Rundreise durch Dänemark
Kleiner Trip entlang der dänischen Westküste
10/26/2016
Auch wenn Oktober nicht unbedingt die perfekte Jahreszeit erscheint um einen Trip entlang der Nord- und Ostseeküste zu planen, ist es umso verlockender diese günstige Reisezeit auszunutzen. Also nichts wie los auf Rundreise durch Dänemark.
Gestartet in Hamburg ging es den ersten Tag über Flensburg/ Kolding/ Esbjerg/ Varde bis nach Hvide Sande. Das Wetter war so halbwegs auf unserer Seite, es gab schon einmal kein Regen aber halt auch keine Sonne. In Hvide Sande hatten wir eine kleine „Surfer-Bude“ gemietet. Der Name war auch wirklich Programm, denn ein Kite-Surf Lehrer aus Österreich öffnete uns die Tür und hieß uns herzlich willkommen. Er plante einen Kite-Surf Ausflug am nächsten Morgen und fragte ob wir nicht mitkommen wollen. Es kribbelte wahnsinnig in meinen Händen aber bei 8°C Außentemperatur siegte dann doch der Verstand und ich tröstete ihn, dass nächstes Frühjahr bestimmt die Umstände besser wären. Bei einem abendlichen Spaziergang erkundeten wir erst einmal den dünnen Landstreifen, kletterten über die Dünen, beobachteten Schiffe beim Schleusen und erfroren bei starkem Wind (gefühlt).
Am nächsten Morgen sah der Ort völlig anders aus als gestern. Sonne und blauer Himmel lockten uns früh heraus. Daraufhin entschieden wir uns für ein Frühstück on the road und machten uns weiter Richtung Norden auf diesem dünnen Landstreifen. Lyngvig Fyr, der erste Leuchtturm auf unserer Strecke war gleich der nächste Haltepunkt. Dick angezogen ging es durch die herrliche unendlich erscheinende Dünenlandschaft. Ein paar Menschen waren am Wasser spazieren, ansonsten war da nichts. Pure Idylle, Wellenrauschen, Möwengeschrei. Es war einer dieser perfekten Momente, in den die Zeit still steht und man einfach nur glücklich in die Luft grinst. Ich rannte die Dünen hinunter wie ein kleines Kind, wollte unbedingt direkt ans Wasser, nach Muscheln suchen und mich satt sehen.
Weiter ging die Fahrt über Ringkøbing/ Ulfborg und Struer. Immer weiter die Landstraße entlang probierten wir so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln, hielten oft an, spazierten durch kleine Dörfer und Städte und dann ging es auch schon wieder weiter. Ich hatte schon öfter was über den Nationalpark Thy gelesen, daher war das unser nächstes Ziel. Der erste Nationalpark Dänemarks beeindruckte wieder mit toller Dünenlandschaft an der Nordseeküste, Nadelwäldern und bunt-gefärbten Mischwäldern. Der Herbst hieß uns willkommen!
Kleine Seen im Hinterland, Weiden mit zotteligen Kühen und Schafen prägten den Nationalpark im Landesinneren. Vereinzelt standen Häuser und Bauernhöfe inmitten dieser unberührten Natur. Auch hier hatten wir spontan entschieden einfach mal links abzubiegen und gelangten über Vestervig und Krik und weitere kleine Umwege zum nächsten Leuchtturm: Lodbjerg Fyr. Auch hier ein großer Spaziergang um Surfer zu beobachten und Waldwegen zu folgen. Diese Mini-Ausflüge waren Erholung pur!
Nächster Halt war Klitmøller– das Hawaii des Nordens (auch „Cold Hawaii“ genannt). Für Wassersportbegeisterte ein Muss! Der Weg dorthin führte immer noch durch den Nationalpark Thy und was wir vorfanden hat uns so sehr gefallen, dass definitiv eine Rückkehr bevor steht wenn es wärmer ist! Ein kleines Paradies für Surfer, Kiter, SUP und all die anderen tollen Sportarten am und im Wasser. Ich hatte weiterhin Stiefel, Handschuhe, Schal und Mütze an und hier tobte das Leben im Wasser. Mit Kopfhauben und dickem Neoprenanzug surften größeren Scharen in den Wellen der Nordsee. Beeindruckend wie hier im Norden keiner so friert wie ich alleine beim Zuschauen! Aufgrund mangelnder Zeit und dem Tagesziel „Skagen“ ging die nächste Etappe in eins durch.
Skagen- der nördlichste Punkt Dänemarks. Der Ort an dem Kattegat und Skagerrak sich treffen. Göteborg liegt nur einen Katzensprung entfernt und Oslo ist gefühlt in Sichtweite. Genau hier zog es uns hin! Morgens gleich nach dem gemütlichen Frühstück in unserer Ferienwohnung bei Janette und Gert, ging es mit dem Auto noch auf den Parkplatz beim Bunkermuseum von Grenen. Ab hier dann zu Fuß bis es nur noch Wasser um uns herum gab. Irgendwie hatten nur sehr viele Menschen den gleichen Gedanken wie wir und man hätte denken könnte eine Völkerwanderung wäre ausgerufen worden. Vorbei an alten Bunkeranlagen, durch die Dünen und entlang der Ostseeküste kämpften wir uns gegen den Wind. Wellen über Wellen, schwankende Tanker am Horizont. Die Kraft der Natur war überall zu spüren. Und plötzlich schaut aus den Wellen eine kleine Robbe heraus und verschwindet schon mit der Nächsten. Und wieder, schwupps taucht sie auf und ist gefühlt sofort wieder verschwunden. Direkt am Treffpunkt von Kattegat und Skagerrak eröffnet sich uns ein beträchtliches Naturschauspiel. Ruhige See trifft auf stürmisches Meer. Eine klare Line zeichnet die Grenze beider auf und dazwischen hüpfen immer wieder kleine Robben, spielen in den Wellen und lassen sich von den Menschen nicht beeindrucken. Wieder stehe ich (etwas abseits des Menschenauflaufes) und lausche den Wellen. Es hat so etwas beruhigendes und vermittelt mir das Gefühl von Erholung und fast schon Urlaub in einem gewissen Sinne. Ich glaube deshalb muss ich seit geraumer Zeit auch immer in der Nähe vom Meer leben.
Nachmittags zieht es uns in den Ort Skagen, wir bummeln durch die Innenstadt mit ihren ockerfarbenen kleinen Häusern. Es riecht überall nach frischen Waffeln und Kaffee, wobei mich die Eisdiele mit „All-you-can-eat“- Eiscreme schon sehr beeindruckt. Für schlappe 8€ ist man bei diesem Spaß dabei. Als es dann leicht anfängt mit regnen überlegen wir unseren Innenstadtbummel zu beenden. Nächster Stopp ist die versandete Kirche am Ortsrand.
Dieser Stopp war eine Empfehlung einer guten Freundin, welche als Kind hier war und berichtete, dass die Dünen so stark wandern, das nur noch wenig von der Kirche zu sehen sei. Und tatsächlich schaut nur noch der Kirchturm heraus (wir konnten bis ins oberste Geschoss :)), 1805 wurde das Kirchenschiff aufgrund der Versandung sogar abgerissen. Herrliche Wälder umranden den Turm und einen schönen Ausblick auf die umliegende Landschaft hatten wir auch.
Alles in allem eine Tour, die ich so jederzeit wieder machen würde- am liebsten mit Bikini und Surfbrett bei Sonnenschein.







Kulturhauptstadt Århus
Ein Samstagmorgen, ein besonderes Bahnangebot und schwupps war wieder der Rucksack gepackt um die neue Heimat etwas zu erkunden. Mit fünf lieben Menschen machte ich mich auf den Weg nach Jütland (dänisches Festland), nach Århus. Die zweitgrößte Stadt Dänemarks mit knapp 260000 Einwohnern. Direkt am Meer gelegen habe ich hier schon einmal vor zwei Monaten mit dem Schiff gehalten aber leider keine Zeit gehabt durch die Innenstadt zu schlendern. Bei kühlen 9°C ging es vom Hauptbahnhof Richtung „Den Gamle By“.
Den Gamle By ist definitiv einen Besucht wert. Was von außen eher unscheinbar ausschaut, ist ein wunderschön gestaltetes Freilichtmuseum indem man eine Zeitreise durch die dänische Geschichte tätig. Häuser aus allen Jahrhunderten wurden nachgebaut und detailgetreu kann man einfach dänische Kultur nachempfinden. Pferdekutschen fahren über Kopfsteinpflaster, ein Bauernjunge treibt Gänse durch die Gassen, die alte Bageri (Bäckerei) verkauft traditionelles Gebäck. Es passt einfach alles perfekt zusammen und wahre Schätze und Geschichten erfährt man wenn man einfach mal in die vielen verschiedenen Häuser und Läden reingeht und durch die Zimmer wandelt. Von alten Möbeln, über einen Hutmacher sind auch WGs der 70ger Jahre zu betrachten. Ein Trabi steht im Hinterhof und die Geschichte von Christiania (Freistaat in Kopenhagen) kann man in einem Poster-Museum nachvollziehen. Mehrere Stunden verbummeln wir hier und sind fasziniert!
Auf unserem weiteren Weg durchqueren wir das ARoS Museum. Von innen sieht es dem Guggenheim Museum in New York sehr, sehr ähnlich. Große bunte Skulpturen hängen in diesem Museumseingang. Wir durchstöbern etwas die ersten Bilder und entscheiden uns dann gegen den „Regenbogen“. Das Rainbow Panorama gewährt einem einen tollen Ausblick auf die gesamte Stadt in eben Regenbogenfarben. Es geht in die Haupteinkaufsstraße und wie der Zufall es will spricht mich in einem Schuhgeschäft eine junge Dänin an. Es niemand anderes als die einzige Dänin, die ich über AIDA kennengelernt habe. Die Wiedersehensfreude ist riesig, wir quatschen, grinsen im Kreis und verabreden uns auf ein Treffen hoffentlich noch in diesem Jahr.
Der Hafen, die Bibliothek und noch ein paar Gassen gehören heute noch zum Programm bevor wir dann abends die Bahn zurück nach Odense nehmen und einen traumhaften Sonnenuntergang während der Fahrt genießen.




Fyns Hoved & Kerteminde
Zeit die eigene Insel zu erkunden! Nachdem nun endlich in Odense alles geregelt läuft und ich hier einen ersten guten Überblick über die Stadt, den Hafen, die Universität und ein bisschen Umgebung gewinnen konnte, muss ich raus. Als Insulaner hat man ja sowieso erst einmal gewisse geographische Grenzen und den nördlichsten Punkt zu erkunden steht nun auf meiner Liste.
Fyns Hoved ist der Nordzipfel und landschaftlich einmalig schön. Die Ostsee umspült diese Landzunge und über die Jahrhunderte haben sich hier Klippen und Steilküsten gebildet. Wilde Wiesen, große Felder, kleine Seen und Strandabschnitte machen das Landschaftsbild aus. Es ist ein herrlicher Tag- die Sonne lacht, eine frische Brise Ostseeluft bläst uns entgegen und ein Schal ist Muss. Mit dem Auto haben wir in Joven geparkt und weiter geht es nun zu Fuß diese abwechslungsreiche Ecke von Fünen zu erkunden. Als erstes fallen die Angler ins Auge. Sie stehen hüfttief im Wasser und probieren durch sogenanntes „Fliegenangeln“ Forellen zu fangen. Viel ist noch nicht in ihrem Körben drin aber der Tag hat ja auch erst angefangen. Auf der Seite zum offenen Meer sieht man Tanker und Windkraftanlagen, und kann sogar schon die Küstenränder von Seeland (Insel auf der auch Kopenhagen liegt) erkennen. Wir laufen entlang eines Trampelpfades entlang der Küste, ich genieße das Wellenrauschen und die einmalig frische Luft. Schafe stehen sehr versteckt im hohen Gras, Kühe hört man aus nächsten Nähe. Einfach idyllisch und ich verstehe mal wieder was die Dänen mit ihrem „Hygge“ alles so meinen. Den Rest erklären denke ich die Bilder, einfach ein herrliches Fleckchen Erde 🙂
Auf dem Rückweg geht es durch Kerteminde. Eigentlich auf der Suche nach leckerem Fisch laufen wir entlang des Sportboothafens und des Fischereihafens. Leider hat die Nebensaison schon begonnen und die Stadt ist wie leer gefegt. Dennoch gefallen die schönen Backsteinhäuser und auch das Fachwerk in den kleinen Straßen. Im Sommer muss es hier auch besonders schön sein etwas Zeit am langen Sandstrand zu verbringen und schon einmal einen Blick auf die Große Beltbrücke zu werfen.


