ganze Weile, denn zwei Wochen Norwegen und Hamburg müssen ausgewertet werden. Nach etwas ausruhen, quatschen und Schoki naschen war ich dann doch noch motiviert meinen Koffer auszuräumen und die knapp 3500 Bilder auf den Laptop auszuladen. In den nächsten Tagen muss ich dann mal Ordnung in diesem Bilderfundus schaffen 🙂
Jetzt ist es 2:01 Uhr, mit kaputten Füßen und einem großen Grinsen voller Zufriedenheit bin ich nun wieder zurück! Mal schauen was als Nächstes so ansteht! Gute Nacht! 

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