1 Tag auf Amrum
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1 Tag auf Amrum

Das Leben am Deich

Vor knapp 1,5 Wochen, ca. 900km nördlich habe ich einen mir bislang fremden Fleck Erde betreten: die Nordseeinsel Amrum.

Im Siel 59 (bei Ockholm) lässt es sich so entspannt schlafen und frühstücken mit Blick auf den Deich, ein paar grasende Schafe und viel Watt, wenn die Nordsee mal wieder auf der Flucht ist. Nach langer Zeit daheim, war dies der perfekte Ort für einen Tapetenwechsel im Herbst. Bei unserem mehrtägigen Aufenthalt entscheiden wir uns für 1 Tag auf Amrum. Die Tage haben uns so entschleunigen lassen, dass wir im Akkord ins Auto springen mussten um in Dagebüll rechtzeitig noch die vorab gebuchte Fähre nach Amrum zu bekommen.

Eine Fährfahrt in aller Gemütlichkeit

Außer Atmen und mit Maske ging es an Board der Schleswig Holstein, die sowohl Autos und LKWs wie auch Radfahrer und banale Füßgänger wie uns transportiert durch die Fahrrinne. Die Überfahrt von Dagebüll nach Wittdün auf Amrum dauert gemütliche zwei Stunden, die man damit verbringen kann

  1. Die Markierungs-Birken zu zählen
  2. Die umliegenden Halligen zu begutachten
  3. Einfach nur die Nase in den Wind zu halten

Profis, wie wir sind, sind wir allen Tätigkeiten nachgegangen und haben auch den Zwischenstopp in Wyk auf Föhr genaustens verfolgt: Gäste rauf und runter, Fahrzeuge rauf und runter, Leute die kurz vor knapp kommen werden stehen gelassen, eine nächste Fähre kommt bestimmt.

Und so sind wir gegen Mittag auch endlich auf unserer viertgrößten Nordseeinsel angekommen, stellt sich doch direkt im Hafen von Wittdün dir Frage ob wir Fußgänger bleiben oder doch lieber ein Fahrrad mieten für unseren kurzen Aufenthalt.

Inselerlebnisse zu Fuß

Wir entscheiden uns Fußgänger zu bleiben, was sich 10min später auch beim Betreten des Kniepstrandes schon komplett bezahlt gemacht hat. Wild stehen Strandkörbe in den Dünen, das Wasser ist dabei sich zu verziehen und Platz für große Matschflächen und Sandbänke zu lassen. Es ist windig, ein bisschen frisch – ein toller Herbsttag und nur wenig Menschen unterwegs, so wie wir das lieben, sehr ruhig und gediegen.

Wir passieren den Spielplatz und in weiter Ferne sehen wir kleine Striche am Horizont. Irgendwo dort bei den Spaziergängern endet wohl dieser fantastische Strand und das Meer beginnt. Die Dimensionen lassen sich schwer schätzen und beeindrucken uns sehr. Tolle Natur direkt vor unseren Füßen, Mülleimer regelmäßig platziert um alles schön sauber und ordentlich zu halten.

Wir laufen unserer Intuition nach Richtung Norden parallel zu den letzten Häusern und planen als grobe Markierung den aufblitzenden Leuchtturm zu nutzen. Wir bahnen dabei den Weg durch höher werdende Sandhügel mit sich im Wind biegenden Dünengras und Dünen-Gerste. Menschenleer, nur der Wind rauscht und verwischt im gleichen Moment unsere Spuren im hellen weichen Sand. Oft bleiben wir stehen halten Inne, schauen uns an und grinsen breit. Genau das sind die Momente zum Kraft tanken, Seele baumeln lassen und Leben genießen.


Bald nähern wir uns schon den Dünen und überwachsenen Hügeln in deren Schutz Nadelbäume und Birken in Windrichtung schief gewachsen sind. Eben hier hat sich ein Süßwassersee gebildet und beginnen die Wanderwege auf Holzplanken. Ein paar mehr Leute tummeln sich hier und wir entfliehen über die hölzernen Stege und Treppen über den Campingplatz weiter Richtung Leuchtturm. Dort angekommen stellen wir fest, man kann auf die Düne aber nicht auf den Leuchtturm. Wir checken die Zeit bis zur Fährabfahrt und entscheiden einfach dem Weg durch den herbstlich leuchtenden Wald zu folgen. Mittlerweile hat uns die Sonne zurück, es ist warm, die Mütze kann eingepackt werden. Wir landen nach längerem Spaziergang durch das Laub und einer Abbiegung nach links wieder auf Holzplanken im Naturschutzgebiet. Eine einsame Bank lädt zum Ausruhen und Apfel vernaschen ein. Wieder ist da diese Stille und das Säuseln von Wind. Eine Aussichtsplattform kommt in unser Blickfeld, natürlich müssen wir auch da hinauf und unsere Blicke schweifen lassen. Leider sind es von diesem Punkt noch 1,3km bis zum Wasser. Dieses Mal ist die Zeit zu knapp aber bereits jetzt wissen wir, auf diese Insel kommen wir zurück.

Nachdem wir das Naturschutzgebiet durch den Wald verlassen stehen wir auch schon in Süddorf. Hübsche verklinkerte Häuser, großzügige Gärten und tolle Reethdächer laden zum Träumen für den nächsten Aufenthalt ein. Wir spazieren durch den Ort und nehmen den Stianoodswai um auf die andere Inselseite zu gelangen. 1 Auto und 2 Radfahrer begegenen uns auf diesem Abschnitt, Möwen fliegen ihre Kreise und ein Bauer flügt sein Feld. Am Deich angekommen erblicken wir schon den Fähranleger und Wittdün. Wir verweilen wieder mal auf einer Bank mit Aussicht und überlegen, wo wir uns bestenfalls mit einem Fischbrötchen zum Abschluss unserer Tour stärken können.

Zurück in Wittdün laufen wir zu unserem Ausgangspunkt an der Strandbar Seehund, nehmen einen Strandkorb ein, genießen wieder den Blick auf Strand und Dünen. Auf dem Weg zurück zum Anleger laufen wir um die Südspitze. Mittlerweile kann man die Sandbänke zwischen Föhr und Amrum deutlich erkennen und unser Schiff bahnt sich erneut in der beginnenden Dämmerung den Weg durch die Fahrrinne Richtung Festland.

Dieser Tagesausflug macht Lust auf Meer, also wenn Nordseetrip dann sicherlich wieder auf diese herrlich entspannte und ruhige Insel. Bis bald!



Gut zu wissen

  • Fähre Dagebüll – Amrum ca. 20€ p.P., Dauer der Fahrt ca. 2 Std. je Richtung
  • Frischen Fisch gibt es in Brötchen in Wittdün oder Norddorf ab 3,50€ – sau lecker!
  • Radverleih direkt am Hafen in Wittdün, ca. 8€/Tag
  • Öffentliche Toiletten sind gut ausgeschildert und sauber!
  • Inselparkplatz in Dagebüll, ca. 7€ Parkgebühr

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