Kirche in Nuuk
Europa,  Grönland,  Seereisen

Grönland per Schiff

Prins Christian Sund

Es ist der 06.08.2016 und endlich ist es soweit. Gegen 10 Uhr können wir am Horizont schon die ersten Bergketten mit schneebedeckten Gipfeln sehen und die Erkundung von Grönland per Schiff startet. Gletscher ragen bis ins Meer hinein und kurze Zeit später sehe ich die ersten Eisberge in der Ferne. Ein Gänsehautmoment macht sich breit und will gar nicht mehr enden. Die Einfahrt in den Prins Christian Sund verfolge ich dick eingepackt mit Handschuh, Schal und Mütze vorne im Bug stehend. Die Sonne scheint und keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Die Einfahrt scheint viel zu eng in diese Passage. Hohe Felsen und kleine Inseln durchfahren wir elegant. Seit Akureyri (Island) haben wir zusätzliche Eislotsen mit auf der Brücke, die sich bestens mit den örtlichen Gegebenheiten auskennen. Wasserfälle laufen die steilen Berge hinab, Gletscher im leuchtendem Blau scheinen den Hang hinab zu rutschen. Die Natur hat hier mal wieder alles perfekt inszeniert. Aus dem Staunen komme ich schon lange nicht mehr heraus, Fotomotiv links und gleichzeitig ergibt sich auch rechts wieder ein wundervoller Blick auf die unberührte Natur. Je tiefer wir in die 100km lange Passage einfahren, je mehr kleine weiße Punkte kann man auf der Wasseroberfläche wahrnehmen. Eisschollen in jeglicher Form und Größe ziehen an uns vorbei. Unser Schiff tuckert nun ganz vorsichtig und langsam durch die immer größer werdenden Schollen hindurch. Ein Risiko soll gar nicht erst entstehen. Wahnsinn- Eisberge mit Loch in der Mitte, Schmelzwassereinschlüsse sind zu erkennen. Die Begeisterung nimmt einfach kein Ende. Mittlerweile stehe ich seit 3 Stunden an Deck aber an Weiterarbeiten denkt hier keiner mehr. Ganz im Gegenteil, nun wird auch noch heiße Schokolade und Punsch serviert um alle wieder etwas aufzuwärmen. Die Sonne tut ihr übriges dazu, in den windgeschützten Ecken könnte man fast die Jacken öffnen. Der Sund schlängelt sich durch die schroffen Felsen, nur ein kleines Segelboot begegnet uns heute. Inmitten dieser Natur lassen wir unser Rescue-Boot  ins Wasser und das Filmteam nimmt spektakuläre Szenen auf. Nach knapp 6 Stunden an der frischen Luft zeichnet sich sogar ein leichter Sonnenbrand auf unseren Gesichtern ab. Später abends zieht dann der Nebel zwischen den Eisschollen und -bergen auf. Eine mystische Stimmung macht sich breit und die untergehende Sonne leuchtet orange- braun die letzten Berge an, bevor wir weiter auf die offene See fahren. Was ein Tag- Grönland wir kommen!

Prins Christian Sund
Fahrt durch den Prins Christian Sund

Nuuk – Hauptstadt Grönlands

Es ist 7 Uhr morgens und der Kapitän macht seine Durchsage und heißt alle herzlich Willkommen vor Nuuk. Ich schau aus dem Fenster und sehe nichts. Wir stehen inmitten einer riesigen Nebelwand und könnten überall sein.
Nuuk ist die Hauptstadt Grönlands und ist mit knapp 16000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt im Land. Es gibt nichts was es nicht gibt. Die typischen bunten Holzhäuser begrüßen uns als der Nebel sich gegen 10 Uhr langsam zurückzieht. Wir sind von Eisschollen umgeben und Tendern zu einem kleinen Holzsteg. Silit heißt der nette Inuit, welcher mich heute durch Nuuk begleitet und mir das Leben hier in Grönland näher bringt. Mittlerweile scheint die Sonne, keine Wolke ist mehr zu sehen. Die Statur des Stadtbegründers und Missionars Hans Egede steht auf einem Berg, den wir leicht erklettern. Die Aussicht von hier ist wunderschön. Eisschollen auf dem Meer, türkis-blaues Wasser in der Bucht, Sandstrand und dann die modernen Gebäude von Nuuk. Große Wohnblöcke stehen hier dicht an dicht und sind Zeitzeugen der 60/70 er Jahre. Damals haben die Dänen Grönland probiert im Rahmen der „G 60“ Politik der Zentralisierung zu modernisieren. Im Kontrast dazu kennzeichnen heute schicke moderne Gebäude die neueren Stadtteile. Architektonisch wurden hier aus Holz, Stahl, Beton und Glas futuristische Bauwerke geschaffen. Das Kulturzentrum ist ein Beispiel dafür, aber auch die fünf Schulen und viele Wohnhäuser könnten direkt aus der Hamburger Hafencity sein. Silit erzählt, dass er gestern erst von der Rentierjagd mit seinen Kindern zurück sei. Es ist momentan Hochsaison und gehöre zur Tradition. Robben zählen hier auch zu den beliebtesten Nahrungsmitteln und schwärmt nur so davon (ich lächle und trauere insgeheim um die kleinen Robben). Er erzählt vom alltäglichen Leben, was unserem komplett gleich scheint. Auch hier trinkt man gerne mal ein Bier. Leider sagt Silit gibt es ein Monopol und nur Carlsberg wird nach Grönland exportiert. Aber die neue Regierung hat es frei gegeben, dass Mikrobrauereien entstehen konnten und nun mit Malz aus Bamberg hier grönländisches Bier gebraut werden kann. Es die Feinheiten, die das Leben hier anders und besonders machen. Man sagt in der Kultur der Inuit lebt die Seele weiter, daher werden Neugeborene entweder nach gerade verstorbenen Personen benannt oder auch nach Gegenständen und Naturbegriffen. Silit berichtet, dass sein Sohn übersetzt Schneeflocke heißt, da am Tag seiner Geburt der erste Schnee des Jahres fiel. Weiterhin, ist Familie und Gemeinschaft sehr wichtig. Durch den dänischen Einfluss sei ihre eigene Kultur fast zerstört und ausgerottet wurden. Umso glücklicher ist Silit heute, dass Grönländisch offizielle Sprache ist und auch die Feiertage der Inuit begangen werden.  Ich hätte stundenland mit ihm quatschen können, doch die Zeit vergeht wie im Flug. Es ist  mal wieder das Eintauchen in eine fremde faszinierende Kultur, das mich begeistert und mir sagt: Reisen tut gut! Solche Begegnungen sind einmalig!

Blick auf Nuuk
Kirche in Nuuk
Aussicht Nuuk

Sisimiut – wie im Legoland

Die zweitgrößte Stadt Grönlands überraschte mich nun, entgegen allen Wetterberichten, mit ganz viel Sonnenschein. Sofort war wieder die gute Laune da und die Abenteuerlust sowieso. Direkt neben der Fischfabrik lagen wir an und viele kleine bunte Häuser fielen sofort ins Auge. Wie im Legoland kommt man sich hier vor und daher hat auch der südlichste Stadtteil Sisimiuts genau diesen Spitznamen bekommen. Knapp 5600 Einwohner zählt dieser Ort. Mit Pierre und Lora mache ich mich heute auf Erkundungstour. Beide wohnen hier und sind hier zum Großteil auch aufgewachsen, zeigen mir ihre Häuser und ihre eigenen Schlittenhunde. Es gibt extra eine „Hundestadt“, dh. ein Gebiet etwas außerhalb der Stadt wo die Hunde im Sommer leben können in ihren Gemeinschaften. Jede Familie so sagen sie, hat zwischen 8- 20 solcher schönen Tiere. Nur hier sind es keine Haustiere, sondern Nutztiere. Im Sommer begleiten sie zur Jagd, im Winter müssen sie die Schlitten ziehen. So ein Hund ist ein teures Vergnügen, denn man rechnet mit knapp 300€/ Monat pro Hund nur an Nahrung. Und zack fliegt auch ein großer Fisch mal eben zu den Hunden. Robbenfleisch mögen sie auch sehr, sagt Pierre. Sisimiut ist das südlichste Gebiet in dem diese Hunderasse gehalten werden darf. Sie dürfen niemals den Polarkreis überqueren, denn dann ist eine Rückkehr ausgeschlossen.
Weiter dann durch den Ort findet man hier auch größere, weniger schöne Wohnblöcke. Wie in Nuuk gab es auch hier in den 60/70er Jahren eine große Zuwanderung aus umliegenden kleinen Dörfern sodass rasch Wohnraum geschaffen werden musste. Zur Zeit ist man hier bemüht die Menschen umzusiedeln in neue hübschere Reihenhäuser, um die alten Blöcke abzureißen.
Sisimiut ist auch ein kleines Bildungszentrum. Pierre ist hauptberuflich Mathe- und Techniklehrer am Gymnasium. Lora leitet in ihrer Freizeit noch den Chor. Zusätzlich kann man viele handwerkliche Ausbildungen hier verfolgen und auch Ingenieur werden. Heute ist rein zufällig der erste Schultag aller Erstklässler und wir bekommen sogar ein paar Inuit in ihrer tollen Tracht zu sehen. Diese besteht aus einem bunten Pullover bei den Damen mit Perlen bestickt, sowie einer Hose und Stiefeln aus Robbenleder. Zusätzlich werden Felle noch dazu getragen.
Im historischen Zentrum angekommen haben wir zwei Kirchen und ein kleines Museumshaus. Vor der alten blauen Kirche steht sogar ein riesiger Walknochen als Eingangstor zur Kirche. Dieser stammt von einem Grönlandwal, welcher in 1902 hier in der Bucht von Sisimiut strandete. Schlicht mit Holz vertäfelt ist auch die neue rote Kirche wunderschön. Sie wurde damals in Einzelteilen aus Dänemark geschickt und wie im IKEA-System wieder nach Nummerierung aufgebaut.
Was mir heute besonders aufgefallen ist, dass die Leute hier ihre Wäscheständer vor den Balkon hängen und nicht auf den Balkon stellen. Lora wunderte sich diesbezüglich über meine Frage warum es denn so sein und zuckte mit den Schultern- das macht man hier einfach so… Als ich dann später das Auto mit dem Kinderwagen hinten dran sah, der ähnlich wie die Wäscheständer befestigt wurde, traute ich mich gar nicht mehr nachzuhaken. Typisch grönländisch !

Kinderwagentransport
Hundeauslauf Sisimiut
Häuser Sisimiut
Siedlung Sisimiute
Fischerei vor Sisimiut

Eisberg-Disko

8/20/2016

​Der nördlichste Punkt Grönlands meiner jetzigen Tour ist die wunderschöne Disko-Bucht mit ihrer kleinen Insel. Eisberge hatten wir ja bereits schon in Augenschein genommen die letzten Tage entlang der Küste, doch unsere Eislotsen an Bord sagten nur „Eiswürfel“. Erst in der Disko-Bucht würde man EisBERGE sehen. Und damit lagen sie mehr als richtig. Es war einfach alles perfekt. Sonne schien, keine Wolke am Himmel, ruhige See und viele, viele Eisberge. Einer natürlich schöner als der andere, was Form und Größe angeht. Der Kapitän und die beiden isländischen Eislotsen (haben wir in Akureyri an Bord genommen) haben einen sehr guten Kurs eingeschlagen, sodass wir die Insel mit ihren steilen Felsen aber auch später noch das Festland sehen konnten. Unser Schiff war einfach winzig im Gegensatz zu den schwimmenden Eismassen. Wale begleiteten uns abschnittsweise, nur Robben blieben uns verwehrt. Bei einem wahnsinnig riesigen Eisberg hatten wir dann sogar die Möglichkeit einmal herum zu fahren, was ganze 45min gedauert hat. Wir konnten das Eis knartschen hören und minütlich änderte sich das Bild dieses Kolosses. Teile brachen ab, kleine Lawinen konnten wir mit bloßem Auge erkennen.  Das ganze habe ich in über 250 Bildern festgehalten, bzw. probiert festzuhalten, denn Momente wie diese sind irgendwie unbeschreiblich.
Macht eine Tour durch die Disko-Bucht!!!

Eisberg Diskobucht
Me and the iceberg
Eisberge Diskobucht Grönland
Mittagssonne und Eisberg

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert