Finnland im Februar
Zwischen Hauptstadt und Polarkreis
Finnland im Winter fühlt sich anders an. Leiser. Klarer. Reduzierter.
Unsere Reise beginnt im Februar, mitten in der kalten Jahreszeit – mit Temperaturen um −6 °C in Helsinki und einer Landschaft, die weiter nördlich fast vollständig in Weiß getaucht ist.
Der Kontrast könnte kaum größer sein: erst urbane Wintertage an der Ostsee, dann die Fahrt durch endlose Schneelandschaften bis hinauf an den Polarkreis.
Helsinki – 2 Tage Winterstadt an der Ostsee
Unser Startpunkt ist Helsinki, die Hauptstadt Finnlands. Auch im Winter lässt sich die Stadt hervorragend zu Fuß erkunden – kompakt, übersichtlich und angenehm entschleunigt. Bei etwa −6 °C fühlt sich die Kälte überraschend gut an: trocken, klar und mit diesem besonderen Winterlicht, das alles ein wenig ruhiger wirken lässt.
Helsinki verbindet nordisches Design mit maritimer Lage. Viele Viertel liegen direkt am Wasser, und selbst im Februar ist die Nähe zur Ostsee überall spürbar – gefrorene Buchten, eisige Uferwege und Möwen, die sich vom Winter kaum beeindrucken lassen. Zwei Tage reichen aus, um einen guten Eindruck zu bekommen: spazieren, treiben lassen, zwischendurch aufwärmen – genau der richtige Einstieg, bevor es weiter in die Weite Lapplands geht.
Dick eingepackt im Zwiebellook, den Schal bis hoch über die Nase gezogen, trotzen wir am ersten Abend dem eisigen Wind. Die Temperaturen liegen deutlich unter null, doch die Stadt wirkt ruhig und fast feierlich. Der Helsinki Dom erhebt sich vor uns im Dunkeln – weiß, monumental, von Schnee umgeben. Das Licht reflektiert auf den Stufen, der Schnee leuchtet, und für einen Moment scheint alles stillzustehen.
Lange halten wir es draußen nicht aus. Die Kälte kriecht langsam durch die Kleidung, also flüchten wir in ein warmes Restaurant, lassen uns nieder und spüren, wie die Wärme langsam zurückkommt.
Am nächsten Morgen starten wir wieder am Dom, diesmal bei Tageslicht. Von hier führt unser Weg weiter zur Uspenski-Kathedrale, der größten orthodoxen Kirche Westeuropas. Die roten Backsteine bilden einen starken Kontrast zum weißen Schnee und dem grauen Winterhimmel.
Durch knirschenden Schnee laufen wir weiter über die Esplanade, Helsinkis grüne Achse – im Sommer ein Park, im Winter eine stille Schneelandschaft mit vielen Lichtelementen. Spontan entscheiden wir uns für eine Fähre. Ohne großes Planen stehen wir wenig später an Bord und gleiten durch Eisschollen hinaus zu den vorgelagerten Inseln. Die Fähren gehören in Helsinki ganz selbstverständlich zum öffentlichen Nahverkehr – auch im Winter.



Suomenlinna – Festung im Schnee
Unser Ziel ist Suomenlinna, die historische Seefestung und UNESCO-Welterbestätte. Im Winter wirkt die Insel besonders ruhig. Die alten Mauern, Gebäude und Wege liegen unter einer Schneeschicht, das Meer ist teilweise zugefroren, nur schmale Fahrwasser bleiben offen.
Wir spazieren durch die Anlage, erkunden die Festung, lassen den Blick über das Eis schweifen und wärmen uns schließlich mit einem heißen Kakao auf in einem kleinen süßen Café. Gerade noch rechtzeitig erwischen wir die vorletzte Fähre zurück nach Helsinki.
Am Ende des Tages zeigt der Schrittzähler 37.000 Schritte. Müde, durchgefroren, aber vollkommen zufrieden fallen wir ins Bett.
Mit dem Zug nach Norden – Panoramafahrt durch den finnischen Winter
Nach den Tagen in der Stadt wechseln wir das Tempo – und die Szenerie. Mit dem Zug geht es von Helsinki aus Richtung Norden, vorbei an verschneiten Wäldern, zugefrorenen Seen und kleinen Orten, die im Winter fast mit der Landschaft verschmelzen.
Rovaniemi ist bekannt als Tor zu Lappland und als offizieller Standort des Polarkreises. Hier beginnt eine andere Art von Winter: kälter, weiter, ursprünglicher. Die Stadt liegt eingebettet in Wälder und Flusslandschaften und ist der perfekte Ausgangspunkt für Wintererlebnisse im Norden Finnlands.
Schon bei der Ankunft spürt man:
Hier geht es weniger um Sehenswürdigkeiten – und mehr um Natur, Stille und das Erleben des Winters.
Die Zugfahrt nach Rovaniemi dauert länger als gedacht. Knapp acht Stunden ziehen draußen vorbei – oder besser gesagt: verschwimmen. Alles ist weiß. Bäume, Felder, Seen. Die Landschaft reduziert sich auf wenige Formen und Farben, bis irgendwann alles gleich aussieht. Und genau das macht etwas mit uns.
Das monotone Weiß wirkt fast hypnotisch. Wir werden müde, auf eine gute Art. Es bleibt viel Zeit für Lesen, Podcasts und Gedanken, die sonst im Alltag keinen Platz haben. Gespräche verstummen zwischendurch, dann wieder dieses stille Schauen aus dem Fenster. Eine Fahrt, die nicht anstrengend ist – sondern entschleunigt.
Am Abend erreichen wir unsere Ferienwohnung in Rovaniemi. Schon beim Aussteigen sind wir überwältigt: Die Schneemassen sind hoch aufgetürmt, Wege und Straßen gesäumt von meterhohen Schneewällen. Flüsse sind gefroren, alles wirkt wie aus einer anderen Welt.
Für Franzi und mich ist es der erste richtige Winterurlaub – und wir sind sofort begeistert. Dieser Winter ist nicht grau oder nass, sondern klar, still und wunderschön. Jeder Schritt knirscht, jeder Atemzug fühlt sich frisch an.
Wir wissen: Die nächsten Tage werden draußen stattfinden.



Kotatieva – Unser erster Winterabenteuer-Tag
Unsere erste Tagestour führt uns nach Kotatieva, einem abgelegenen Waldgebiet, das wir bequem per Shuttleservice erreichen. Schon die Fahrt hinaus zeigt, wie dünn besiedelt diese Region ist. Wald, Schnee, Stille.
Vor Ort erwartet uns alles, was wir uns für einen Winterurlaub gewünscht haben:
- eine Eisbahn, die sich durch den Wald schlängelt
- ein Rodelhang
- weite Flächen für Schneeschuhwanderungen
Völlig glücklich probieren wir alles aus. Besonders die Eisbahn durch den verschneiten Wald begeistert uns – gleiten zwischen Bäumen, umgeben von Stille und Frost. Schnell ist klar: Schneeschuhwandern wollen wir auch unbedingt noch öfter machen.





Magischer Zufall – Unsere ersten Nordlichter
Am Abend gehen wir nur noch kurz spazieren. Kein großes Vorhaben, kein Plan. Und dann passiert es:
Über uns tanzen plötzlich Nordlichter am Himmel.
Wir bleiben stehen, schauen uns an, völlig begeistert. Grünlich schimmernde Schleier bewegen sich langsam über den Himmel – leise, fast vorsichtig. Wir sind aus dem Häuschen, können unser Glück kaum fassen.
Unsere Aurora-App hatte recht. Dieser Moment fühlt sich an wie ein Geschenk. Ein perfekter Start in Lappland – und der Beweis, dass manche Erlebnisse genau dann kommen, wenn man sie nicht erzwingt.
Mit dem Schneemobil durch Lappland – Tempo, Schnee & Freiheit
Eine unserer nächsten Touren führt uns aufs Schneemobil – hinaus auf einen zugefrorenen Fluss und weiter durch tief verschneite Waldgebiete. Zu Beginn ist da Respekt. Vor allem vor der Geschwindigkeit und der ungewohnten Situation. Doch kaum starten wir, weicht die Anspannung einem echten Rauschgefühl.
Die Landschaft zieht an uns vorbei: weiße Flächen, dunkle Baumstämme, gefrorene Weite. Der Motor brummt, der Fahrtwind ist eisig – zum Glück sind wir dick eingepackt. Mit jeder Minute fühlen wir uns sicherer und können die Fahrt richtig genießen. Schneemobilfahren ist intensiv, laut und gleichzeitig befreiend. Ein Erlebnis, das perfekt zu Lappland passt.
Mehr Freiheit – Mit dem Auto durch den Norden
Um in den kommenden Tagen unabhängiger zu sein, mieten wir ein Auto am nahegelegenen Flughafen. Die Straßen sindnur teilweise gut geräumt, das Fahren im Schnee überraschend entspannt – und die neu gewonnene Flexibilität eröffnet uns ganz andere Möglichkeiten.
Unser Plan: Wanderungen, spontane Stopps, und Nordlicht-Ausflüge auf eigene Faust.



Arctic Circle Hiking Area – Stille am Polarkreis
Direkt starten wir eine Tour im Napapiirin retkeilyalue, dem Arctic Circle Hiking Area. Schon nach wenigen Schritten stapfen wir durch Tiefschnee, abseits von Trubel und Infrastruktur. Die Wege sind nur gut erkennbar, die Landschaft wirkt endlos.
Gefrorene Flüsse und Bäche sind von großen Eisformationen überzogen, bizarre Skulpturen aus Schnee und Eis säumen den Weg. Alles ist still. Kein Wind, keine Stimmen, nur das Knirschen unserer Schritte. Diese Art von Ruhe erlebt man selten.
Am Abend fahren wir erneut los, diesmal gezielt zu einem bekannten Aurora-Spot an einem See, nahe des Apukka Resorts. Der Himmel ist klar, die Bedingungen wirken vielversprechend.
Doch diesmal bleibt es ruhig. Kein Leuchten, kein Tanz am Himmel. Wir stehen eine Weile, schauen, warten. Und merken: Auch das gehört dazu. Nordlichter lassen sich nicht planen – und genau das macht sie so besonders.
Wir fahren zurück, nicht enttäuscht, sondern ruhig. Die Nacht ist klar, der Schnee reflektiert das Licht, und wir wissen: Lappland schenkt einem genau das, was gerade passt – nicht unbedingt das, was man erwartet.
Korouoma-Schlucht – Gefrorene Wasserfälle & Winterglück
Am nächsten Tag steigen wir erneut mutig ins Auto. Die Straßen sind größtenteils frei, aber stellenweise glatt und rutschig. Unser Ziel liegt etwas südöstlich von Rovaniemi: die Korouoma-Schlucht, berühmt für ihre gefrorenen Wasserfälle – ein absolutes Winterhighlight in Finnland.
Gut vorbereitet machen wir uns auf den langen Weg. Proviant ist dabei, denn inzwischen wissen wir:
In Finnland kann man selbst im Winter in Nationalparks grillen. An vielen ausgewiesenen Feuerstellen liegt sogar Holz bereit. Dieses Erlebnis wollen wir unbedingt mitnehmen.
Am kleinen Café am Ausgangspunkt leihen wir uns Spikes für die Schuhe – eine der besten Entscheidungen der Reise. Kaum sind wir auf dem Weg, wird klar, warum: Es geht stetig auf und ab, über schmale Pfade, vereiste Passagen und festgetretenen Schnee.
Wir folgen den Markierungen, um wirklich alle Wasserfälle mitzunehmen. Und sie sind spektakulär:
Meterhohe Eisformationen, gefrorene Kaskaden in Blau- und Weißtönen, Stille, die nur vom Knirschen der Schritte unterbrochen wird. Die Spikes geben Sicherheit, selbst dort, wo der Weg spiegelglatt wird.
Immer wieder bleiben wir stehen, schauen, atmen tief durch. Die Aussichten in die Schlucht sind atemberaubend – rau, groß, winterlich.
Je länger wir unterwegs sind, desto größer wird dieses Gefühl von Dankbarkeit. Dafür, hier zu sein. Dafür, diesen Ort erleben zu dürfen. Und als wäre das nicht schon genug, entdecken wir zum Ende der Tour tatsächlich noch Rentiere – ruhig, gelassen, ganz selbstverständlich Teil dieser Landschaft. Ein Moment, der sich einprägt.






Ein kleiner Dämpfer – und doch nebensächlich
Am letzten Tag wartet dann doch noch eine kleine Überraschung:
Ein Strafzettel am Mietwagen, weil wir die Parkscheibe nicht rechtzeitig umgestellt haben. 50 Euro – ärgerlich, klar. Aber ehrlich gesagt: Es trübt nichts.
Zu viele Eindrücke, zu viele besondere Momente liegen hinter uns.
Fazit Lappland
Finnland im Februar hat uns genau das gegeben, was wir gesucht haben:
Winter in seiner schönsten Form. Natur, Bewegung, Stille – und das Gefühl, wirklich draußen zu sein. Dieser Trip war intensiv, entschleunigend und überraschend emotional.
Und wir wissen jetzt schon:
Das war nicht unser letzter Winter im Norden Europas.
Beste Reisezeit für Wintererlebnisse: Januar–März
- Zugverbindung Helsinki–Rovaniemi: bequem, nachhaltig & landschaftlich besonders
- Temperaturen: Helsinki ca. −5 bis −10 °C, Lappland oft deutlich kälter
- Kleidung: Zwiebellook & gute Winterausrüstung entscheidend
- mit dem Auto wesentlich flexibler unterwegs
- Rovaniemi ist sehr touristisch, da auch das Weihnachtsmanndorf dort ist (zu teuer und kitschig meiner Meinung nach)



